vergrößernverkleinern
Vicente del Bosque (l.) und Roy Hodgson hoffen auf einen guten Start in die EM-Qualifikation. © Getty Images

England und Spanien wollen sich für ihre WM-Blamagen rehabilitieren. Die Trainer reagieren unterschiedlich auf den Druck.

Roy Hodgson überrascht als fluchender Wüterich, Vicente del Bosque bleibt sich treu: Die umstrittenen Trainer der WM-Versager England und Spanien bemühen sich auf ganz unterschiedliche Weise um einen Neustart.

Beim Auftakt der EM-Qualifikation  stehen beide enorm unter Druck.

Hodgson, stets englischer Gentleman und oft als "Mr Nice Guy", als netter älterer Herr verspottet, ist vor dem Gastspiel der Three Lions am Montag (Die EM-Qualifikation gibt es bei SPORT1 ab 18 Uhr im LIVEBLOG) in seiner alten Wahlheimat Schweiz plötzlich wegen seiner vulgären Sprache in den Schlagzeilen.

"Ich fluche immer, sogar vor meiner Frau", gab der 67-Jährige zu: "Wir haben 2014. Die Leute fluchen, ich auch."

Hodgson sorgt für Eklat

Hodgson hatte nach dem müden 1:0 gegen Norwegen im ersten Spiel nach der WM-Schmach einen Reporter mit einer wüsten, nicht zitierfähigen Bemerkung angeblafft.

Als er am Morgen danach beim Training auch noch seine Spieler zusammenfaltete, stand schnell die Frage im Raum: Zerbricht Hodgson am Druck?

Er habe früher mit Hafenarbeitern zusammengespielt, verteidigte sich der nach dem Vorrunden-Aus bei der WM heftig kritisierte Coach, da sei jedes zweite Wort ein Kraftausdruck gewesen, "weil sie keine anderen Wörter kannten".

Cahill gefällt der Ausbruch

Hodgsons überraschende Wutausbrüche kamen sogar gut an. "Es ist gut zu wissen, dass Englands Manager doch einen Puls hat", urteilte der "Independent". Und Abwehrspieler Gary Cahill meinte: "Jeder will jetzt eine Reaktion sehen. Er erhöht den Druck auf uns, und das ist gut so."

Dass der neue, fluchende Hodgson mit England künftig mehr Erfolg als in Brasilien haben wird, bezweifeln jedoch seine Landsleute. 78 Prozent bezeichneten die aktuelle Auswahl in einer Umfrage des "Daily Mirror" als schlechteste seit der Jahrtausendwende.

Die Routiniers Frank Lampard und Steven Gerrard haben ihre Karrieren im Nationalteam beendet. Der neue Kapitän Wayne Rooney steht deshalb verstärkt im Rampenlicht.

Ohne Xavi und Iniesta

Del Bosque, mit Spanien bei der WM ebenfalls in der Vorrunde gescheitert, setzt dagegen weiter auf alte Stärken. Obwohl der Taktgeber Xavi aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist und dessen kongenialer Partner Andres Iniesta verletzt fehlt, soll auch künftig Tiki-Taka gespielt werden.

"Wir haben mit diesem Spielstil viel gewonnen", sagte Mittelfeldspieler David Silva vor dem Start der EM-Qualifikation am Montag gegen Mazedonien: "Viele von uns sind daran gewöhnt, wir müssen damit weitermachen."

Das Hauptproblem des entthronten Weltmeisters wurde aber auch im ersten Spiel nach dem WM-Debakel beim 0:1 in Frankreich deutlich: Die Furia Roja ist vor dem gegnerischen Tor harmlos.

Fabregas als falsche Neun

Nachdem Torjäger Diego Costa vom FC Chelsea sich verletzt abgemeldet hat, bleibt del Bosque wohl wieder nur die "falsche Neun" Cesc Fabregas.

Auch in der Torhüterfrage setzt der 63-Jährige wahrscheinlich auf Altbewährtes: Altstar Iker Casillas, bei der WM nur noch ein Schatten seiner selbst, dürfte wieder den Vorzug vor David de Gea von Manchester United, der gegen Frankreich sein Debüt gab, erhalten.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel