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Einfach ist die Grammatik der blühenden Dinge nicht, jedes Detail hat eine eigene Bedeutung © Getty Images

Jürgen Klopp hat einen Blumengruß des FC Bayern abgelehnt, als Versuch sich weichkochen zu lassen. Er hat da womöglich etwas fundamental missverstanden.

Es ehrt die Hoffmanns-Erzählungen-Redaktion, dass die Kolumne der vergangenen Woche bei den Verantwortlichen von Borussia Dortmund und dem FC Bayern München so gut angekommen ist.

Explizit gesagt, das sei hinzugefügt, haben sie das zwar nicht. Es musste letztlich aber auch gar nicht sein: Durch ihr Handeln haben sie deutlich genug gemacht, dass ihnen die Abhandlung über Pep Guardiolas zerrissene Hose gefallen hat, der Udo-Jürgens-Bezug darin im Speziellen. Und dass sie sich mehr Kolumnen mit Udo-Jürgens-Bezug wünschen.

Die Sache mit den Blumen, Sie haben's mitbekommen, sie ließe sich ja auch wieder hübsch mit einem berühmten Liedtext des Meisters in Verbindung bringen. Wir haben uns, weil es dann doch allzu nahe liegt, nach langen und für alle Seiten einträglichen Diskussionen allerdings trotzdem dagegen entschieden.

Wir wollen an dieser Stelle vielmehr bedauern, dass es letztlich nicht zur Blumen-Überreichung des FC Bayern an Jürgen Klopp gekommen ist. Sie wäre nämlich hochspannend gewesen.

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Wollte sich nicht mit Blumen weichkochen lassen: Jürgen Klopp © Getty Images

Das Schenken von Blumen ist, muss man dazu wissen, eine komplexere Angelegenheit, als viele denken.

Im viktorianischen Europa, so ist in den einschlägigen Lexika zu lernen, waren Blumen wichtigstes nonverbales Kommunikationsmittel unter jungen Liebenden - noch weit vor Selfies, Emojis und Instagram-Posts.

Ein Mittel, das umso bedeutsamer war, da es für junge Liebende im viktorianischen Europa im Allgemeinen eher ein Problem war, ihre Gefühle zu kommunizieren.

Was einerseits kein Wunder war - WhatsApp, Facebook Messenger und die vielen Online-Dating-Dienste waren noch nicht sehr verbreitet. Andererseits war es aber eben ein Zustand, der nach nonverbalen Lösungen schrie.

Wollte sich damals alle elf Minuten ein junger Liebender verlieben: Er brauchte die Sprache der Blumen.

Einfach ist die Grammatik der blühenden Dinge dabei nicht, jedes Detail hat eine eigene Bedeutung: ihre Farbe, ihre Anzahl, ihr Alter, ihr Krautbeiwerk, ihre Schleifen, der Neigungswinkel ihrer Blüten, ihre Platzierung (über dem Herzen: Zuneigung - im Haar: Ablehnung). Die Art der Blumen natürlich vor allem.

Dass rote Rosen "Ich liebe dich über alles" heißen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber auch alle anderen Artgenossinnen haben ihre Aussage. Mit Enzian etwa will man sagen "Deine Schönheit ist überwältigend", mit Amaryllis "Ich bin stolz, mit dir befreundet zu sein" mit Vergissmeinnicht so viel wie: "Vergiss mich nicht".

Und es ist auch nicht so, als ob man mit Blumen immer etwas Nettes sagen wollte. Die Botanik bietet auch allerhand Möglichkeiten, Kritik am Empfänger zu üben. Akelei zum Beispiel vermittelt die Aussage "Du bist ein Schwächling", Hortensien monieren "Du bildest dir zu viel auf dich ein", gelbe Nelken ätzen "Ich verachte dich".

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Die Botanik bietet auch allerhand Möglichkeiten, Kritik am Empfänger zu üben © Getty Images

Und das ausgerechnet Gladiolen, die Lieblingsblumen Louis van Gaals "Sei nicht so stolz" bedeuten, zeigen einmal mehr, dass man die Ironiefähigkeit des früheren Bayern-Trainers nie hätte unterschätzen dürfen.

Wie dem auch sei: Klopp hat die Bayern womöglich fundamental missverstanden, als er ihre Blumengeste dankend ablehnte mit der Begründung, man sei auf Krawall gebürstet und wolle sich nicht mit Blumen weichkochen lassen.

Ein schön sprießender Strauß Akelei, Hortensien, gelber Nelken und Gladiolen im Haar von Karl-Heinz Rummenigge hätte stattdessen sogar für ein großes Mehr an Krawalligkeit sorgen können.

Wie gesagt: Schade, dass es nicht so gekommen ist. Zumal auch hochspannend gewesen wäre, wie Klopp auf so einen Blumengruß reagiert hätte.

Die souveränste Antwort wäre natürlich gewesen, Jürgen Klopp hätte sich ans Piano gesetzt und... halt, Moment, wir wollten ja nicht.

Ach, egal.

Die souveränste Antwort wäre natürlich gewesen, Jürgen Klopp hätte sich ans Piano gesetzt und gesungen:

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