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Dentist war 2015 als Coach in der LCS tätig. © Riot Games

Karl "Dentist" Krey, Ex-Coach der Copenhagen Wolves, spricht im SPORT1-Interview über das Finale der EU LCS. Er rechnet mit G2 Esports als Sieger.

Dentist erreichte mit den Copenhagen Wolves im Spring Split 2015 die Play-Offs der EU LCS. Mittlerweile ist er Co-Projektleiter bei Summoner's Inn, Deutschlands größter Community für League of Legends.

SPORT1: Am Sonntag spielen Origen und G2 Esports im Finale der EU LCS. Was für Teams treffen da deiner Meinung nach aufeinander?

Dentist: Mit G2 Esports haben wir ein relativ wildes Newcomer-Team, das gerade in die LCS gekommen ist - praktisch eine Art Origen 2.0, das sich aus der Challenger Series voraussichtlich zu den Worlds spielen wird, falls die Spieler diese Leistungen konstant halten können.

PerkZ ist ein sehr talentierter Mid-Laner, der das komplette Team auf seine Schultern nimmt. Die beiden Koreaner waren eher ein Gamble, weil sie vorher nicht so bekannt waren, aber eingeschlagen sind, wie eine Bombe, zumindest von ihren Fähigkeiten her. Hybrid ist seit ungefähr zwei Jahren das Talent in der Support-Position und jetzt konnte er endlich seinen Durchbruch in der LCS feiern. Das ist ein sehr gutes Team, aber trotzdem war der erste Platz in der regulären Saison etwas überraschend.

Bei Origen haben wir Veteranen. Der eSports ist ein schnelllebiges Geschäft. Es ist schon überraschend, dass sie jetzt im Finale gelandet sind. Nicht, weil sie nicht dorthin gehören, sondern aufgrund der Tatsache, wie der gesamte Split für sie bisher verlaufen ist. Die Leistungen haben stark geschwankt.

Bei PowerOfEvil hatte man das Gefühl, dass er xPeke nicht ganz ersetzen konnte. Das hat nichts mit dem Einzelskill zu tun, sondern damit, wie xPeke ins Team gepasst hat in Sachen Kommunikation, Harmonie und Synergie mit den anderen Spielern. Allgemein sah es nicht so gut aus für Tristan, der vom Spielerischen her natürlich mindestens auf einem Niveau mit xPeke ist. Zum Glück konnte man sich in den Play-Offs etwas fangen und jetzt sogar ins Finale einziehen.

SPORT1: Wer ist für dich der Favorit im Finale bzw. wovon wird der Ausgang voraussichtlich abhängen?

Dentist: G2 hat bewiesen, dass sie auch in Best-of-Five-Series überzeugen können, denn das ist immer so das große Fragezeichen bei einem neuen Team. Das Best-of-One-Format zeigt nicht unbedingt an, wie man ein Team später in den Play-Offs einzuschätzen sollte. Der Sieg gegen Fnatic war auf jeden Fall eine souveräne Leistung. Es gab keine großen Schwächen in den Picks und Bans, gute Adaptionen - also genau das, was man in Best-of-Fives mitnehmen möchte.

Origen ist eingeschlagen. Die haben sehr, sehr überraschend gegen H2k-Gaming gewonnen, die für mich eigentlich der Favorit in den Play-Offs waren. Origen hat die Schwächen des Gegners eiskalt ausgenutzt und eine sehr routinierte Serie hingelegt.

Im Finale wird es vor allem darauf ankommen, ob sOAZ so konstante Leistungen abliefern kann, wie noch im Halbfinale. Er ist für mich der Schlüsselspieler, denn wenn er während der Saison underperformed hat, hat Origen die Spiele verloren, weil er dem Gegner den ein oder anderen Kill gegeben hat, den er nicht hätte geben müssen. Ich will nicht "feeden" sagen, aber es kam dem schon sehr nahe. Im Halbfinale war das überhaupt nicht der Fall, da hat Origen als Einheit gespielt und Zven wurde endlich wieder als Carry benutzt. Tristan hat eine sehr gute Series gespielt und sogar xPeke hat vorbeigeschaut, um sich seinen Halbfinal-Sieg zu holen. Es waren zwar fünf Spiele, doch am Ende definitiv verdient.

