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Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist die weitere Internationalisierung der Marke FC Bayern München ein besonderes Anliegen © Getty Images

München - Die Bosse des FC Bayern deuten eine neue Transferstrategie an. Selbst die Verpflichtung eines Weltfußballers scheint mit einem Mal nicht mehr unrealistisch.

100 Millionen Euro - diese Summe spielte beim FC Bayern schon einmal eine Rolle. Es war im Sommer 2009, als Real Madrid sein Starensemble mit Franck Ribery verstärken wollte.

Bei Uli Hoeneß bissen die Spanier allerdings auf Granit. Einen "dreistelligen Millionenbetrag" verlangte der damalige FCB-Manager. Das war zu viel für die Spanier, die sich dann lieber einen gewissen Cristiano Ronaldo gönnten.

Seitdem ging es an der Säbener Straße nicht mehr um eine Summe dieser Größenordnung.

Rekordspieler Martinez und Götze

Die Münchner gaben zwar fleißig Geld aus, holten mal einen Javi Martinez für 40 Millionen oder einen Mario Götze für 37 Millionen Euro. Doch die Rekordsummen zahlten die Teams aus Spanien oder England. Nun könnten aber auch die Bayern in neue Dimensionen vorstoßen. Das lassen zumindest Zitate der vergangenen Tage vermuten.

"Ja, wir könnten 100 Millionen Euro für einen Spieler zahlen", sagte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen in einem Interview mit dem kicker.

Megatransfer nicht ausgeschlossen

Der 47-Jährige will einen Transfer in dieser Größenordnung auch nicht ausschließen. "Es ist einfach, jetzt nie zu sagen. Das versuche ich zu vermeiden, weil ich mich ungern nach unten korrigieren will", sagte Dreesen.

Zuvor hatte Karl-Heinz Rummenigge in einem SPORT1-Interview bereits eine neue Transferstrategie angedeutet.

"Wir sind immer bemüht, auf jeden Fall was zu machen. Erst mal um die Qualität, die ohne Frage schon vorhanden ist, noch mal ein bisschen zu verbessern und auch - da mache ich keinen Hehl daraus - die Hierarchien in Frage zu stellen", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender.

Die Botschaft dieser Aussagen ist klar: Wenn ein Superstar auf dem Markt ist, will der FCB nicht (mehr) beim Pokern zuschauen. Selbst wenn Schwergewichte wie Roman Abramowitsch für den FC Chelsea oder Florentino Perez für Real Madrid mit am Tisch sitzen.

Die Erfolge der jüngeren Vergangenheit mit drei Champions-League-Endspielen in den vergangenen fünf Jahren haben das Selbstbewusstsein gestärkt. Zudem steigen die Einnahmen und ermöglichen dem Klub einen Megatransfer.

Ronaldo macht es vor

Und dennoch: Der sportliche Aspekt ist nicht die einzige Antriebsfeder einer möglichen Transferoffensive. Denn was die Bosse des Klubs mehr und mehr erkennen: Der Sport selbst, aber vielmehr seine Akteure sind zu internationalen Produkten geworden. Ein Gewinn der Champions League alleine garantiert außerhalb Europas keine Aufmerksamkeit mehr.

Der europäische Markt ist längst abgesteckt, das Wachstum und neue Zielgruppen, um in der Marketingsprache zu bleiben, warten in Asien, Afrika, Südamerika oder den USA. Dort, wo der Fußball aus der alten Welt nicht in Dauerschleife läuft, interessiert es eben wenige, wie mannschaftsdienlich zum Beispiel ein Rafinha spielt.

Real Madrid v Atletico de Madrid - UEFA Champions League Final
Cristiano Ronaldo (r.) bejubelt seinen Treffer zum 4:1 für Real Madrid im Champions-League-Finale 2014 gegen Atletico Madrid © Getty Images

Cristiano Ronaldo, Superstar und Weltmarke im Trikot von Real Madrid, hat dieses Prinzip längst verinnerlicht. Sein vermeintlich überzogener Jubel im Champions-League-Finale 2014 Reals gegen Atletico Madrid, als er per Elfmeter in der 120. Minute das unbedeutende 4:1 erzielte, zog den Zorn vieler Fans auf sich.

Dabei sind diese Dinge wohlkalkuliert, denn natürlich war er am Tag darauf auf allen Titelblättern der Welt abgedruckt. In China, in Brasilien, in den USA war die Botschaft klar: Der Superstar hat's wieder geschafft, die Trikotverkäufer in den Sportgeschäften in Los Angeles, Singapur oder Tokio wird es gefreut haben.

Es ist sind diese Duelle abseits des Platzes, denen sich der Verein von der Säbener Straße künftig (auch) stellen muss.

Winterkorn und die Lust auf China

In der vergangenen Jahren hat sich der FC Bayern schon von einem nur erfolgreichen Fußballverein Hoeneß'scher Prägung zu einem international agierenden Großunternehmen entwickelt, der Umsatz betrug zuletzt eine halbe Milliarde Euro.

