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Die Königsblauen greifen nach dem desolaten Auftritt gegen Köln hart durch und setzten Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam vor die Tür. Auch Marco Höger wird bestraft.

Der FC Schalke 04 hat einen Tag nach der 0:2-Pleite beim 1. FC Köln die angekündigten Konsequenzen gezogen.

Die Königsblauen stellten am Montag Topverdiener Kevin-Prince Boateng sowie Nationalspieler Sidney Sam frei und suspendierten außerdem Marco Höger bis einschließlich Samstag vom Trainings- und Spielbetrieb.

Schalke muss nach nur zwei Erfolgen aus den vergangenenen zwölf Spielen auf Platz sechs vor den beiden letzten Begegnungen der Saison um die Teilnahme an der Europa League zittern, nachdem die Knappen die angestrebte Champions-League-Teilnahme für die kommende Saison bereits verspielt haben.

Für Boateng und Sam werde es kein Zurück mehr geben, sagt Manager Horst Heldt. Im Fall von Höger habe man nach einem Gespräch "Zweifel an der Loyalität gegenüber dem Verein" gehabt: "Er bekommt jetzt die Chance, eine Woche darüber nachzudenken. Dann wollen wir mit ihm erörtern, ob es Sinn macht, über die Saison hinaus zusammenzuarbeiten."

Harte Heldt-Kritik an Sams Einstellung

Besonders deutlich wurde Heldt im Falle des erst zu Saisonbeginn aus Leverkusen verpflichteten Sam. "Er ist nicht so, dass er uns von seiner Körpersprache hilft, dass er eine positive Aura hat. Er beschäftigt sich nur mit sich selbst. Er sprüht nicht vor positiver Energie. Das können wir in den letzten 14 Tagen nicht gebrauchen."

Das Problem, wie es mit dem Nationalspieler weitergehe, "müssen wir lösen. Hier geht es nicht weiter. Sidney hat in Leverkusen sehr,
sehr gut gespielt, das hat hier nicht funktioniert".

Weitere Konsequenzen schloss Heldt nicht aus. "Das war die erste Maßnahme", sagte er mahnend: "Wir werden diese Woche genau
beobachten, wie die Reaktion der anderen ist. Ich gehe mal davon aus, dass sie jetzt gemerkt haben, dass es ans Eingemachte geht,
und dass es auch jeden treffen kann", erklärte Heldt.  

Große Namen statt Bauernopfer

Nach stundenlangen Verhandlungen auf der Geschäftsstelle hatte sich die Klubführung am Montag zu den harten Konsequenzen für Boateng, Sam und Höger entschlossen.

Damit wählten die Königsblauen nicht die erwarteten "Bauernopfer", sondern durchaus prominente Profis und setzten ein eindeutiges Zeichen vor den letzten beiden Saisonspielen, in denen zumindest das Minimalziel Europa-League-Teilnahme gerettet werden soll.

Boateng schon bei WM suspendiert

Boateng soll sich nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeiger nach seiner aufreizend lustlosen Vorstellung auf dem Weg in den Spielertunnel noch einen lautstarken Disput mit einem Fan geleistet haben.

Für den Mittelfeldspieler ist es innerhalb eines Jahres bereits die zweite Suspendierung. Bei der WM in Brasilien wurde der Mittelfeldspieler nach einer Auseinandersetzung mit dem Trainer bereits vor dem abschließenden Vorrundenspiel gegen Portugal aus der Mannschaft geworfen.

Heldt macht Drohung war

Heldt hatte die Konsequenzen schon eine Stunde nach dem Abpfiff in Köln angekündigt. Kapitän Benedikt Höwedes war ebenfalls schon kurz nach dem Schlusspfiff meilenweit von seinen Kollegen abgerückt war.

"Das war peinlich, einer Schalker Mannschaft nicht würdig", schimpfte er: "Die taktische Disziplin einiger war eines Profis nicht würdig. Wenn die Marschrichtung nicht befolgt wird und jeder sein eigenes Ding macht, kann man kein Spiel gewinnen."

Harsche Kritik von Neururer

Auch SPORT1-Experte Peter Neururer hatte Boateng im Mobilat Doppelpack bei SPORT1 am Sonntag scharf kritisiert

"Ein Spieler wie Boateng ist nicht würdig, dieses Trikot zu tragen, wenn man ihn heute sieht. Die Mentalität, die man braucht, um erfolgreich zu sein, fehlt", sagte er.

Die Ex-Schalker Klaus Fischer und Olaf Thon kritisierten die Mannschaft ebenfalls harsch. "Bei Schalke fehlte alles, das ist im Moment keine Mannschaft", sagte der 1990er-Weltmeister Thon, von 1980 bis 1988 sowie 1994 bis 2002 Schalker Spieler.

Und Fischer, der von 1970 bis 1981 für die Königsblauen auf Torejagd gegangen war, monierte: "Das ist ja erschreckend, was sich einige Herren da vorstellen. Die verdienen unheimlich viel Geld, da muss man sich ohne Ende den Arsch aufreißen. Und die liefern jede Woche solche Spiele ab - da werde ich wahnsinnig."

Was passiert mit Heldt?

Eng könnte es auch für Manager Horst Held werden.

"Es liegt nicht immer am Trainer. Letztendlich gibt es keine Linie bei Schalke", sagte Neururer bei SPORT1. "Wer hat die Mannschaft so zusammen gestellt, wie sie jetzt ist? Das ist Horst Heldt. Er hat nicht nur die Spieler verpflichtet, sondern auch die Trainer. Die Trainer werden immer beurlaubt, aber das Problem ist geblieben. Da muss man die Mentalitätsfrage stellen."

Heldt selbst beantwortete nach dem Köln-Spiel Fragen zu seiner Zukunft und der des immer stärker in die Kritik geratenen Trainers beantwortete er ausweichend.

"Sowohl der Trainer als auch ich stehen in der Verantwortung", gab er zu: "Aber wir werden alles nach der Saison besprechen." 

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