Trotzdem würde ich beim Finale auf G2 tippen, weil sie konstanter gespielt und keine Schwäche gezeigt haben, die mehrere Teams hintereinander ausnutzen konnten. Mit PerkZ hat das Team den absoluten Star-Spieler dieser Saison und MVP, zumindest meiner Meinung nach.

Ich würde mich natürlich freuen, wenn Tristan ihm in der Mitte ein wenig die Grenzen aufzeigen kann und Origen das ganze Ding mit nach Hause nimmt, aber mein Kopf sagt mir, dass G2 gewinnen wird.

SPORT1: Vitality und H2k-Gaming gehörten mit G2 in der regulären Saison zum Spitzentrio, das deutlich besser aussah, als der Rest. Hast du eine Theorie, warum die beiden erstgenannten Teams in den Play-Offs nicht auf dem Level spielen konnten, das sie zuvor gezeigt hatten?

Dentist: Was mit H2k im Halbfinale passiert ist, kann ich absolut nicht sagen. Die Drafts haben wirklich überraschend schlecht gewirkt. Die Kompositionen, die sie versucht haben, zu spielen, sahen überhaupt nicht nach pr0lly aus. Er ist eigentlich einer der Coaches, von denen ich am meisten halte. Er ist einer, der ein richtiger Coach ist in der europäischen Szene. Meiner Meinung nach sogar ein Anwärter auf den besten Coach, den wir bisher hatten, weil er mit zwei unterschiedlichen Rostern die exakt identische Spielweise eintrainiert, einstudiert und diese perfekt umgesetzt hat. Das ist etwas, wo man den Coach auch in die Verantwortung nehmen und sagen kann, dass er einen guten Job gemacht hat. Das war im Halbfinale nicht der Fall, weil die Kompositionen nicht als Antwort galten, sondern sogar quasi zum Verlust der Spiele geführt haben.

Bei Vitality war das ähnlich, auch die hatten Schwächen in ihrer Strategie bzw. ihren Kompositionen, die sie versucht haben, zu spielen. Das war allerdings auf einem anderen Niveau, denn die Spieler haben auch individuell vom Skill her nicht frisch gewirkt. Das kann mehrere Gründe haben. Über viele Teams sagt man, dass eine längere Pause ihnen gut tut. Das muss aber nicht auf jedes Team zutreffen. Es kann auch vorkommen, dass bei einer längeren Pause vom kompetitiven Spiel die Ambitionen und der Reiz etwas verloren gehen. Bei Fnatic war das nicht so, weil sie in der Woche zuvor erst noch um das Spiel gegen Vitality kämpfen mussten.

SPORT1: Im Mai steht das Mid-Season Invitational an. Was würdest du vom europäischen Vertreter in Shanghai erwarten?

Dentist: G2 wäre als Newcomer nochmal ein weiterer Schritt, den man gehen kann und auch müsste. Das ist ein sehr frisches Team mit vielen Rookies, die noch keine internationale Erfahrung besitzen. Das ist wie im Fussball. Dort sagt man auch, dass das internationale Geschäft noch einmal ganz etwas anderes ist. Gegen Teams anzutreten, wie die ROX Tigers, ist ein ganz anderes Level für die Jungs.

Ich würde mir wünschen, dass sie dort hinfahren können. Origen besteht aus international erfahrenen Spielern, die wissen, was sie machen. Die kann man nicht mehr vom Hocker hauen, obwohl sie noch nicht den ganz großen Erfolg hatten. Deswegen wäre es schön, wenn wir einen neuen europäischen Vertreter hinschicken können und dieser die Tigers mal auseinandernimmt, auch wenn ich natürlich nicht dran glaube, dass das passieren wird. (lacht)

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