Die Vorstände und Aufsichtsräte der großen DAX-Konzerne, unter anderem Martin Winterkorn von VW oder Rupert Stadler von Audi, sitzen auch bei den Münchnern mit an den Tischen. Es geht natürlich schon längst um viel mehr als nur Fußball, wenn Rummenigge sagt: "Wenn er (Winterkorn) von China spricht, glänzen seine Augen."

Dabei wird der VW-Boss weniger an Torspektakel der Bayern in Testspielen gegen Peking denken, es sind vielmehr wirtschaftliche Interessen für den Verein - und für Volkswagen. Seit 2013 gehört Winterkorn zum Beraterkreis von Chinas Machthabern, wie das Handelsblatt berichtete. Für alle global denkenden und operierenden Manager und Unternehmen ist der Sport jeher ein gern genommenes Mittel, um Markenpflege und wirtschaftlichen Ausbau zu betreiben. Gazprom lässt grüßen.

Hoeneß' Erbe schwindet

Uli Hoeneß schaffte bis zu seinem Abgang 2014 stets den schwierigen Spagat, dem Klub trotz der Erfolge und wachsenden Umsätze dieses urtümlich familiäre Image zu bewahren. Ein seriöses, erfolgreiches Mittelstands-Unternehmen eben: Wachsen ja, aber nicht grenzenlos. Ob ein 100-Millionen-Satz wie der von Dreesen auch aus Hoeneß' Mund gekommen wäre? Eher nicht.

Einen Vorgeschmack auf das, wie sich der FC Bayern womöglich künftig aufstellt, gab die Jahreshauptversammlung 2014, die erste ohne Hoeneß. Vorbei die oft bierselig getränkte Atmosphäre früherer Jahre, gerne verbunden mit launigen Spitzen Richtung Dortmund oder Bremen.

Eine kühl-analytische Vorstellung hat Einzug gehalten, es sind inzwischen Manager, die auf dem Podium stehen, weniger Ex-Profis. Wer einmal ähnliche Veranstaltungen bei Siemens oder Allianz besucht hat, wird nur noch wenige Unterschiede sehen, die Trikotdichte im Publikum mal außen vor.

68 Millionen aus der Vermarktung

Der (finanzielle) Erfolg gibt den Handelnden jedoch recht: Rund 68 Millionen soll der Rekordmeister für seine nationale und internationale Vermarktung in der kommenden Saison erhalten. Tendenz steigend. Mit PR-Reisen in die USA und China positioniert sich der Klub weiter als "global player". Diesen Ausdruck nahm selbst der Traditionalist Hoeneß in den Mund, um seinen Verein zu beschreiben.

Und eine Weltmarke wie der FC Bayern braucht auch in Zukunft gute Markenbotschafter auf dem Rasen. Für diese wird viel Geld ausgegeben, mehr als in der Vergangenheit. Zur Not eben auch 100 Millionen Euro.

Geht es um die reine Ablösesumme, könnte sich der Rekordmeister mit diesem Betrag auch die zwei aufregendsten Spieler auf diesem Planeten leisten. Ronaldo oder Lionel Messi an der Säbener Straße - das wäre keine Utopie mehr. So unvorstellbar groß die Summe wäre, der Image- und Markengewinn für den Klub wäre ebenso unvorstellbar. Messi im Bayern-Trikot - ein Gewinn für alle Seiten?

Ausrüster als Wegbereiter?   

Für den Argentinier gibt es im Gegensatz zum Real-Superstar sogar gute Argumente: Messi steht beim gleichen Ausrüster wie der FC Bayern unter Vertrag. Das Unternehmen aus Herzogenaurach könnte Messis Gehalt mitfinanzieren, damit dieser künftig auch im Verein die Marke mit den drei Streifen trägt. Messi hat als Profi auch nur beim FC Barcelona gespielt, den derzeit 27-Jährigen dürfte also durchaus ein Wechsel zu seinem Förderer Pep Guardiola reizen.

Lionel Messi (l.) kennt Bayern-Trainer Pep Guardiola schon aus Barcelona
Lionel Messi (l.) kennt Bayern-Trainer Pep Guardiola schon aus Barcelona © Getty Images

Wahrscheinlich wird er seinem Stammklub in der kommenden Saison noch treu bleiben, schließlich darf Barca aufgrund der FIFA-Transfersperre keinen Ersatz verpflichten. Womöglich versucht der viermalige Weltfußballer 2016 dann aber etwas Neues. Gerüchte um einen Wechsel nach England halten sich seit Monaten hartnäckig.

Sein langjähriger Trainer arbeitet derzeit jedoch für den FC Bayern. Pep Guardiolas Vertrag endet 2016. Gäbe es als Prämie zur Verlängerung einen Messi, dürfte der Coach nicht lange mit einer Unterschrift zögern.

Am Geld sollte es zumindest nicht scheitern. Geld, das zusehends aus der ganzen Welt fließt.

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