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"Benzema President", forderte "Charlie Hebdo" auf seinem Titelbild vom 25. Juni 2014
"Benzema President", forderte "Charlie Hebdo" auf seinem Titelbild vom 25. Juni 2014 © getty

Die getöteten Karikaturisten von "Charlie Hebdo" haben auch den Fußball gern aufs Korn genommen. Ihre Ideen werden fehlen.

Es war eine schöne Idee, auf die "Charlie Hebdo" während der Fußball-WM im vergangenen Jahr gekommen ist.

"Benzema President", forderte das Magazin auf seinem Titelbild vom 25. Juni 2014.

Karim Benzema hatte Frankreich gerade mit drei Toren in zwei Vorrundenspielen ins WM-Achtelfinale geschossen. "Charlie Hebdo" folgerte daraus, dass der Nationalstürmer zum Staatspräsidenten befördert werden müsste, und alles würde sich zum Guten wenden.

"Er wird AIDS heilen", hieß es da am Anfang einer langen Liste, die links neben die Karikatur Benzemas gedruckt war, außerdem "die UMP (Frankreichs konservative Partei) beleben, übers Wasser gehen, die Schulden reduzieren, den Krieg im Nahen Osten beenden", nebenbei noch "ein Ikea-Regal reparieren, ein Buch lesen, die Pandas retten, die Temperatur des Planeten um zwei Grad verringern, die Hämorrhoiden ausrotten" und ein paar Buchstaben weiter verschwand dann das Kleingedruckte hinter Benzemas Schulter.

© SPORT1

Charlie Hebdo macht das gerne: Das Land genau dann, wenn es gerade über allen anderen Dingen mit Fußball beschäftigt ist, auf seinem Wege an etwas zu erinnern. Dass es nämlich womöglich Bedeutenderes gibt als den Kampf um WM-Pokale.

Das Pariser Satire-Magazin ist religionskritisch, das ist jetzt allen bekannt. Aber auch die Ersatzreligion Fußball sah das Blatt stets - vorsichtig gesagt - mit Skepsis. Und das bringt es nicht immer so nett und augenzwinkernd herüber wie mit der Benzema-Karikatur.

Das Blatt hat Frankreichs Fußball und seinen Auswüchsen immer wieder von hinten in die Beine getreten, wenn es das für nötig hielt.

Franck Ribery war während seiner Prostitutions-Affäre beliebtes Zielobjekt, Nicolas Anelka wurde für seinen Quenelle-Gruß zum "Quenellka", zum menschlichen Riesenkloß geformt.

Und als Frankreichs Profiklubs vor eineinhalb Jahren gegen die 75-Prozent-Reichensteuer klagten, wurde Paris St. Germains Überfigur Zlatan Ibrahimovic bei "Charlie Hebdo" zum riesigen, grotesken Bettelmüttcherchen ("Ein oder zwei Millionen Euro, s'il vous plait?").

Der kommerzielle Fußball mit all seinen Auswüchsen bekam von Charlie Hebdo sein Fett ab, immer dann, wenn er sich zu wichtig nahm oder von anderen zu wichtig genommen wurde.

Nun ist Chefredakteur Stephane "Charb" Charbonnier, der auch die Benzema-Karikatur mitgezeichnet hat, tot. Erschossen wie drei andere Karikaturisten und acht weitere Menschen.

Die Idee der Satire werden ihre Mörder damit nicht totbekommen, im Gegenteil.

Die satirischen Ideen von Charlie Hebdo werden fehlen. Auch dem Fußball.

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