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Ben Brode hat gut lachen: Hearthstone ist ein Überraschungshit © Blizzard

SPORT1 spricht mit Blizzards Hearthstone-Chef Ben Brode über die neuen Karten von Das Flüstern der Alten Götter, die anstehenden Formate und das Metaspiel.

Von Dorian Gorr

Er ist der Mann hinter Hearthstone: Ben Brode. Ein bärtiger Hüne mit Dauergrinsen im Gesicht und einer Lache, die man noch drei Räume weiter hört. Seit 13 Jahren arbeitet Brode bei Blizzard und ist als Lead Designer verantwortlich für das Online-Kartenspiel, das sich in kurzer Zeit zum Überraschungshit im eSports-Sektor entwickelt hat.

SPORT1 hat mit Brode über die neue Erweiterung Das Flüstern der Alten Götter und die anstehenden Format-Veränderungen gesprochen.

SPORT1: Das Metaspiel ist derzeit sehr aggressiv. Inwiefern ist es euer Ziel, Hearthstone mit "Das Flüstern der Alten Götter" etwas zu verlangsamen?

Ben Brode: Das Flüstern der Altern Götter soll sowohl neue Aggro als auch neue Control Decks ermöglichen. Wir bieten mit der neuen Erweiterung viele neue Möglichkeiten an, um beide Stile zu spielen. Ich finde übrigens nicht, dass aggressive Decks derzeit zu dominant sind.

Schon jetzt gibt es viele Werkzeuge, um damit fertig zu werden. Schaut man sich die aktuellen eSports-Turniere an, sieht man dort Freeze Mage, Control Warrior, aber eben auch Tempo Mage – das gesamte Spektrum ist meist vertreten.

SPORT1: Wie wichtig ist für euch das Feedback der Profispieler bei jeder neuen Erweiterung?

Ben Brode: Sehr wichtig. Wir lernen durch das Feedback der Profis, welche Karten und Mechaniken gut funktionieren und welche nicht.

Als wir 2014 Der Fluch von Naxxramas veröffentlichten, fanden wir heraus, dass der Webspinner total beliebt war. Der Grund: Der Zufallsfaktor.

Auf manch andere Karten, die auf den Zufallsfaktor setzen, reagieren Spieler hingegen sehr negativ. All dieses Feedback ist für uns bedeutend, sobald wir an neuen Karten arbeiten.

Spaßvogel trifft Reporter: Ben Brode und Dorian Gorr in Blizzards Hauptquartier © D. Gorr

SPORT1: Wie oft wird eine Karte verändert, bis dann endlich die endgültige Version steht?

Ben Brode: Manchmal sehr oft, manchmal kaum. Es gibt Karten, bei denen es der erste Entwurf ins Spiel geschafft hat. Das Paladin-Secret Sacred Trial zum Beispiel. Die meisten Karten verändern sich aber natürlich im Laufe der Entwicklung. Manchmal wollen wir uns eine neue Idee auch für zukünftige Konzepte aufbewahren, andere Karten brauchen 15 bis 20 Anläufe, bis sie schließlich fertig sind.

SPORT1: Die Veröffentlichung von Das Flüstern der Alten Götter bedeutet gleichzeitig den größten Einschnitt in der Geschichte von Hearthstone: Ihr teilt das Spiel in das Standard- und das Wild-Format auf. Warum ist dieser Schritt notwendig?

Ben Brode: Wir wussten immer, dass die Entwicklung von Hearthstone darauf abzielt und irgendwann der Punkt kommt, an dem wir etwas verändern müssen. Du kannst nicht ewig neue Karten veröffentlichen und die Spieler damit alleine lassen.

Stell dir vor, ein neuer Spieler fängt mit Hearthstone an und es gibt 150 verschiedene Kartensets – das schreckt ab! Oberstes Gebot ist für uns, dass das Spiel für Einsteiger zugänglich ist. Nach zwei Jahren Hearthstone haben wir gemerkt, dass das immer schwieriger wurde. Deshalb müssen wir jetzt etwas verändern. Uns erleichtert es außerdem, das Metaspiel stärker zu beeinflussen.

SPORT1: Wie oft hörst du noch den Vorwurf, dass Hearthstone ein Pay-to-Win-Spiel ist?

Ben Brode: Wenn man ein Strategiespiel gegen andere spielt, dann fühlt es sich immer gut an, wenn man die Schuld für die eigene Niederlage woanders suchen kann. Bei Hearthstone gibt es viele Möglichkeiten, den Grund anderen Faktoren als sich selbst zuzuschreiben: „Der Gegner besitzt bessere Karten und hatte zudem Glück.“ Aber wenn du wirklich gut in dem Spiel bist, dann kannst du dich auf den Legend-Rang hochspielen. Leute machen das mit Free-to-Play-Decks – und zwar jeden Monat. Dieser Vorwurf hält einfach nicht unseren Daten Stand.

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