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Hamburger SV v SC Freiburg - Bundesliga
Pierre-Michel Lasogga erzielte in dieser Saison in 25 Spielen vier Treffer © Getty Images

Noch sechs Klubs zittern im Tabellenkeller. SPORT1 beleuchtet die Folgen des Abstiegs für jeden einzelnen. Für den Hamburger SV wären sie wohl am härtesten.

Der eine oder andere Verantwortliche beim Hamburger SV dürfte mittlerweile den Tag verflucht haben, an dem die Stadionuhr installiert wurde.

Diese Uhr zählt die Zeit, seit die Bundesliga vor mittlerweile fast 52 Jahren gegründet wurde. Und der HSV war an jedem einzelnen Tag dabei.

In den letzten Jahren wurde die Uhr allerdings eher zu einer Bürde. Zu einem Symbol dafür, dass die Zeit des letzten verbliebenen Gründungsmitglieds der Bundesliga bald abgelaufen sein könnte.

Keine Frage, die großen Zeiten des HSV liegen lange zurück. Dreimal wurden die Hamburger in der Bundesliga Meister und gewannen 1983 den Landesmeisterpokal.

Sogar einen eigenen Song hat der HSV, den Stadionsprecher Lotto King Karl vor jedem Spiel mit den Fans singt. Dieser scheint vor allem von den Glanzzeiten inspiriert.

"Wenn du aus München kommst, ziehn wir dir die Lederhosen aus", heißt es unter anderem in "Hamburg, meine Perle".

Der Rekordmeister ist allerdings schon lange nicht mehr der Maßstab des HSV, was Lotto King Karl auch völlig klar ist.

Live Earth Hamburg - Show
HSV-Stadionsprecher Lotto King Karl würde auch vor 20.000 Zuschauern spielen © Getty Images

Lotto King Karl würde mit in Zweite Liga gehen

Die Hamburger Kultfigur hat sich längst auf härtere Zeiten eingestellt.

"Vor 20.000 gegen Sandhausen singen? Es wäre bizarr, wenn ich sagen würde, vor 20.000 spiele ich nicht", sagte er im Gespräch mit SPORT1: "Dann können wir die Alster leerpumpen und auf Grund spielen. Wenn es so ist, dann ist es so."

Die Fans der Hamburger träumen von besseren Zeiten, halten ihrem HSV aber auch in schweren Zeiten die Treue.

"Mir geht's um den HSV, nicht um die Liga", erklärte Lotto King Karl und spricht damit wohl vielen Fans aus der Seele.

Der Unterstützung seiner Fans könnte sich der HSV also auch in der Zweiten Liga sicher sein. Ansonsten ist aber vieles vage beim "Bundesliga-Dino", der am Samstagabend schon keiner mehr sein könnte.

SPORT1 beleuchtet die drohenden Folgen eines Abstiegs.

Die Finanzen:

"Ein Abstieg wäre nicht heilsam. Eine Rettung ist immer besser und preiswerter", sagte Uwe Seeler, der wie kein anderer für die guten Zeiten des HSV steht.

"Ich glaube nicht, dass sich der Verein schnell von einem Abstieg erholen würde", glaubt die 78 Jahre alte Vereinslegende.

In der Tat drohen tiefe finanzielle Einschnitte. Der Gesamtetat würde laut Bild von 120 auf 75 Millionen Euro, der Gehaltsetat der Spieler von 50 auf 28 Millionen gekürzt.

Rund 13 Millionen Euro würden die Hamburger alleine weniger an Fernsehgeldern einnehmen, auch die Einnahmen aus dem Sponsoring von rund 25 Millionen Euro würden sich wohl nahezu halbieren.

Die DFL hatte den Klub bei der Lizenzvergabe im April bereits aufgefordert, seine Finanzplanung im Abstiegsfall nachzubessern.

Inwiefern ein Geldgeber wie Klaus-Michael Kühne den Klub auch in der Zweiten Liga unterstützen würde, bleibt abzuwarten.

Der Kader:

Die finanziellen Einschnitte würden sich natürlich direkt auf den Kader auswirken. Ein Spieler wie Pierre-Michel Lasogga wäre wohl kaum zu halten.

Rafael van der Vaart verlässt den Verein ohnehin, ob Spieler wie Valon Behrami, Johan Djourou, Rene Adler oder Ivica Olic mit in die Zweite Liga gehen würde, ist mehr als fraglich.

Ohnehin braucht man wohl andere Spielertypen, um in der Zweiten Liga erfolgreich zu spielen. Im Abstiegsfall wäre ein kompletter personeller Umbruch also praktisch unvermeidbar.

Die Verantwortlichen:

Bruno Labbadia ist erst etwas länger als einen Monat im Amt. Der Trainer hat einen Vertrag für die Zweite Liga.

Aufgrund seiner Erfahrung im Unterhaus dürfte er auch der richtige Trainer für diese Aufgabe sein.

Auch der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer soll eigentlich im Amt bleiben. Medienberichten zufolge sind nun aber die ersten Mitglieder des Aufsichtsrats von Beiersdorfer abgerückt.

Zumindest vor dem Endspiel gegen Schalke (Sa., ab 15 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) erhält Beiersdorfer also keine Zusage für die neue Saison. Der Verbleib des HSV-Bosses ist offen - auch wenn es so aussieht, dass er weitermachen darf.

© SPORT1

(Alle Wettprognosen von Betegy im Überblick)

Die Konstante:

Das Glück. Trainer und Spieler wechselten in den letzten Jahren fast schon inflationär, aber irgendwie rettete sich der HSV trotz Fehlplanungen und schwachen sportlichen Auftritten immer wieder.

(Rechnen Sie das Abstiegsfinale durch - im SPORT1-Tabellenrechner)

SpVgg Greuther Fuerth v Hamburger SV - Bundesliga Playoff Second Leg
Im vergangenen Jahr rettete sich der HSV in der Relegation gegen Fürth © Getty Images

Im vergangenen Jahr reichten magere 27 Punkte zur Relegation, dort setzte sich der HSV mit zwei Unentschieden dank eines Auswärtstors von Lasogga durch. Viel knapper geht es nun wirklich nicht.

Diesmal hat der Spielplan dem HSV ausgerechnet ein Heimspiel gegen Schalke am letzten Spieltag  beschert. Die Mannschaft von Roberto Di Matteo steckt in einer Krise, für Schalke geht es um nichts mehr.

Die anderen Abstiegskandidaten haben wahrlich unangenehmere Aufgaben zu bewältigen.

Fazit:

Von allen Abstiegskandidaten ist der HSV wohl der, den das Abrutschen in die Zweite Liga am härtesten treffen würde. Weder finanziell noch personell scheinen die Hamburger so aufgestellt, dass eine direkt Rückkehr in die Bundesliga ohne weiteres zu bewältigen wäre.

Doch noch tickt die symbolträchtige Uhr im Hamburger Stadion. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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