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Bill Stewart trainierte die Adler Mannheim bereits von 2000 bis 2004 © dpa Picture Alliance

Der einstige Meistertrainer Bill Stewart soll die Adler Mannheim aus der Krise führen. Die Karriere des 60-Jährigen ist reich an Eskapaden.

"Kill Bill" ist zurück. Zum Start sollte Bill Stewart, der alte und neue Coach der Adler Mannheim, aber besser nicht die große Tageszeitung der Stadt lesen.

Fast schon genüsslich listete der Mannheimer Morgen auf, was sich der Italo-Kanadier in der Vergangenheit alles geleistet hat. Die Spitznamen "Kill Bill" und "Psycho Bill" trägt der neue Chef an der Bande des siebenmaligen Eishockey-Meisters, der dort schon von 2000 bis 2004 stand, nicht umsonst.

So lieferte sich Stewart mit Pavel Gross, dem Trainer der Grizzlys Wolfsburg, vor 16 Jahren in den Play-offs eine Prügelei, bei der beide Gesichtsverletzungen davontrugen.

Kurz darauf gaukelte Stewart im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft eine Ohnmacht vor, damit Starstürmer Jan Alston noch seine neuen Schlittschuhkufen schleifen lassen konnte. Die Schauspieleinlage war erfolgreich - die Kurpfälzer wurden Meister.

Spieler im Kofferraum geschmuggelt

Doch damit nicht genug. Als Angestellter der Barrie Colts in der kanadischen Ontario Hockey League (OHL) versuchte Stewart im Jahr 2000, einen ukrainischen Spieler ohne gültige Papiere im Kofferraum des Mannschaftsbusses in die USA zu schmuggeln. Stewart wurde erwischt und durfte sechs Jahre nicht in die USA einreisen.

Zudem gilt Stewart als cholerisch. Nach einer Niederlage schloss der heute 60-Jährige seine Schützlinge bis 5.00 Uhr morgens in die Kabine zur "Taktikschulung" ein. Der Höhepunkt der Auswüchse war gleichzeitig das Ende seiner ersten Amtszeit in Mannheim: Als Stewart im Anschluss an eine Pleite eine Bierflasche durch die Frontscheibe des Teambusses warf, war das Maß für die Verantwortlichen voll.

Vertrag bis zum Saisonende

Dennoch wurde Stewart nun vom Mannheimer Geschäftsführer Daniel Hopp zurückgeholt und mit einem Vertrag bis zum Saisonende ausgestattet. "Für unsere Situation ist er der richtige Mann", begründete Hopp im Mannheimer Morgen seine Entscheidung: "Wir wollen jetzt wieder ins Rollen kommen."

Zuvor hatten die Mannheimer ihre komplette sportliche Leitung vor die Tür gesetzt. Nach einer bislang enttäuschend verlaufenen Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) trennte sich der Klub von Trainer Sean Simpson, Co-Trainer Colin Müller und Manager Teal Fowler. Der ehemalige NHL-Profi Jochen Hecht bleibt Co-Trainer.

Die Adler liegen nach 28 Spielen und damit etwas mehr als der Hälfte der Saison mit 43 Punkten in der Tabelle auf Rang sieben, der nur zur Teilnahme an den Pre-Play-offs berechtigt. "Wir waren der Meinung, dass wir uns neu aufstellen müssen", sagte Hopp. (SERVICE: Die DEL-Tabelle)

Mit Straubing Tabellenletzter

Stewart arbeitete bis Oktober bei den Straubing Tigers - allerdings nicht gerade erfolgreich. Als Tabellenletzter musste er gehen.

Der Coach gilt als Übergangslösung. Es wird bereits über die Rückkehr von Geoff Ward spekuliert. Der frühere Meistertrainer der Adler (2015) steht derzeit als Co-Trainer bei den New Jersey Devils in der nordamerikanischen Profiliga NHL unter Vertrag.

Dringend gesucht wird auch ein Nachfolger von Manager Fowler, mit dem Mannheim 2007 und 2015 Meister wurde. Hopp machte klar, dass die Zeit dafür drängt: "Das muss zügig angegangen werden."

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