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Torhüter Benjamin Kirsten spielte von 2008 bis 2015 für Dynamo Dresden
Benjamin Kirsten startete seine Profikarriere 2006 bei Bayer Leverkusen II © Getty Images

München - Torwart und Publikumsliebling Benjamin Kirsten erhält bei Dynamo Dresden keinen neuen Vertrag - sehr zum Unmut der Fans. Jetzt spricht der Keeper bei SPORT1 über seine Ausbootung.

Der Schock saß tief.

Eigentlich hatte sich Benjamin Kirsten auf eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags bei Dynamo Dresden eingestellt. Doch für den 28 Jahre alten Torwart kam plötzlich alles ganz anders.

Nach 116 Spielen im Trikot der Schwarz-Gelben. Denn Kirsten machte die Rechnung ohne Uwe Neuhaus, ab Sommer neuer Cheftrainer bei Dynamo

Der frühere Coach von Union Berlin entschied sich nämlich kurz nach seiner Unterschrift in Dresden gegen eine Weiterbeschäftigung von Kirsten, der mit 21 Jahren zum Verein kam und wie sein Vater, der frühere Nationalstürmer und Ex-Dynamo-Idol Ulf Kirsten (spielte elf Jahre für die SGD), der Publikumsliebling bei den Sachsen war.

Wie Schweinsteiger

Der Junior genoss in den letzten Jahren im Verein zudem einen ähnlichen Stellenwert wie ein Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern. Und verkörperte Dynamo wie kaum ein anderer.

Kirsten schlief als Kind in Bettwäsche des Kultklubs und stand früher selbst im K-Block. Mit ihm verliert der Traditionsverein eine echte Identifikationsfigur.  

"Nach sieben intensiven Jahren mit allen sportlichen Höhen und Tiefen, die ich in Dresden erlebt habe, verschwimmen die Grenzen zwischen einer professionellen Berufseinstellung mit sehr emotionalen Gefühlen“, sagt Kirsten zu SPORT1.

Er klingt verbittert. Und frustriert. "Dynamo war immer mein erstes Ziel, meine größte Leidenschaft. Da hat man keinen Plan B in der Schublade. Umso überraschender kam diese Entscheidung für mich. Man sagt wohl 'auf dem falschen Fuß erwischt'."

Dynamo Dresden v Hansa Rostock  - 3. Liga
Im letzten Spiel gegen Hansa Rostock huldigten die Fans von Dynamo Dresden ihrem Helden Benjamin Kirsten © Getty Images

"Klare Signale für Verlängerung"

Was waren die Gründe für die überraschende Trennung? "So genau kann ich das gar nicht sagen", meint Kirsten und betont: "Es gab klare Signale für eine Vertragsverlängerung, die mit der Verpflichtung von Uwe Neuhaus als Trainer zurückgenommen worden sind."

Die Mannschaft stecke gerade "in einer Umstrukturierung", bei der er "keine Rolle mehr spiele." Bitter für den Keeper, der aus Dynamos Jugendabteilung stammt, denn er sagte zwei Anfragen ab.

"Ein konkretes Angebot aus der ersten österreichischen Liga und eine konkrete Anfrage aus der Zweiten Liga in Deutschland sind dadurch für mich verloren gegangen." 

Fußball sei eben "ein knallhartes Geschäft, da spielen dann emotionale Dinge nicht die erste Rolle. Diese Erfahrung fehlte mir noch. Sportlich habe ich mir wenig vorzuwerfen." 

Auch positive Worte

Kirsten aber weiß, was er seinem Klub zu verdanken hat und findet daher auch positive Worte. "Natürlich ist Enttäuschung da, aber eben auch viel Dankbarkeit aufgrund meiner Zeit hier", sagt der Schlussmann.

"Ein Aufstieg in die Zweite Liga, tolle Pokalsiege und zwei packende Relegationen waren für mich wichtige sportliche Erfolge. Nach meiner Handverletzung in dieser Saison war ich jetzt sehr froh, noch einmal vier siegreiche Spiele mit der Mannschaft einfahren zu können."

Dynamo beendete die letzte Saison auf Platz sechs. 

"Emotionaler Abschied"

Kirsten weiter: „Damit bleibt in einer sehr schwierigen Saison wenigstens ein versöhnlicher Abschluss und machte mir einen sehr emotionalen Abschied von unseren Fans möglich. Nun muss ich meine Zukunft kümmern." Noch hat sich der Aufstiegsheld von 2011 da aber noch keine konkreten Überlegungen gemacht. Zu plötzlich traf ihn die Entscheidung von Neuhaus.

"Bis zum letzten Spiel wollte ich selbst nur auf den Erfolg mit Dynamo fokussiert bleiben. Ein Spieler mit einer so hohen Vereinsidentifikation steht sicher nicht gleich auf allen Einkaufslisten. Mit 27 Jahren will ich es natürlich sportlich trotzdem noch einmal wissen."

Ausland eine Option

Und da ist Kirsten nach allen Seiten offen. Energie Cottbus und der Chemnitzer FC sollen zuletzt Interesse gehabt haben, planen nach SPORT1-Informationen inzwischen aber anders. Auch das Ausland ist offenbar eine Option für ihn.

"Ich lege mich auf keine Liga und kein Land fest", so Kirsten. "Ich will schauen, welche Möglichkeiten sich ergeben und dann auf meinen Bauch hören."

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