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Tim Wiese (l.) will in den Wrestling-Ring steigen - Karsten Beck schätzt seine Chancen ein. ZUM DURCHKLICKEN: Wieses Karriere

Tim Wiese wird am Samstag bei der WWE vor Ort sein. Wrestler Karsten Beck erklärt bei SPORT1, was ihn erwarten wird.

Es wird ernst für Tim Wiese.

Der frühere Nationaltorwart spielt mit dem Gedanken, eine Zweitkarriere als Wrestlingstar zu starten. An diesem Wochenende könnte er ihr einen großen Schritt näher kommen.

Die WWE, die weltgrößte Schaukampfliga, ist am Samstag zu Gast in Frankfurt. Wiese, der mit dem Unternehmen verhandelt, wird vor Ort sein.

Den zweiten Teil des großen SPORT1-Interviews mit Tim Wiese sehen Sie am Freitag ab 18.30 Uhr in Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1

"Ich sitze nur im Publikum", sagt er der "Syker Kreiszeitung", hinter den Kulissen aber dürften die Weichen für ein Engagement gestellt werden. Über ein "Tryout", eine Art Probetraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird spekuliert.

Was kommt auf Wiese zu? Karsten Beck kann davon berichten.

Der 27-Jährige gehört zu den profiliertesten deutschen Wrestlern. Er tritt unter anderem für die wXw an, eine der populärsten deutschen Ligen - und hat selbst schon bei der WWE vorgekämpft.

Im SPORT1-Interview erklärt er, worauf Wiese sich einstellen muss - und wie gut die Chancen stehen, dass er als Showkämpfer durchstartet.

SPORT1: Herr Beck, manch einer erwartet, dass Tim Wiese bei der Show am Samstag gleich mal in den Ring kommen und den Champion herausfordern wird.

Karsten Beck: Das wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht passieren. Aber es ist gut möglich, dass die WWE Wieses Bekanntheit hier in Deutschland gleich ausnutzen will. Er könnte an prominenter Stelle im Publikum sitzen und auch schon mal das Mikrofon in die Hand bekommen - wenn er das beim Tryout gut gemacht hat.

SPORT1: Sie haben ein solches Tryout schon hinter sich. Wie läuft das ab?

Beck: Das Ganze ist ein längerer Prozess, dessen wichtigsten Teil er schon hinter sich hat: entdeckt zu werden. Was folgt, ist ein Medizin-Check. Einerseits, um alle Eventualitäten auszuschließen, also Herzprobleme, chronische Verletzungen und ähnliches. Ist der bestanden, kommen umfangreiche Ausdauertests. Das geht wirklich bis zum Erbrechen. Wiese hat das alles womöglich schon überstanden, wenn es stimmt, dass er bei den Shows in Deutschland schon dabei sein wird.

SPORT1: Was kommt dort auf ihn zu?

Beck: Im Normalfall ein Testkampf vor einigen ausgewählten Trainern und Offiziellen der WWE, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich habe für die WWE zwei Probekämpfe absolviert, Wiese wird dazu aber noch gar nicht in der Lage sein. Er hat ja keinen Hintergrund als Wrestler und wenn die WWE ihn nimmt, wird sie ohnehin bei null anfangen, ihn dazu auszubilden.

SPORT1: Was aber wird sie bei Wiese dann testen?

Beck: Die körperliche Fitness - mit der Wiese keine Probleme haben wird - vor allem aber das schauspielerische Talent. Das wird der entscheidende Punkt sein. Du kannst das größte sportliche Talent haben und den tollsten Körper, entscheidend ist: Bringst du was rüber? Im Normalfall werden sie Wiese vor eine Kamera stellen, ihm ein Mikrofon in die Hand geben und sagen: "Mach mal. Erzähl was. Schau, ob du das Publikum hinter dich bringen kannst. Oder es gegen dich aufbringen."

SPORT1: Und, kann Wiese das?

Beck: Sagen wir es mal so: Tim Wiese hat nicht das sympathischste Aussehen. Das ist ein hundertprozentiger Vorteil. Wenn er das, was er mit seinem Look verkörpert, auch vor der Kamera und am Mikrofon rüberbringen kann, hat er das Publikum in drei, vier Sekunden gegen sich.

SPORT1: Woran ist Ihr Tryout damals gescheitert?

Beck: Das meiste hat gepasst, aber ich war damals noch nicht muskulös und massig genug. Ich war damals ein paar Kilogramm unter dem Gewicht, wie Wiese es heute hat, aber bei weitem nicht so durchtrainiert. Die WWE sucht den perfekten Wrestlerlook - Wiese hat ihn.

SPORT1: Ihre Prognose: Ist Tim Wiese etwas für den Wrestlingring und der Wrestlingring etwas für Tim Wiese?

Beck: Die körperlichen Voraussetzungen für eine Wrestlingkarriere erfüllt er ohne Probleme. Das nötige Charisma traue ich ihm auch zu, wenn ich nach seinen Fernsehauftritten urteile. Die entscheidende Frage ist: Ist er wirklich bereit, sich darauf einzulassen?

In den USA, dort wo die WWE ihn hinbringen will, kennt ihn kaum einer, da nützt ihm seine Prominenz hier nichts. Er müsste bei null anfangen, auch sportlich. So viel Geld, wie er zuletzt als Fußballer verdient hat, wird er als Neuling in der WWE nicht bekommen. Bis er an dem Punkt ist, an dem sich das ändert, wird er viel auf sich nehmen müssen: Schmerzen, Entbehrungen, Tourneestress. WWE-Stars sind rund 320 Tage im Jahr "on the road".

SPORT1: Wiese hat zuletzt im SPORT1-Interview die Popularität des Wrestling in Amerika betont, auch die finanziellen Möglichkeiten. Hier in Deutschland kämpfen Sie vor weit kleinerem Publikum. Wo liegt da der Reiz?

Beck: Wrestler zu sein ist der Reiz an sich. Ich habe neun Jahre dafür trainiert, mich langsam hochgearbeitet. Ich würde auch gern in der WWE antreten, so geht es 90 Prozent der Leute, die im Ring stehen. Aber es ist auch ein Erlebnis, mit der wXw vor 300 bis 600 Zuschauern anzutreten. Ich habe Spaß am Wrestling, so wie andere Sportler an ihrem Sport Spaß haben. Es ist einfach ein Traum.

Den zweiten Teil des großen SPORT1-Interviews mit Tim Wiese sehen Sie am Freitag ab 18.30 Uhr in Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1

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