Video

Zlatko Junuzovic soll langfristig das Spiel des SV Werder Bremen prägen. Der Dauerläufer und Freistoßkünstler war noch nie so wertvoll wie in dieser Saison. Und ist vertraglich jetzt bis 2018 gebunden.

Von Frank Hellmann und Rasmus Godau

Trotz seiner geringen Körpergröße von nur 1,72 Meter ist Zlatko Junuzovic seit Wochen beim SV Werder Bremen die alles überstrahlende Figur.

Antreiber und Sympathieträger, Torschütze und Vorbereiter, Fanliebling und Schlüsselspieler. Nicht erst seitdem der 27-Jährige seinen auslaufenden Arbeitsvertrag in der Vorwoche bis 2018 ausdehnte, wird er als Vorzeigeprofi und Sprachrohr  vorausgeschickt.

"Es ging um eine  Signalwirkung, einen umworbenen Spieler sportlich und finanziell zu überzeugen", sagt Geschäftsführer Thomas Eichin zu SPORT1.

Werder wolle nicht jedes Jahr die besten Kräfte verlieren. Und wenn bei den Grün-Weißen nach fünf Siegen wieder etwas zusammenwächst, wer kann dafür besser stehen, als dieser Tausendsassa, der auf dem Platz überall herumzuschwirren scheint.

Auch deshalb hatten die Werder-Fans die Aktion #junobleibtbremer initiiert, die sich in den sozialen Netzwerken zum Renner entwickelte.

"Habe alles ins Boot mitnehmen müssen"

Warum er so lange überlegt hat, erklärt Junuzovic im SPORT1-Interview so: "Wenn man ablösefrei ist, kommen andere Optionen auf. Ich habe alles ins Boot mitnehmen müssen, was das Sportliche und Private betrifft."

Denn da ist ja auch noch seine Lebensgefährtin Katharina, die er im Sommer vor den Traualtar führt, für die es einen passenden Job in der Hansestadt zu finden gilt.

Sie arbeitet als Juristin für Arbeitsrecht. Und er gibt gerne weiter das Herzstück des SV Werder. "Ich glaube, für mich war diese Entscheidung die beste, weil ich mich hier wohl fühle. Veränderungen mag ich nicht so sehr. Momentan haben wir auch eine sehr gute Truppe, wo es richtig Spaß macht zu spielen.

Der Österreicher, der noch im serbischen Loznica geboren wurde, ehe im Kindesalter seine Eltern vor den Kriegswirren flüchteten und nach Kärnten auswanderten, steht wie kein anderer für die stille Bremer Sehnsucht, bald wieder an bessere Zeiten anknüpfen zu können.

Nach fünf Siegen in Folge sind die Perspektiven deutlich verbessert; sollte sich Werder auch am Samstag beim FC Schalke 04 (ab 15 Uhr im LIVETICKER und im Sportradio SPORT1.fm) durchsetzen, dann sind Träume erlaubt. Bislang hat Junuzovic nämlich nur einmal im Europapokal mitgespielt. Mit Austria Wien.

Start mit Irrwegen

Dann schlug er im Winter 2012 bei den Norddeutschen auf.

Anfangs war nicht so klar, wofür der noch vom damaligen Vorstandschef Klaus Allofs verpflichtete Dauerläufer wirklich stand.

Zwar stattete ihn Trainer Thomas Schaaf sofort mit einem Stammplatz aus, aber viel zu oft verzettelte er sich. Er konnte den schleichenden Abstieg, der sich mit seiner Ankunft bereits angedeutet hatte, letztlich auch nicht aufhalten, obwohl die Nummer 16 im Laufe der Zeit immer besser wurde.

Ein Platz in der Werder-Chronik

Dass er im März 2014 im 100. Nordderby gegen den HSV den 1:0-Siegtreffer schoss, hat ihm einen Platz in der Werder-Chronik eingebracht. Und grundsätzlich lag er richtig, den Schritt nach Deutschland zu unternehmen.

"Seit meinem fünften Lebensjahr schaue ich Bundesliga. Damit bin ich aufgewachsen." Doch dass er in Bremen bleiben würde, war trotzdem nicht selbstverständlich.

Schalke soll an ihm interessiert gewesen,  Mönchengladbach hat über ihn nachgedacht. Und ganz konkret hinterlegte der HSV eine Offerte - angeblich mit sagenhaften Zahlen.

Freistoßkünstler verrät seinen Trick

Doch Eichin blieb im ständigen Austausch mit dem Marathon-Mann und dessen Management.

Weil "Juno" sich auch als formidabler Freistoßschütze einen Namen machte. Seit Aaron Hunt nach Wolfsburg weitergezogen ist, darf er die Standards treten. Viermal hat er schon den ruhenden Ball ins Eck gezirkelt.

Zlatko Junuzovic trifft
Auch gegen Bayer Leverkusen traf Zlatko Junuzovic per Freistoß © Getty

Er verrät: "Bevor ich einen Freistoß antrete, schaue ich, wie die Mauer und der Tormann stehen. Da heißt es dann abzuwägen, wo der Ball am besten hinpasst."

Erstaunlich: Er trainiert das zwischen den Spielen gar nicht mehr. Und dazu hat er mittlerweile neun Treffer vorbereitet, die meisten per Ecke oder Freistoß wie unlängst beim 3:2 gegen den FC Augsburg.

Komplimente für den Trainer

Es war die vorläufige Krönung eines Höhenflugs, den Junuzovic auch dem Trainer Viktor Skripnik zuschreibt.

"Er ist ein offener Typ, macht mit den Spielern sehr viel Spaß. Wir spielen auch im Training immer um einen Einsatz. Fußball ist ein Spiel, und das soll Spaß machen."

Und doch hat Werder für ein Jahresgehalt von rund zwei Millionen Euro bestimmt keinen Gute-Laune-Ja-Sager gebunden.  

Als es in der Hinrunde ein 1:4 in Mönchengladbach setzte, schlug der Mittelfeld-Malocher harsche Töne an. Sprach von Schönrednerei. Solch eine Haltung kann sich nur derjenige zulegen, der mit Leistung vorangeht. Der 37-fache Nationalspieler spult fast in jedem Bundesligaspiel um die 13 Kilometer ab.

Und wo geht es mit Werder in dieser Saison noch hin?

Junuzovic meint: "Schalke ist ein richtiger Prüfstein. Generell sehe ich den Weg positiv, weil wir eine Mannschaft haben, die sich immer weiterentwickelt. Aber wir werden alles realistisch einordnen, denn es kann schnell nach hinten losgehen. Mir passt es im Moment auch nicht, wie über das internationale Geschäft spekuliert wird."

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel