München - Zinedine Zidane sticht Pep Guardiola: Der 16-jährige Martin Odegaard entscheidet sich für die Marke Madrid und hat gute Gründe.

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Die Entscheidung ist gefallen und ein bisschen was sagt sie auch über die Machtverhältnisse im Weltfußball aus.

Martin Odegaard wechselt zu Real Madrid. Damit hat der FC Bayern das Wettbieten um das 16-jährige Megatalent verloren. Knapp zwar, schließlich waren die Bayern bis zum Schluss im Rennen. Am Ende ist ein zweiter Platz im Transfergerangel aber nichts wert.

Vier Millionen Euro blättern die Königlichen für Odegaard hin, das erscheint viel angesichts seines sehr jungen Alters, aber zu wenig angesichts der ungeheuren Anlagen, die ihm attestiert werden.

Letztlich hatte Madrid ein paar mehr Argumente auf seiner Seite. Aktuell scheint der Champions-League-Sieger die noch etwas attraktivere Adresse zu sein. Die Marke Real als wertvollster Klub der Welt (circa 3,44 Milliarden Dollar) mit seinem Superstar Cristiano Ronaldo hat international mehr Anziehungskraft als das bayerisch-selbstbewusste "Mia san mia". So sehen es zumindest Odegaard und seine Vertrauten.

"Ich habe mich für Real entschieden, weil ich dort die beste Option gesehen habe, um mich weiterzuentwickeln, auch im persönlichen und privaten Bereich", begründete Odegaard seine Entscheidung am Donnerstag.

Und so bewertet es auch sein Landsmann Jörn Andersen im Gespräch mit SPORT1, Ex-Trainer bei Mainz 05 und aktuell bei Austria Salzburg in Österreich tätig:

"Warum er Bayern einen Korb gegeben hat? Ich denke mir, dass Real noch heißer auf den Jungen war. Real ist ein schmuckhafter Name", erklärt er. "Sie haben den Jungen einfliegen lassen, er durfte mittrainieren, Ancelotti und Zidane haben Einzelgespräche mit ihm geführt. Sie haben sich sehr um ihn bemüht."

Gerlands Worte vergeblich

Uli Hoeneß, der seit Anfang Januar als Freigänger die Jugendabteilung der Bayern verantwortet, konnte keinen entscheidenden Impuls mehr setzen. Eine kleine Niederlage, für den Ex-Präsidenten.

Und auch Co-Trainer Hermann Gerlands Worte halfen nicht: ""Als Odegaard bei uns im Probetraining war, habe ich ihm und seinem Vater gesagt: 'Du musst sehen, dass du zum besten Trainer kommst. Und der beste Trainer ist für mich hier beim FC Bayern. Pep Guardiola geht genial mit jungen Spielern um.'' Auch das half nichts.

Zu den Fähigkeiten des Megatalents sagte Gerland nur: "Er muss ein außergewöhnlicher Spieler sein, wenn so viel über ihn geschrieben wird."

Absolute Freiheit in Madrid

Bei Real Madrid genießt Odegaard absolute Wahlfreiheit.

"Die Spanier haben dem Spieler einige Optionen gegeben. Er kann sofort kommen, kann in der ersten Mannschaft spielen, in der ersten nur trainieren und in der zweiten spielen, wenn er es nicht sofort schafft", erklärte Andersen bei SPORT1.

"Er kann auch erstmal in Norwegen bleiben. Ihm steht es frei zu entscheiden, was er in den nächsten Jahren machen will."

Ausschlaggebend war sicherlich auch die bessere Situation in der Nachwuchsförderung. Dabei hatte die Begabung aus Norwegen sich zum ersten Mal vor zwei Jahren auf dem Bayern-Gelände an der Säbener Straße umgesehen und die Dimension beim deutschen Rekordmeister erspürt.

FC Bayern II als weniger attraktive Aussicht

Doch der FC Bayern II spielt derzeit nur in der Regionalliga Bayern, verpasste dort im vergangenen Jahr den Aufstieg und ist auch dieses Jahr als Dritter (noch hinter dem Lokalrivalen 1860 II) zu weit weg von der 3. Liga.

Trainer Erik ten Hag ist vielen deutschen Fußball-Fans kaum ein Begriff. Eine Ausleihe zu einem anderen, höherklassigen Klub dürfte eine kaum attraktivere Aussicht gewesen sein.

Und ob sich der 16-Jährige gleich in der Profimannschaft zurechtgefunden hätte, ist fraglich.

So sehr sich Pep Guardiola auch bemüht hat, er wäre zu Beginn in jedem Fall nicht der Hauptverantwortliche für Odegaard gewesen. Hätte er auch gar nicht sein können, schließlich hat er einen großen Profikader zu coachen.

Zidane als neuer Mentor

Dagegen ist der Chefcoach bei Real Madrid B niemand Geringeres als Zinedine Zidane. Weltfußballer, Welt-, Europameister, Champions-League-Sieger und einer der besten Fußballer, die dieser Sport je gesehen hat.

Von ihm kann Odegaard sicherlich viel lernen – und er kümmert sich jetzt hauptverantwortlich, als Mentor, um den 16-Jährigen. Als ein zentraler Mittelfeldspieler zwischen der defensiven Acht und der offensiven Zehn hat er eine ähnliche Position wie früher Zidane.

Die Segunda Divison B in Spanien, wo Reals zweite Mannschaft spielt, ist zudem mit der 3. Liga in Deutschland vergleichbar. Das Niveau für Odegaard ist dort also durchaus hoch.

Familiäres Argument

Der Wettstreit zwischen den personenbezogenen Hauptargumenten der beiden Klubs, Zidane gegen Guardiola, war also ein Stechen mit ungleichen Karten.

Dazu gab es noch ein weiteres familiäres Argument für Odegaard: "Das Gesamtpaket mit dem Job in der Jugendarbeit für seinen Vater war wohl der ausschlaggebende Punkt", erklärt Andersen.

Er ist überzeugt davon, dass sich der Norweger in Madrid durchsetzen wird: "Früher oder später wird es Odegaard packen, ob er es schon jetzt schafft, weiß ich nicht. Er hat einen langen Vertrag unterschrieben und Real Madrid hat den Jungen für die Zukunft verpflichtet."

Guardiola sehr angetan

Guardiola sei sehr angetan gewesen, vom taktischen Verständnis, der Spielübersicht und den technischen Fähigkeiten des Norwegers, hieß es nach dem Probetraining im Dezember.

Viele Experten halten Odegaard für den nächsten Messi. Nicht nur aufgrund seiner ähnlichen Statur und Körpergröße von etwas über 1,70 Meter.

Vielmehr ist seine Ballbehandlung schon jetzt überragend. Kurze, kleine, Schritte, enorm schnell und feinfühlig, der Ball klebt quasi am Fuß, die Gegner schauen nur hinterher.

All das werden die Bayern in Zukunft nur von der Ferne aus betrachten können. Zumindest am Verhandlungstisch hatte diesmal, wie im vergangenen Jahr auch sportlich in der Champions League, Madrid die Nase vorne.

 

Martin Odegaard wird bei Real Madrid vorgestellt
Martin Odegaard wird bei Real Madrid vorgestellt © Getty
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