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Peter Neururer trainierte in seiner Karriere als Fußballlehrer 14 Vereine © SPORT1-Montage: Paul Hänel / Getty Images

München - Am Freitag startet die Zweite Liga in die neue Saison. SPORT1-Experte Peter Neururer sagt, welche Mannschaften er warum an der Tabellenspitze erwartet.

Am Freitag fällt der Startschuss für die neue Zweitliga-Saison. Und SPORT1 ist wieder ganz nah dran (Highlights ab 22.30 Uhr in Hattrick im TV auf SPORT1).

Die Fans bekommen in der neuen Spielzeit große Namen serviert. Zudem gibt es acht neue Trainer. 

Die beiden Absteiger VfB Stuttgart und Hannover 96 wollen so schnell wie möglich wieder zurück in die Erste Liga, aber auch der FC St. Pauli, der VfL Bochum, der 1. FC Nürnberg und Union Berlin reden um den Aufstieg mit. 

Wird 1860 München mit seinem runderneuerten Kader zu einem Geheimtipp?  

"Zum Kreis der Aufstiegskandidaten in der Zweiten Liga gehören für mich fünf, sechs Mannschaften. Wenn sie begreifen, wie die Zweite Liga funktioniert, dann marschieren der VfB und 96 vorneweg", sagt SPORT1-Experte Peter Neururer.

"Wenn sie es nicht begreifen, kriegen beide die gleichen Probleme wie Paderborn in der vergangenen Saison - vielleicht nicht ganz so dramatisch, weil der Abstieg nicht möglich ist."

Neururer kennt die Liga wie kaum ein Zweiter. Bevor es mit dem Eröffnungsspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Hannover (ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) losgeht, macht er bei SPORT1 den Favoritencheck.

VfB Stuttgart

"Die Stuttgarter sind für mich der Favorit auf den Aufstieg, weil sie mit Simon Terodde den Topstürmer der abgelaufenen Saison verpflichtet haben und demnächst Daniel Ginczek wieder zurückkommt. Mit diesen beiden Spielern verfügen die Schwaben über die torgefährlichsten Stürmer in der 2. Liga.

Im Kern ist die Mannschaft zudem eigentlich zusammen geblieben und das Team hat die Fähigkeit, Erstliga-Fußball zu spielen. Die Spieler müssen nur Zweitliga-Fußball begreifen. Dafür ist Jos Luhukay der richtige Mann. Im ersten Heimspiel gegen einen Mitfavoriten wie St. Pauli wissen die Stuttgarter gleich, was im Unterhaus Sache ist."

Hannover 96

"Die Hannoveraner haben auch ihr Gerüst gehalten, auch Artur Sobiech ist geblieben. Das Umfeld ist sowieso erstligamäßig ausgerichtet, der Verein steht dank Präsident Martin Kind wirtschaftlich auf gesunden Füßen.

Die Protagonisten haben zwar alle in der Bundesliga gespielt. Aber sie kennen sich in der Zweiten Liga besser aus als der VfB. Der Verein fühlt noch etwas mehr die Nähe zur Zweitklassigkeit. 96 wird wieder aufsteigen. Martin Harnik hat sicher ausführlich mit Herrn Kind gesprochen. Wenn der mit einem Spieler redet, wirkt er überzeugend."

Union Berlin

"Jens Keller ist nicht das Faustpfand für den möglichen Aufstieg, den der Verein endlich angehen sollte. Der Trainer kann immer nur eine Ergänzung zu dem sein, was man versucht aufzubauen. Union will endlich den großen Schritt machen, da ist Jens Keller allerdings ein guter Mann.

Der Verein wird es nicht so formulieren, aber die Berliner haben innerlich schon unter Uwe Neuhaus den Anspruch angemeldet aufzusteigen. Es wurden viele nächste Schritte gemacht, die Mattuschkas dieser Welt sind längst nicht mehr bei Union. Jetzt muss etwas kommen. Gefühlt ist Union in vielen Bereichen schon ein Erstligist, der Verein muss oben mitspielen."

1860 München

"Worüber reden wir bei den Löwen? Karim Matmour hat seine beste Zeit hinter sich, Ivica Olic kann ich kurzfristig immer gebrauchen, weil er immer Gas gibt wie ein Verrückter. Aber beide sind gestern nicht für 1860 aus einem Jungbrunnen gehüpft.

Olic hat beim Hamburger SV nicht viel gespielt. Aufgrund seiner Persönlichkeit kann er punktuell helfen, er ist ein super Typ. Ob er sportlich ein Kracher ist, weiß ich nicht. Mit Stefan Aigner hat 1860 einen Spieler geholt, der im vorletzten Jahr für Glanzlichter gesorgt hat. 

Er ist ein guter Griff, weil mit ihm das Löwen-Gefühl wieder aufkommt. Man muss sich aber nur mal vorstellen, wenn das alles nicht so klappt. Dann herzlichen Glückwunsch. 

Ich schätze Kosta Runjaic sehr, er hat in Kaiserslautern gezeigt, wozu er in der Lage ist. Nur am Ende müssen bei Sechzig Punkte her. Der Verein ist seit gefühlten 15 Jahren nicht mehr in der Bundesliga und redet seit zehn Jahren vom Wiederaufstieg.

Ich freue mich, dass der allmächtige Investor Hasan Ismaik Geld frei gemacht hat, dass wieder Leben reinkommt und man optimistisch in die Zukunft schaut. Aber die Münchner sollten vorsichtig sein und nicht von einem Start von Null auf Hundert träumen." 

FC St. Pauli

"Ewald Lienen war für die St.-Paulianer ein Glücksgriff. Mit ihm ist einiges geändert worden im sportlichen Bereich und im Management. Jetzt hat St. Pauli eine richtige Kraft, denn mit Andreas Rettig als Geschäftsführer ist da absolute Professionalität reingekommen.

Emotionen werden auf St. Pauli immer großgeschrieben, aber jetzt nutzt man sie vernünftig. Ewald hat den gesamten Verein mitgerissen. Warum sollen die Hamburger auf dem Transfermarkt groß zuschlagen? Sie sind in einer super Entwicklung.

Erst haben sie den kaum geglaubtem Klassenerhalt geschafft, dann die Mannschaft nach oben geführt - es passt vieles. Dass der Verein mit Sebastian Maier einen wichtigen Spieler an Hannover abgegeben hat, ist allerdings ungeschickt."

VfL Bochum

"Beim VfL war es einfach nur dumm, einen Mann wie Simon Terodde zu verkaufen. Und dann auch noch zu einem direkten Aufstiegskonkurrenten. Wenn man das Geld benötigt - in Ordnung. Aber ich kann den Fans nichts vom nächsten Schritt erzählen und dann den torgefährlichsten Stürmer, der noch ein Jahr Vertrag hat, in die gleiche Liga abgeben.

Das war sportlich entwicklungstechnischer Schwachsinn. Terodde hätte ins Ausland gehen können, aber nicht zum VfB - unglaublich. Jetzt steht der VfL sehr unter Druck auch mit den anderen Neuverpflichtungen, er hat gefühlt Greuther Fürth aufgekauft. Mit dem Terodde-Verkauf stehen Vorstand und der Aufsichtsrat in der Pflicht, oben mitzuspielen."

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