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Thomas Berthold (l.) sieht in der Installation von Peter Knäbel als HSV-Interimscoach ein Risiko
Thomas Berthold (l.) sieht die Installation von Peter Knäbel als HSV-Interimscoach kritisch © Getty Images

Thomas Berthold zeigt sich in seiner SPORT1-Kolumne von der Trainerentscheidung des Hamburger SV überrascht. Interimscoach Peter Knäbel fehle die nötige Erfahrung.

Hallo Fußball-Freunde,

was sich am Sonntagmorgen bei meinem Besuch im Volkswagen Doppelpass bereits angedeutet hatte, ist am Abend Realität geworden: Der Hamburger SV hat Trainer Joe Zinnbauer entlassen.

Ich habe bereits vor Monaten in meiner SPORT1-Kolumne geschrieben, dass ein Trainer für den HSV meiner Meinung nach ein anderes Anforderungsprofil mitbringen muss.

Die Trainer werden letztlich daran gemessen, was am Samstag passiert. Wie der Punktestand ist, wie sich eine Mannschaft entwickelt. Man hat ihm nicht mehr zugetraut, die Kurve zu kriegen.

Es ist viel probiert worden, mit Lewis Holtby und Rafael van der Vaart. Mal war van der Vaart weiter vorne, mal weiter hinten, mal draußen. Mit einer Spitze, mal mit zwei. Letztlich hat sich unter Zinnbauer aber keine Spielidee herauskristallisiert.

Wenn man den Aufwand sieht, der betrieben wurde - es wurden 32 Millionen Euro investiert - ist das Ergebnis einfach schlecht. Beim HSV wurden in der Kaderplanung im Angriff keine adäquaten Optionen geschaffen, das muss man dem Vorstand ankreiden.

Stuttgart hat gepunktet, der HSV steht nun auf dem Relegationsplatz. Die nächsten Spiele sind in Leverkusen, gegen Wolfsburg und in Bremen. Da ist es nicht verwunderlich, dass Zinnbauer entlassen wurde.

Mutig ist allerdings, dass nun der bisherige Direktor Profifußball Peter Knäbel bis zum Saisonende übernimmt. Es ist natürlich die Frage, welchen Trainer man bekommen kann. Und wer so einen Job für acht Spieltage überhaupt übernimmt.

Aber jetzt eine interne Lösung mit einem Mann zu präsentieren, der als Bundesliga-Trainer überhaupt keine Erfahrung hat, birgt natürlich gewisse Risiken. Vor allem mit Blick auf die anstehenden Aufgaben.

Hannover ist einen anderen Weg gegangen und hat Tayfun Korkut das Vertrauen ausgesprochen. Auch für 96 ist es enger geworden, aber ich glaube, dass man dort einfach von dem Trainer überzeugt ist.

Was die Mannschaft am Samstag gegen Dortmund gezeigt hat, war ja auch nicht schlecht.

Der FC Bayern hat sich hingegen am Sonntagabend ohne Tempo, ohne Inspiration und ohne Ideen präsentiert. Das geht nicht gegen eine Mannschaft wie Gladbach, die gut steht, diszipliniert ist und den Ball gut laufen lässt.

Die Borussia hat hochverdient gewonnen. Die Bayern müssen jetzt sehen, dass sie nach der Länderspielpause wieder in die Gänge kommen.

Dann geht es in der Champions League weiter und in der Bundesliga steht das Spiel bei Borussia Dortmund an. Das wird auf jeden Fall ein Knaller, der BVB ist sicher nicht chancenlos.

Zumal der verletzte Arjen Robben wohl fehlen wird. Bei den Bayern sind die Fußstapfen von Franck Ribery und Robben sehr groß, solche Weltklassespieler sind nicht zu ersetzen.

Da wird es auch aus Altersgründen sehr wichtig sein, auf diesen Positionen Topspieler zu gewinnen.

Dass Manuel Neuer gegen Gladbach gepatzt hat, finde ich nicht schlimm. Das war ja fast schon überfällig. Da steht schließlich ein Mensch im Tor und keine Maschine.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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