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Das rettende Ufer rückt für den VfB Stuttgart wieder in weite Ferne. Der couragierte Auftritt in Wolfsburg gibt den Verantwortlichen dennoch Hoffnung auf ein Happy End.

Mit den Händen in den Taschen und dem ein oder anderen Lächeln auf den Lippen war Huub Stevens um Gelassenheit bemüht. Doch die Fakten konnte und wollte auch der Trainer des VfB Stuttgart nicht verdrehen.

"Mit jedem Spiel, in dem du nicht punktest, wird es enger und enger", sagte Stevens, nachdem das Bundesliga-Schlusslicht beim 1:3 (1:1) beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg eine durchaus mögliche Überraschung verpasst hatte.

Da die Konkurrenten aus Freiburg und Hannover im Abstiegskampf punkteten, hat sich die Lage der Stuttgarter nochmals zugespitzt. Fünf Punkte ist das rettende Ufer für die Schwaben nun schon entfernt, doch für Stevens war der couragierte Auftritt in Wolfsburg kein Rückschlag: "Die Jungs waren gut eingestellt, sie leben. Sonst hätten sie so einen Fußball wie in der ersten Halbzeit nicht spielen können."

Premierentor für Schürrle

In der Tat war der VfB dem kommenden Champions-League-Teilnehmer lange Zeit mindestens ebenbürtig; Martin Harnik (44.) traf zum zwischenzeitlichen 1:1. Doch am Ende machte die Klasse im VfL-Kader den Unterschied: Mit dem eingewechselten Weltmeister Andre Schürrle, der sein erstes Tor im VfL-Trikot zum 3:1-Endstand (76.) erzielte, kam die Wende.

Stuttgart blieb nach der erwarteten Niederlage nur die Hoffnung auf das Restprogramm mit Spielen gegen die direkten Konkurrenten Hamburg, Freiburg und Paderborn.

"Wir müssen unsere Heimspiele gewinnen, dann machen wir die Big Points", sagte Sportdirektor Robin Dutt fast schon trotzig: "Jetzt spielen wir zu Hause gegen Bremen, ich denke, da werden wir unseren Dreier machen."

Hecking kündigt Standpauke an

Für den Ex-Trainer der Bremer sei das "kein normales Spiel", aber die heikle Situation in Stuttgart erlaube keine sentimentalen Gedanken, so Dutt.

Wo die Wolfsburger Spieler mit ihren Gedanken während der schwachen ersten Halbzeit waren, darüber rätselte Dieter Hecking. Der VfL-Trainer war nach dem 19. Heimspiel ohne Niederlage in Serie geladen.

"Es wird ein paar deutliche Worte geben", kündigte Hecking eine Standpauke vor dem Pokal-Viertelfinale gegen den SC Freiburg am Dienstag (19.00 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) an: "Wenn wir uns einlullen lassen von den Geschichten, was wir alles schon erreicht haben, dann geht es so aus wie in der ersten Hälfte."

Doppelpack von Rodriguez

Heckings Laune hellten lediglich Doppeltorschütze Ricardo Rodriguez (42., Foulelfmeter und 65.) und Tor-Debütant Andre Schürrle auf. "Andre hat einen Riesenrucksack mitgeschleppt", sagte der VfL-Coach: "Er fiebert draußen mit, scharrt mit den Hufen. Jetzt hat er sich für seinen Rieseneinsatz belohnt."

(Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker)

Schürrle, der in der Winterpause für geschätzte 32 Millionen Euro vom FC Chelsea gekommen und nach schwachen Spielen zuletzt aus der Startelf geflogen war, schien von einer großen Last befreit. "Das hat schon an mir genagt", sagte der Offensivspieler: "Deswegen ist das jetzt ein besonderer Moment für mich."

Nach seinem erlösenden ersten Tor rutschte der WM-Held auf Knien zur Seitenlinie und malte für Freundin Montana mit den Fingern ein Herz nach. Auch Schürrles Eltern saßen auf der Tribüne. Nach dem Schlusspfiff feierten ihn die Fans mit Sprechchören. Der Anfang in Wolfsburg ist gemacht.

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