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Stuttgart - Schlusslicht VfB meldet sich gegen Mainz beeindruckend zurück und schwört sich auf zwei Endspiele ein. Matchwinner Didavi ist nach langer Leidenszeit erleichtert.

Matchwinner Daniel Didavi und seine Kollegen wollten sich gerade vor der Cannstatter Kurve von ihren Fans feiern lassen, als Huub Stevens die kleine Party im Keim erstickte.

Der Trainer des VfB Stuttgart rief seine Profis entgegen seinen Gepflogenheiten nach dem so wichtigen 2:0 (0:0) gegen den FSV Mainz 05 zusammen und schwor sie im Kreis auf die nächsten "Endspiele" im Kampf um den Klassenerhalt ein.

"Wir haben drei Punkte, aber wir stehen noch immer unten", fasste er später seine kurze, emotionale Ansprache zusammen.

Stuttgart fällt Last von den Schultern

In der Tat: Auch nach 32 Spieltagen ist der VfB als Tabellenletzter, noch immer droht der zweite Abstieg nach 1975. "Wir haben noch nichts erreicht", wiederholte sich Stevens.

Doch weil sich Stuttgart gegen die erschreckend teilnahmslosen Mainzer endlich für die seit Wochen guten Leistungen belohnte, fiel Spielern, Verantwortlichen und Anhängern eine Zentnerlast von den Schultern. (Tabelle der Bundesliga)

Beim Schlusspfiff ging ein Aufschrei durch die mit 54.300 Zuschauern besetzte Arena, Kapitän Christian Gentner streckte dankbar beide Zeigefinger gen Himmel, und die Fans sangen: "Nie mehr, 2. Liga!"

Ausgerechnet Didavi nährt die Hoffnung

Dass es soweit kam, hatte der VfB vor allem einem Spieler zu verdanken, den viele schon abgeschrieben hatten - Daniel Didavi. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker

Der frühere Nürnberger hatte nach schweren Verletzungen und andauernden Problemen mit dem Knie zuvor nur 33 Minuten im Jahr 2015 auf dem Platz gestanden.

Gegen Mainz aber lief fast jede gelungene Aktion über den 25 Jahre alten Schwaben. Zunächst hatte er Pech mit einem Pfostenschuss (35.), doch dann traf er - mit gütiger Unterstützung des ehemaligen Stuttgarter Jugendtorwarts Loris Karius ("Scheiße, mein Fehler") - zum erlösenden 1:0 (66.). (Statistiken zum Spiel)

Erlösung nach langer Leidenszeit

"Für diesen Moment hat sich jede Minute in der Reha gelohnt", sagte Didavi strahlend.

Er habe eine "sehr schwere Zeit" hinter sich. Es habe sogar die Gefahr bestanden, "in einen Teufelskreis" zu geraten, fügte er an und verwies auf Holger Badstuber.

Didavi hatte Angst, wie der Bayern-Profi immer wieder Rückschläge erleiden zu müssen, und nahm sich deshalb viel Zeit. Jetzt freue er sich einfach, "dass ich wieder spielen kann."

Endspiele gegen Hamburg und Paderborn

Nachdem der Held des Abends von stehenden Ovationen begleitet ausgewechselt worden war, ließ der seit Wochen starke Filip Kostic das entscheidende 2:0 (78.) folgen.

"Das war ein Pflichtsieg", betonte aber auch Didavi ganz auf der Stevens-Linie, "wir müssen jetzt weitermachen."

Und zwar am kommenden Samstag gegen den Hamburger SV mit dem ehemaligen VfB-Coach Bruno Labbadia und danach beim SC Paderborn. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Dutt sieht Stuttgart im Vorteil

"Das wird sehr intensiv, es wird zur Sache gehen", prophezeite Sportvorstand Robin Dutt für das Duell mit dem HSV.

Doch der VfB sei im Vorteil: "Wir sind diesen Nervenkitzel gewohnt. Wir haben noch nichts erreicht, das stimmt. Aber dieser Sieg gibt eine ganze Menge Vertrauen."

Auch wenn's noch nicht für eine echte Party reichte. 

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