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Greuther Fuerth v 1. FC Nuernberg - 2. Bundesliga
Stefan Ruthenbeck startete seine Trainerkarriere 2004 bei Oberligist TUS Mayern © Getty Images

München - Vor dem Spiel bei Eintracht Braunschweig spricht Fürth-Coach Stefan Ruthenbeck bei SPORT1 über seine Arbeit bei der Spielvereinigung, das Anspruchsdenken und die Ziele.

Als im Sommer bekannt wurde, dass Stefan Ruthenbeck neuer Trainer der SpVgg Greuther Fürth werden würde, ging erst mal ein Raunen durch die Fan-Szene der "Kleeblätter".

Ruthenbeck war gerade mit dem VfR Aalen in die 3. Liga abgestiegen. Doch der 43-Jährige ließ die Kritiker schnell verstummen. Ihm ist es in wenigen Wochen gelungen die negative Stimmung aus dem Ronhof zu vertreiben. 

Der Verein steht auf Platz sechs und kann mit einem Sieg am Montag bei Eintracht Braunschweig (ab 19.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) auf Rang vier springen.

Vor dem Spiel gegen die Niedersachen spricht Ruthenbeck im SPORT1-Interview über seine Arbeit, das Anspruchsdenken und die Ziele.

SPORT1: Herr Ruthenbeck, wie fällt Ihr erstes Fazit nach acht Spielen aus?

Stefan Ruthenbeck: Wir können auf jeden Fall sehr zufrieden sein. Wir hatten einen richtig guten Start mit den ersten zwei Spielen, dann kam der Motor durch das Pokal-Aus bei Erzgebirge Aue etwas ins Stottern, dann kam trotz guter Leistungen eine kleine Ergebnis-Krise, doch die drei Siege zuletzt haben uns natürlich allen gut getan. Wie sagt man so schön in Franken: Das passt schon bis jetzt.

SPORT1: Trotzdem gab es Kritik von Ihnen. Sind Sie schwer zufrieden zu stellen?

Ruthenbeck: Es gab in den Spielen oft Phasen, wo uns das Ding auch hätte wegkippen können. Im letzten Spiel gegen Paderborn stand am Ende ein klarer 3:0-Sieg und alle haben gesagt wie toll alles war, doch das war es nicht. Wir haben zu viele Standards zugelassen, hatten bei Ecken Probleme trotz eines spielerischen Übergewichts und eines dominanten Auftretens. Wir dürfen nicht zu sorglos spielen. Die Mannschaft ist gut und kann eine stabile Saison spielen, aber sie wird nicht ganz oben angreifen können. Das ist auch nicht unser Ziel.

SPORT1: Warum nicht?

Ruthenbeck: Ich sehe viele Mannschaften, die mit uns auf Augenhöhe sind. Wir können alle schlagen, aber die letzte Saison hat gezeigt, dass es Fürth schwergefallen ist, stabil zu sein. Es wäre respektlos den Vereinen gegenüber, die in der vergangenen Runde vor uns waren und jetzt den Plan haben, oben mitzuspielen. Da arbeiten auch schlaue Leute im Klub und wir als Tabellen-14. der Vorjahressaison reißen jetzt die Klappe auf und reden von Aufstieg. Das wäre frech und respektlos. Wenn wir oben angreifen können, werden wir das auch tun, aber das muss sich entwickeln und diese Zeit muss uns auch zugestanden werden.    

  

SPORT1: Warum passt das offenbar so gut zwischen Ihnen und der Spielvereinigung?

Ruthenbeck: Die Verantwortlichen in Fürth haben vielleicht genauso einen Typ wie mich gesucht. Ich will einfach nur Trainer sein und ich finde hier top Trainingsbedingungen vor, die hatte ich in Aalen nicht, und ich habe eine Plattform, wo ich wüten kann. Ich kann mich austoben. Der Fußball ist total im Fokus und das ist gut für mich. Ich fühle mich hier pudelwohl.

SPORT1: Die Abteilung Attacke tobte sich zuletzt auch aus. Zehn Tore in vier Spielen sind nicht so schlecht, oder?

Ruthenbeck: Außer gegen Frankfurt hatten wir für jeden Gegner entsprechende Lösungen. Vieles ist von unserem Plan aufgegangen, weil wir auch die Spielertypen dafür habe. Von daher gibt es da wenig zu meckern. Ich konnte in einem Ranking lesen, dass Fürth die Mannschaft ist, die die meisten Chancen herausspielt. Wir haben 58 Chancen herausgespielt. Unsere Quote an Toren hätte sogar noch besser sein können, vielleicht sogar müssen.

SPORT1: Jurgen Gjasula hebt Fürth auf ein anderes Niveau. Er galt mal als "neuer Michael Ballack". Warum blüht er unter Ihnen so auf? Warum blüht er unter Ihnen so auf?

Ruthenbeck: Ich kannte Jurgen schon aus Aalen. Wir haben ihn damals aus Bulgarien geholt. Er ist Jemand mit sehr viel Demut, der auch sehr gereift ist. Er ist einfach dankbar dafür, dass er in Fürth spielen darf. Und er läuft nicht rum und denkt, er müsse nochmal nach Barcelona. Er möchte in Fürth ein wichtiger Spieler sein. Das ist auch klar mit ihm abgesprochen. Entweder er führt die Truppe oder er kriegt ein Problem mit mir. Nur mitspielen geht nicht. Er hat genug Qualität, um ein Führungsspieler zu sein.

SPORT1: Domi Kumbela kam im Sommer nach Fürth und zeigte zuletzt auch ansteigende Form. Er hatte in Braunschweig seine beste Zeit als Profi. Kann er gegen seinen Ex-Klub das Zünglein an der Waage sein?

Ruthenbeck: Absolut. Domi Kumbela ist endlich in Fürth angekommen. Er hatte ein ganz schwieriges Jahr in der Türkei hinter sich. Ob er von Beginn an spielen wird, muss man sehen. Fakt ist, dass er den Unterschied ausmachen kann. Die Basis für ihn ist die Fitness und da sind wir in den letzten Wochen bei ihm einen Schritt weiter gekommen. 

SPORT1: Am Montag führt der Weg nach Braunschweig. Sie haben mit Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht zusammen den Trainerschein gemacht. Ist es also ein besonderes Spiel für Sie?

Ruthenbeck: Torsten und ich saßen nebeneinander, als wir den Fußballlehrer gemacht haben. Er kommt im Gegensatz zu mir aus dem Profibereich und war auch als Spieler erfolgreicher. Die Eintracht ist zu Saisonbeginn ein hohes Risiko gegangen und dafür wird Torsten gerade belohnt. Es ist schwierig, denn ich hätte gerne eine ganze Woche gehabt für die Vorbereitung auf Braunschweig. Braunschweig hat in dieser Saison bislang zwei Gesichter gezeigt und ich bin froh, dass wir in Braunschweig spielen dürfen. Die Eintracht ist ganz schwer zu schlagen, vor allem wenn sie auswärts spielt.

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