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Hertha BSC Berlin v FC Augsburg - Pal Dardai und Michael Preetz
Michael Preetz (l.) verabschiedete Pal Dardai 2011 aus der Profimannschaft © Getty Images

Berlin - Nach dem Absturz auf Platz 17 muss Trainer Jos Luhukay bei Hertha BSC den Hut nehmen. Hertha-Ikone Pal Dardai übernimmt. Manager Michael Preetz gerät in die Schusslinie.

Von Martin Hoffmann, Mathias Frohnapfel, Anett Sattler und Daniel Becht

Berlin - Um 12.02 kam Jos Luhukay auf der Geschäftsstelle von Hertha BSC an. Schon gut eine Stunde später war Gewissheit, was sich vorher abgezeichnet hatte: Der Niederländer ist nicht mehr Coach der Berliner.

Drei Niederlagen in Folge und der Absturz auf Platz 17 besiegelten Luhukays Aus nach der 0:1-Pleite gegen Bayer Leverkusen.

Herthas früherer Profi Pal Dardai und der ehemalige Co-Trainer Rainer Widmayer übernehmen vor dem Spiel beim FSV Mainz 05 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und Sportradio SPORT1.fm) das Kommando. Ob sie mehr sind als eine Übergangslösung, müssen sie noch unter Beweis stellen.

Dardai hoch motiviert

Dardai ging den neuen Job bei seiner Vorstellung hochmotiviert und mit reichlich Pathos an.

"Ich werde bis zum Tod arbeiten", sagte der Ungar, der zeitgleich Nationaltrainer seines Landes ist.  Beide Jobs ließen sich aber vereinbaren, meinte er selbstbewusst.

"Die Sache ist machbar. Wir haben gute Spieler, mit denen wir einen besseren Tabellenplatz erreichen können."

Manager Michael Preetz hörte genau hin, als sich Herthas Rekordspieler präsentierte.

"Es gibt kein Alibi, wir müssen noch viel verbessern", sagte Dardai, der überzeugt ist, mit den Berlinern die Klasse zu halten.

"Brauchten neuen Impuls"

Preetz selbst versuchte Dardai bestmöglich den Rücken zu stärken. Herthas Manager sagte nach einem kurzen Dank an Vorgänger Jos Luhukay: "Ich kenne Pal schon sehr lange und gut. Er ist ehrlich und geradeaus."

Nach einer "langen Nacht", berichet er, habe sich die Führung entschieden, Luhukay zu entlassen und einen Neustart zu wagen. "Wir brauchten einen neuen Impuls", begründete er.

Dabei hatte Preetz Luhukay noch vor drei Monaten eine Vertragsverlängerung angeboten - und es als "Grundüberzeugung" bezeichnet, dass Luhukay der richtige Mann für Hertha wäre: "Das vergessen wir auch in schwierigen Phasen nicht."

Keine Kontinuität auf Trainerposten

Das Bekenntnis erwies sich als nicht belastbar, aber man darf Preetz dennoch glauben, dass es ihm damals ernst war.

Es wäre schließlich in seinem Interesse, auf der Trainerposition die Kontinuität hinzubekommen, auf die er seit seinem Amtsantritt 2009 wartet.

Weder Lucien Favre, noch Friedhelm Funkel, Markus Babbel und Michael Skibbe haben sie herstellen können - der 2012 als Nothelfer verpflichtete Otto Rehhagel selbstredend auch nicht.

Luhukay verlor die Souveränität

Mit Rehhagels Nachfolger Luhukay sah es lange Zeit besser aus. Seit 2012 war der unaufgeregte Niederländer im Amt, schaffte den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga und dort eine hervorragende Halbserie - Platz 6 in der Hinrunde 2013/14.

Diese Position konnte Luhukay allerdings nicht halten, zuletzt entglitt ihm spürbar die gewohnte Souveränität.

Diverse taktische Handgriffe gingen nach hinten los, nach der 0:2-Pleite in Bremen zum Rückrundenauftakt kritisierte er einzelne Spieler - die Youngster John Brooks und Nico Schulz - öffentlich und namentlich. Nie ein gutes Zeichen.

Preetz in der Schusslinie

Nach Luhukays Scheitern droht der erneute Absturz in die Zweitklassigkeit - und Preetz rückt wieder in die Schusslinie.

Einerseits, weil das bei einer Trainerentlassung immer so ist, andererseits muss Preetz sich für die gegenwärtige Lage in Mithaftung nehmen lassen.

Die prominenten Transfers um Johnny Heitinga, Salomon Kalou und Valentin Stocker schlugen nicht ein. Und der gemeinsam mit Luhukay gefasste Entschluss, im Winter auf Verstärkungen zu verzichten, droht nun ebenfalls auf Preetz zurückzufallen.

Hertha BSC v Bayer 04 Leverkusen - Michael Preetz
Michael Preetz beerbte 2009 Dieter Hoeneß als Sportchef bei Hertha BSC © Getty Images

Der Impuls muss wirken

Schon 2012 ist der frühere Torjäger mit der Hertha abgestiegen und gab dabei in der Öffentlichkeit mehr als einmal ein unglückliches Bild ab.

Präsident Werner Gegenbauer hielt trotzdem an Preetz fest, womöglich auch deshalb, weil er wusste, dass die prekäre Finanzlage den Spielraum des Managers eingrenzte. Genau das gilt nun nicht mehr: Dank des Investments der US-Firma KKR konnte Hertha sich im Sommer einen Transferrekord leisten.

Preetz dürfte darauf angewiesen sein, dass sein Impuls wirkt.

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