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In StarCraft und League of Legends reisen immer mehr Spieler zum Training nach Südkorea - so auch Team Renegades in dieser Off-Season. Die Infrastruktur ist kaum zu kopieren.

Von Johannes Gorzel

Südkorea ist das eSport-Mekka. Bereits zur Jahrtausendwende widmeten dort einige TV-Sender ihren Sendeplan voll und ganz den Matches in StarCraft. Auch League of Legends erfreute sich dort in den letzten Jahren großer Beliebtheit.

In beiden Games ist eines klar: Möchte man zu einem der besten Spieler der Welt gehören, dann hilft der Weg nach Korea.

Trainingslager in Korea

Das nordamerikanische Team Renegades hat diesen Gedanken verinnerlicht und befindet sich aktuell in Seoul.

Alexey “Alex Ich” Ichetovkin ist gleichzeitig Inhaber und Mid-Laner bei Renegades © Riot Games

Dort machen die fünf Spieler aktuell die League of Legends-Server unsicher, während sie sich auf die kommende Saison der NA LCS vorbereiten.

Es ist üblich, dass Teams eine solche Reise vor wichtigen Events antreten. Beispielsweise fand das Training der meisten westlichen Repräsentanten für die League of Legends-WM in Seoul statt.

Bereits vor dem eSport-Boom in Europa und Nordamerika gab es allerdings einige Spieler, die diesen Schritt wagten.

Spitzenniveau nur über Korea erreichbar

Gregory "IdrA" Fields war einer davon. In StarCraft: Brood War schaffte er es sogar in das Teamhaus von CJ Entus, einem der berüchtigtsten Teams damals und heute. Er galt als einer der sehr wenigen „Foreigner“, also Nicht-Koreaner, die damals in internationalen Wettbewerben wirklich relevant waren.

Gregory „IdrA“ Fields zählte anfangs zu den besten StarCraft II-Spielern © ESL

Es ist Konsens unter Spielern, dass man mit koreanischen Konkurrenten trainieren muss, um ihr Niveau zu erreichen. Das erklärte uns vor kurzem auch Dario "TLO" Wünsch im Interview. Der Deutsche zählte 2010 zu den vier Foreignern, welche die erste GSL, die damals wichtigste koreanische StarCraft II-Liga, aufmischten.

TLO sammelte wichtige Erfahrungswerte und erklärt, dass die Reise nach Korea essenziell ist: „Die besten Spieler sind in Korea konzentriert auf einem Fleck. Aufgrund der Latenzzeit ist es uns auch nicht möglich, online mit ihnen zu trainieren.“

Dutzende Gaming-Häuser in Seoul

Nur in Seoul, der südkoreanischen Hauptstadt, finden sich die Teamhäuser zahlreicher renommierter Organisationen wie die von SK Telecom T1, KT Rolster oder des bereits erwähnten CJ Entus – die Liste umfasst mehr als ein Dutzend weiterer Teams.

Lee „Flash“ Young Ho gilt als der beste Spieler im ersten Teil von StarCraft (IEM Toronto 2014) © ESL - Helena Kristiansson

Zusammen mit ihren Coaches, Köchen, den Kollegen aus B-Teams sowie den anderen Spielen finden sich dort täglich auch Superstars wie Lee "Flash" Young Ho oder Lee "Faker" Sang-hyeok zum Training ein. Sei es für die Matches in der Proleague, die renommierteste Teamliga in StarCraft II, oder der LCK, Koreas oberste League of Legends-Liga.

Jede Woche müssen sie sich während der regulären Saisons auf zwei Matches vorbereiten. Treten sie dann im Studio auf, werden sie von einem Publikum empfangen, welches im Fall der zwei genannten Stars unter anderem aus kreischenden Mädchen besteht. Außerdem schaut die ganze Welt zu – es gibt hier schließlich die mit Abstand besten Partien zu sehen.

Lee „Faker“ Sang-hyeok wird als beste League of Legends-Spieler angesehen (WM 2015) © Riot Games

 

Vor allem in League of Legends ist es offensichtlich, dass die westliche Szene allmählich nachzuziehen scheint. Die Infrastruktur des koreanischen eSports ist jedoch nicht von jetzt auf gleich zu imitieren.

Bis hierzulande eine vergleichbare Struktur entstanden ist, werden die besten Teams der Welt weiterhin regelmäßig ihre Flüge nach Südkorea buchen müssen.

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