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München und Hamburg - Der vierte Mann in dieser Saison soll es richten: Bruno Labbadia übernimmt beim HSV - und schenkt den Urlaub ab. Er ist die letzte Patrone von Dietmar Beiersdorfer.

Bruno Labbadia galt schon immer als eloquent, wortgewand.

Vom Auftreten her stach er schon so manchen (Trainer-)Kollegen aus. Und so fiel es dem 49-Jährigen auch nicht sonderlich schwer, die Übernahme des Jobs beim HSV – im Grunde ein Himmelfahrtskommando – als eine Art Heldentat zu verkaufen.

Seinen Urlaub habe er extra abgesagt, sagte er. Ohne dass er danach gefragt wurde.

Seine Frau müsse nun alleine fliegen. Ohne Nachfrage. Er habe sie vor die Entscheidung gestellt: Mallorca oder HSV – sie jedoch nicht ausreden lassen. Auch danach, richtig, wurde er nicht gefragt.

"Das Leben ist zu kurz"

Dass er "richtig Bock" auf den HSV habe und sich von der Horrorbilanz der Hansestädter – er ist in dieser Saison bereits der vierte Trainer – nicht zurückschrecken ließe, wurde eindrucksvoll klar: "Das Leben ist zu kurz, dass man immer nur überlegt. Man muss manchmal auch Dinge tun, die sehr, sehr schwierig sind."

Nachdem sich Mirko Slomka, Joe Zinnbauer und Peter Knäbel, nun wieder Direktor Profifußball, bereits als Trainer versucht haben, übernimmt also der Mann das Tabellenschlusslicht, der bereits 2009/2010 die Raute auf der Trainingsjacke trug.

Damals wurde er als Tabellen-Siebter entlassen. Gute, alte Zeiten. Nun unterschrieb er für 15 Monate. Der Vertrag gilt auch für Liga zwei.

Um halb vier nachts fand das finale Gespräch zwischen Labbadia und den Verantwortlichen des HSV statt. Rund sieben Stunden später stand der 49-Jährige das erste Mal auf dem Trainingsplatz.

Trainingslager an der Wümme

Wiederum rund zwei Stunden verkündete er, dass er ein Kurztrainingslager anberaumt habe. Drei Stunden später brach der HSV-Tross bereits nach Rotenburg an der Wümme auf.

"Ich muss jeden Millimeter ummähen, deshalb brauchen wir viel Zeit miteinander", erklärte Labbadia. Am Freitag kehren sie zurück, am Sonntag soll der erste Sieg im Derby gegen Werder Bremen folgen.

Was Labbadia genau plant? Auf wen er baut? Keine Antwort. "Ich werde jetzt keine Scheißhausparolen ausgeben. Die Spieler müssen nun jeden Tag für den HSV investieren. Wir haben nur die Möglichkeit, uns selbst zu helfen." 

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Dieses Gespann soll es also richten: Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer, Trainer Bruno Labbadia und Direktor Profifußball Peter Knäbel © Getty Images

Beiersdorfer ohne Selbstkritik

Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer, der vor der Saison zum HSV zurückkehrte, äußerte sich ähnlich.

Nun gut, was soll er anderes sagen als: "Bruno ist der Prototyp, der die richtige Einstellung verkörpert." Oder: "Er konnte noch nie verlieren. Gerade jetzt ist es wichtig, solche Kerle auf dem Platz zu haben. Das wollen wir auch von unseren Spielern sehen." 

Wer jedoch nur einen Hauch Selbstkritik von Beiersdorfer erwartete, der sah sich getäuscht.

Ob er auf Grund des Trainer-Verheizens an Glaubwürdigkeit eingebüßt habe? "Ich glaube nicht", antwortete er mehr stammelnd als flüssig.

Knäbel mit Rolle rückwärts

Auch die Aussage, dass er der Meinung sei, dass das Trainerteam um Peter Knäbel zuletzt einen guten Job gemacht habe, klang ein wenig grotesk.

Denn fest steht: Der Plan, mit Knäbel irgendwie die Klasse zu halten und in der kommenden Saison mit Thomas Tuchel anzugreifen, ist gescheitert.

Auch wenn Beiersdorfer das so nicht eigestehen wollte. Dafür sagte er: "Wir sind dann zu dem Konsens gekommen, noch mal ein Zeichen von außen zu setzen. Es ist schwierig, die Mannschaft von innen heraus zu motivieren, sodass es zu Eruptionen kommt."

Schnuppern in anderen Ländern

So ist Bruno Labbadia seine endgültig letzte Patrone, um den Klassenverbleib zu sichern. Der Coach habe die Zeit seit seinem letzten Engagement beim VfB Stuttgart genutzt, um "über den Tellerrand hinaus zu schauen".

Er ist in vier verschiedenen Ländern gewesen, um die Strukturen dort kennenzulernen.

Was allerdings auch Labbadia wissen wird: Die Uhr tickt beim HSV auf ganz eigene Weise.

Franz Beckenbauer sieht es eh nur noch mit Galgenhumor: "Bruno Labbadia wird diesen Stolperfußball nicht ändern können. Die Fehler, die beim HSV auf dem Platz gemacht werden, sind unglaublich. Darüber muss man schon fast schmunzeln."

Bayerns Ehrenpräsident ergänzte bei Sky: "Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum sich beim HSV etwas ändern sollte. Das Einzige, was du jetzt brauchst, ist Glück."

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