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Kommentar von Mathias Frohnapfel zur Pleite des FC Bayern beim VfL Wolfsburg
Der FC Bayern kassierte beim 1:4 in Wolfsburg seine erste Saisonniederlage in dieser Bundesliga-Saison © SPORT1/getty

Die Niederlage des FC Bayern in Wolfsburg hat klare Gründe, einige Schwächen sind offengelegt: Der Meister muss jetzt aufwachen, die Konkurrenz bekommt Anschauungsmaterial. Kommentar.

Vier Watschen für den FC Bayern! Und die höchste Bundesliga-Niederlage seit 2009. Die kassierte der stolze Klub ja auch beim VfL Wolfsburg. 1:5 hieß es damals, jetzt 1:4.

Die angeblich unschlagbaren Bayern sind also doch verletzlich.

Alle müssen nun bei den Münchnern hellwach sein nach diesem vergeigten Rückrundenauftakt. 2015 bekamen sie ja in einem Spiel genauso viele Gegentore wie zuvor in 17 Vorrundenspielen zusammen.

Die erste Saisonpleite hat systematische Gründe: Die zuvor feinjustierte Passmaschinerie streute mehr Fehler als üblich ein, im Mittelfeld standen sich in Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso zwei ähnliche Spielertypen auf den Füßen. Und dass die extrem hoch aufrückenden Roten bei Kontern offene Flanken bieten, wurde gegen den Tabellenzweiten zum Verhängnis.

Sogar Xabi Alonso ließen die agilen Wolfsburger alt aussehen. Zum einen, indem sie ihn schon belauerten, wenn ein Pass in seine Richtung kam. Zum anderen, indem sie den Spanier in ungünstige Situationen brachten, strategische Pässe so kaum zuließen.

Wolfsburg lieferte für die ganze Liga Anschauungsmaterial, wie dem FC Bayern mit einer hochkonzentrierten Leistung beizukommen ist. In den Baukasten für Schalke 04 und den VfB Stuttgart, die nächsten Gegner in dieser Englischen Woche, gehören jetzt vor allem zwei Elemente: Balleroberung im Zentrum und schnelles, geradliniges Konterspiel.

Wolfsburg exerzierte es perfekt: wie beim 1:0 oder beim 3:0 und 4:0. Und immer wieder glänzte Kevin De Bruyne. Ein Zauberfuß und Ballstreichler. Und ein Tempofußballer.

Auf der ganzen Welt schauten die Fans beim Rückrundenauftakt der Bundesliga zu - auch dank De Bruyne bekamen sie ein Spektakel zu sehen. Mit Andre Schürrle bekommt der VfL zudem den nächsten Hochkaräter. Klingt vielversprechend.

Ein mitreißendes Spiel und ein gestrauchelter Favorit, das macht Lust auf mehr. Und auf eine Rückrunde, in der selbst der FC Bayern den 25. Titel nicht mehr per Spaziergang abholen kann.

Wohltuend auch, wie der VfL Wolfsburg mit der Tragödie um Junior Malanda umging.

Fans, Team und Gegner klatschten vor dem Spiel für den verunglückten Jungprofi. Trainer Dieter Hecking fand dann nach Abpfiff die richtigen Worte, als er den Sieg als das einordnete, was er ist: ein sportlicher Erfolg, der Malandas Tod nichts von seiner Schrecklichkeit nimmt.

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