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Tim Wiese (r.) hatte viel Spaß beim Training mit behinderten Fußballfans © imago

München - Tim Wiese gibt Samstag für die SSV Dillingen sein Comeback als Torwart. Bei SPORT1 zeigt "The Machine" seine menschliche Seite - und verrät sein Erfolgsrezept.

Es war fast wie früher. Nur, dass Tim Wiese dieses Mal mit dem Auto zum Stadion fuhr und nicht im Mannschaftsbus.

Doch der 35-Jährige hatte dieses Leuchten in den Augen wie zu seiner besten Zeit als Bundesliga-Torwart bei Werder Bremen. Und der frühere Nationalkeeper und WWE-Aspirant nimmt es richtig ernst, was da auf ihn zukommt.

Am Samstag wird "The Machine" für den Kreisligisten SSV Dillingen im Heimspiel gegen den TSV Haunsheim (ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) sein Comeback im Tor feiern - nach fast vier Jahren. Im pinkfarbenen Trikot mit der Nummer 99.

2013 bestritt Wiese sein letztes Spiel als Torwart - damals noch für die TSG 1899 Hoffenheim.

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Freundschaft zum Klub-Boss

Es ist am Samstag zwar ein Pflichtspiel, aber vor allem ein Freundschaftsdienst für Klub-Boss Christoph Nowak.

"Christoph Nowak hat mich ein, zwei Jahre genervt, dass ich mal für seinen Verein spielen soll. Jetzt war der richtige Zeitpunkt", sagt Wiese im Gespräch mit SPORT1. "Man sieht nun den Medienrummel, das ist etwas Schönes für die Kreisliga und für den Verein. Ich habe Wort gehalten und es wird ein Spektakel."

Kein Wunder, dass Nowak überglücklich und stolz ist über den Coup. "Es ist eine einmalige Geschichte im ganzen Amateurfußball", meint der Klub-Boss, der Wiese noch aus seiner Zeit bei Werder Bremen kennt. Für Wiese ist es einfach eine "Herzensangelegenheit", weil Nowak "immer zur Stelle war, wenn ich ihn brauchte."

SPORT1-Reporter Reinhard Franke begleitete Tim Wiese bei seiner Vorbereitung einen Tag lang.

Keine Angst vor einer Verletzung

Es werde dennoch "keine Spaßveranstaltung", wie Wiese auf der Pressekonferenz am Donnerstag betonte. Hat er keine Angst sich zu verletzen? Immerhin hat er seine Wrestling-Pläne noch nicht ad acta gelegt.

"Bei mir ist alles Stahl, da geht nichts mehr kaputt. Zum Glück ist mein Körper nicht so anfällig, was Verletzungen angeht und deswegen passiert auch nichts", sagt Wiese und ergänzt schmunzelnd: "Ich bin unzerstörbar."

Nachdem er sich umgezogen hat, steht er ganz in Schwarz auf dem Platz. Ein Mann wie ein Baum. Kurz bückt er sich, prüft fachmännisch den Rasen und rennt dann los in Richtung Tor.

Man merkt es ihm an: Wiese hat richtig Spaß an dem, was er da macht. Das extra angesetzte Training mit Menschen mit Behinderung absolviert er mit voller Leidenschaft. So ist Wiese.

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Immer 100 Prozent Einsatz

"Ich mache jede Sache zu 100 Prozent, egal, ob beim Wrestling, bei der Promi-Darts-WM oder jetzt das Spiel für Dillingen - ich bin super eingestellt und der Fokus liegt ganz klar auf einem Heimsieg." Dillingen schwebe "in akuter Abstiegsgefahr, deshalb ist es umso wichtiger, am Samstag die drei Punkte zu holen."

Wiese hechtet im Training nach jedem Ball und zeigt zumindest ansatzweise schon wieder ähnlich spektakuläre Paraden wie zu seiner aktiven Zeit: "Der Torwarttrainer der SSV sagte zu mir: 'Irgendwie kommt es mir so vor, als wenn du nie weggewesen wärst'."

Doch für Wiese kommt das gar nicht so überraschend. "Das ist wie Fahrradfahren, das verlernst du nie. Ich musste kurz reinkommen, doch nach den ersten Bällen hatte ich gleich die Sicherheit wieder."

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Show gehört immer dazu

Und Wiese wäre nicht Wiese, wenn er die Aufmerksamkeit rund um seine Rückkehr ins Tor nicht zu 100 Prozent genießen würde.

"Die Show gehört immer noch dazu. Das ist weiter in mir drin", gibt er zu. Früher als Torwart habe er auch schon immer gedacht, "dass es gut aussehen muss, wenn ich im Tor stehe. Ich wollte immer auch etwas für die Galerie fliegen."

Die neuen Mannschaftskollegen haben ihn gleich gut aufgenommen. "Die Jungs freuen sich auch auf das Spiel und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Sie werden über 100 Prozent geben, es ist auch für sie ein Ansporn, dass ich dabei bin", sagt Wiese.

Wiese verrät sein Erfolgsrezept

Das volle Stadion und die vielen Übertragungswagen am Stadion werden den Gegner schon etwas einschüchtern, ist sich Wiese sicher. "Ich gehe vorher nochmal richtig einen trinken und komme morgens um sechs nach Hause, so, wie es sich in der Kreisliga gehört. Und dann gehe ich auf den Platz", scherzt er.

Auch frühere Kollegen werden genau hinschauen. "Wir haben eine Facebook-Gruppe mit Ex-Kollegen und alle finden das geil", verrät Wiese. "Ich habe zu Torsten Frings (Trainer des SV Darmstadt 98; Anm. d. Red.) gesagt, dass bei uns bei der Pressekonferenz mehr los war als in Darmstadt die ganze Saison."

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