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Spielerberater Jörg Neubauer (r.) spricht bei SPORT1 über Leroy Sane (l.) , Paul Pogba und Co. © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images/Imago

München - Der renommierte Spielerberater erklärt bei SPORT1 die Trends und Tendenzen auf dem Transfermarkt. Die Bundesliga geht dabei anders vor als ausländische Topklubs.

"Der Markt ist verrückt. Die Preise sind außer Kontrolle." Sagt Thomas Tuchel. Er muss es wissen, denn seine Dortmunder Borussia pumpte nach dem Verlust von Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan mehr als 100 Millionen Euro in besagten Markt.

Doch während speziell die Klubs aus England mit der Kohle für Stars nur so um sich werfen, geht in der Bundesliga der Trend in die andere Richtung: Junge, hungrige Talente für möglichst wenig Geld holen. Keine Liga der Welt investiert so stark in die Stars von morgen.

"Dass in England mehr bezahlt wird, ist schon immer so gewesen und hat aufgrund der Einnahmen noch mal eine neue Qualität bekommen", sagt Spielerberater Jörg Neubauer im Gespräch mit SPORT1.

"China ist jetzt neu dazugekommen, weil man die eigene Liga nach vorne bringen und etwas Neues haben will." 

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Neubauer: Kein Bundesliga-Ausverkauf

Einen Ausverkauf der hiesigen Stars wird das Neubauer zufolge aber nicht zur Folge haben. "Dies pegelt sich aber ein, die Bundesliga muss keine Angst haben. Wenn der chinesische Markt ruft, schreien die Spieler nur deswegen 'Hurra', weil sie einen exorbitanten Verdienst haben. Ansonsten würde keiner nach China gehen."

Der 54-Jährige hat selbst bei vielen Transfers die Finger im Spiel, immerhin berät er 40 der begehrtesten Profis - mit einem Gesamtmarktwert von rund 75,7 Millionen Euro. Unter anderem betreut er Nationalspieler Sami Khedira von Juventus Turin, Torhüter Kevin Trapp von Paris Saint-Germain oder Schalkes Mittelfeldmotor Leon Goretzka.

Fertige Stars kann sich in Deutschland heute fast nur noch der FC Bayern leisten, die anderen Vereine müssen sich etwas einfallen lassen. Wie Dortmund, das seine Transfereinnahmen geradewegs in international gefragte Toptalente wie Ousmane Dembele (15 Millionen) und Emre Mor (sieben Millionen) reinvestiert hat.

"Wenn der BVB wirklich die gesamten Einnahmen wieder ausgegeben hat, überrascht mich das nicht, weil man auf der einen Seite einen großen Aderlass hatte und andererseits auch qualitativ auf hohem Niveau europäisch und national vorne mitspielen will", meinte Neubauer dazu.

50 Millionen für Sane?

Der Erzrivale Schalke 04 überraschte mit der Verpflichtung des Schweizer Youngsters Breel Embolo (27 Millionen). Im Gegenzug dürfte den Königsblauen der Verkauf von Leroy Sane an Manchester City sagenhafte 50 Millionen in die Kassen spülen.

Für Transfers auf die Insel wird in der Szene mittlerweile mit einem 20-Prozent-Aufschlag auf den eigentlichen Spielerpreis gerechnet.

Neubauer hält weiterhin den Daumen nach oben, wenn es um die erste deutsche Spielklasse geht: "Die Bundesliga ist weiter ein sehr hochklassiges Produkt im europäischen Maßstab gesehen, und das hat nichts mit einer Entwicklungsliga zu tun."

Dass sich Spieler sowohl sportlich als auch finanziell dahin orientieren, wo die Spitze ist, sehe man an Bayern und Dortmund. "Von dort aus geht es nach Spanien und England. Das ist ein ganz normaler Verlauf im Spitzenfußball."

Defensive Spanier

Dabei sind die Spanier in diesem Sommer in Sachen Transfers noch vergleichsweise defensiv unterwegs.

"In Spanien ist noch nicht viel passiert, weil die Spitzenklubs dort bereits tolle Spieler haben und man in Ruhe schauen kann, was am Ende noch machbar ist", erklärt Neubauer.

"Die anderen Vereine haben sicherlich mit finanziellen Einschränkungen zu kämpfen, weil sie schon des öfteren finanzielle Schwierigkeiten hatten, was aber nicht neu ist."

In England, Italien und China kennt man solche Sorgen nicht. Inzwischen werden Mondgehälter für Spieler zugesagt. Juventus Turin zahlt gute 90 Millionen für Gonzalo Higuain, Manchester United womöglich 110 Millionen Euro für Paul Pogba.

"Natürlich wollen deutsche Vereine junge und talentierte Spieler sportlich für sich nutzen. Aber auch, um sie mit einem Weiterverkauf finanziell weiter für sich nutzen zu können. Das ist dann eine ganz gute Kombination", findet Neubauer.

Frühzeitiges Transfergeschäft

Eine neue Entwicklung im Transfergeschäft will er jedenfalls nicht erkannt haben. "Außer, dass die Summen höher geworden sind", sagt der erfahrene Berater, "ist eigentlich immer das gleiche Bild zu beobachten, dass deutsche Vereine bis auf einige Ausnahmen relativ frühzeitig ihr Transfergeschehen abschließen. Die übrigen Europäer machen das später."

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