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München - Beim 0:0 im Hinspiel hatte Gladbachs Taktifuchs Lucien Favre die Bayern am Rande der Niederlage. Zwei Dinge könnten die Schlüssel zum Sieg sein. Guardiola bekundet Respekt.

Lucien Favre lächelte.

Natürlich hat der Schweizer die Schwächen des FC Bayern schon ausgemacht. Auch wenn das nicht wirklich viele sind.

"Jede Mannschaft hat ihre Schwäche. Es ist unmöglich, die Perfektion zu finden. Auch wenn sie schon nah dran sind. Das sind Details, die nicht alle sehen", sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach vor dem Spitzenspiel beim souveränen Tabellenführer am Sonntag (ab 17 Uhr im LIVETICKER und auf SPORT1.fm).

Favre hat sie gesehen. Sie letztendlich auszunutzen, wird der Schlüssel sein. Eine Herausforderung, keine Frage. Doch genau diese Herausforderungen liebt der Taktik-Tüftler. Interessant und sehr speziell sei es, dort zu spielen, so Favre: "Wir kennen die Qualität und ihre Möglichkeiten. Wir haben aber keine Angst, gegen sie zu spielen."

Mehrere Lösungen

Wie er die Bayern knacken will? "Eine gute Mannschaft muss mehrere Lösungen beherrschen", sagte er.

Und die wird sein Team in München brauchen.

"Wir müssen intelligent spielen und spritzig sein, um den Ball zu erobern und die Bayern zu stören. Wir müssen im Ballbesitz clever, hoch konzentriert sein, etwas wagen, schnell denken und schnell spielen", so Favre. Und in den richtigen Momenten mit Risiko agieren, variabel. Und effizient.

Favre will hoch verteidigen

Oberste Priorität wird und muss die konzentrierte Defensivarbeit haben, ohne sich gegen den Rekordmeister in zu vielen Zweikämpfen aufzureiben. Aus dem kompakten Defensivverbund mit den spiel- und laufstarken Sechsern Granit Xhaka und Christoph Kramer wird die Borussia auf das übliche Pressing und wohl auch ein verstärktes Konterspiel setzen.

Auch wenn Favre betonte, dass man grundsätzlich das eigene Spiel durchsetzen und hoch verteidigen wolle. "Die Spieler müssen eine Topleistung bringen, sehr stark spielen. Ob wir hoch spielen an der Mittellinie oder tief warten", so der Schweizer.

Schnelles Umschaltspiel

Gladbach muss versuchen, die Zentrale zuzustellen und sich dem Gegenpressing der Münchner zu entziehen, indem sie im Umschaltspiel die Zentrale meiden und stattdessen über die Außen wie Patrick Herrmann, Ibrahima Traore, Thorgan Hazard oder Andre Hahn die Gegenangriffe starten.

Im Idealfall überfallartig und vor allem ballsicher, mit nur wenigen Ballberührungen. Hier hat Favre in seinem flexiblen 4-4-2 personell die Qual der Wahl, kann den Gegner so ebenfalls überraschen.

Anspielstationen in der Spitze sind im Normalfall Max Kruse und Raffael, die die Innenverteidiger der Bayern binden sollen und als Verbindung zwischen Mittelfeld und gegnerischer Verteidigung fungieren, dabei oft auch die Bälle prallen lassen.

Bayern verwundbar, Guardiola bekundet Respekt

Dass die Bayern so durchaus verwundbar sind, haben in der Hinrunde die Gladbacher selbst gezeigt, als sie dem Rekordmeister beim 0:0 über 90 Minuten Paroli boten und nach einem offenen Schlagabtausch durchaus auch als Sieger hätten vom Platz gehen können.

Das haben sie auch beim Gegner nicht vergessen. Er habe "großen Respekt" vor seinem Kollegen Favre, sagte Bayern-Trainer Guardiola am Freitag. Favres Team verfüge über eine "super Organisation, Klarheit im Spiel und eine sehr gute Qualität".

Gladbachs Problem gegen die Bayern ist aber der eigene Ballbesitz. "Wir müssen mehr Ballbesitz haben. Sie sind gut bei der Balleroberung, bei Ballbesitz und nach Ballverlust. Sie haben mehrere Varianten im Spielaufbau", lobte auch Favre die Vorzüge des Kontrahenten.

Mut und Glaube an die eigene Stärke

Die wichtigste Voraussetzung sind jedoch Mut und der Glaube an die eigene Stärke. In den zurückliegenden Wochen haben sich die Bayern-Gegner entweder für "das tolle Erlebnis" bedankt (Paderborns Trainer Andre Breitenreiter nach einem 0:6), oder waren schlicht "stolz" (Bremens Trainer Viktor Skripnik nach einem 0:4).

"Wir wissen um die schwere Aufgabe in München, aber wir fahren mit dem Selbstvertrauen, das wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben, dorthin", sagte Gladbachs Manager Max Eberl SPORT1.

Gladbach auswärts schwach

Die Borussia hat sich als Dritter als Champions-League-Aspirant etabliert und in der Rückrunde erst ein Spiel verloren. Das jedoch auf Schalke, beim bislang einzigen Gegner aus der oberen Tabellenhälfte.

Die Gladbacher kamen auswärts seit dem 1:0 zum Rückrundenauftakt in Stuttgart erst zu zwei Punkten, dafür zeigten sie sich zuletzt stark verbessert gegen tief stehende und kompakt verteidigende Gegner. Ein Spielansatz, den der kommende Gegner allerdings nicht verfolgt.

FBL-GER-BUNDESLIGA-MOENCHENGLADBACH-HANOVER
Patrick Herrmann (r.), Gladbachs bester Schütze, traf zuletzt doppelt © Getty Images

Nur wenige Chancen

Das Problem der Borussia bleibt jedoch die Chancenverwertung. Denn viele Möglichkeiten werden sie in München wohl nicht bekommen. "Man darf sich einfach keine Fehler erlauben, denn die werden von den Bayern gnadenlos ausgenutzt", sagte Herrmann, mit acht Saisontoren Gladbachs bester Torschütze.

Eine gesunde Portion Demut ist gegen die schier übermächtigen Bayern im Grunde ein guter Ansatz, zu viel davon kann allerdings schnell zu erwähnten Absurditäten führen: Dass sich die Gegner reihenweise für Lehrstunden und Vorführungen bedanken.

"Werden nicht kuschen"

"Wir werden alles versuchen, Bayern München ein Bein zu stellen", sagte Eberl. Man habe großen Respekt vor der Arbeit der Bayern, aber "Gladbach wird nicht vor Bayern München kuschen", stellte Eberl klar.

Egal was passiert: Bedanken wird sich danach hoffentlich auch niemand.

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