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Kevin-Prince Boateng wechselte im Sommer 2013 aus Mailand nach Schalke © Getty Images

München und Gelsenkirchen - Die Zukunft von Kevin-Prince Boateng ist weiter unklar. Noch hat sich kein Interessent für den üppig bezahlten Aussortierten gefunden, aber Schalke will zur Not hart bleiben.

Es gibt so Menschen, deren Stimme auch dann im eigenen Kopf mitschwingt, wenn man nur ihre Zitate liest. Angela Merkel ist so jemand. Oliver Kahn, logisch. Und Clemens Tönnies.

Und so verkündete der Boss des FC Schalke 04 im September 2013 im bekannt wurstgeschwängerten Westfälisch: "Kevin-Prince (Boateng) hat von Anfang an eine hohe Identifikation mit Schalke gezeigt. Dies hat er nun auch mit dem Erwerb einer Loge dokumentiert."

Jawoll, eine Loge. Eine fünfstellige Summe habe Boateng hingeblättert, spekulierte die Sportbild seinerzeit. Zum Zeitpunkt des Kaufs hatte der Mittelfeldspieler also mehr Logen als Tore auf Schalke. Das ist zumindest bemerkenswert.

Stareinkauf vom AC Mailand

Boateng war wenige Wochen vorher überraschend als Stareinkauf vom AC Mailand gekommen. Schalke zog am Ende der Saison in die Champions League ein, unter Trainer Jens Keller. Heute, 22 Monate, einige Logenbesuche und Trainer später, könnte diese Investition endlich ihrer Bestimmung folgen.

"Logen – großes Entertainment ganz privat erleben", so wirbt die Schalker Homepage für die 32 Quadratmeter großen Räumlichkeiten. Denn Boateng, damals eigentlich für das Entertainment auf dem Rasen verpflichtet, wird nicht mehr für Schalke auflaufen.

Dumm aus Schalker Sicht ist nur, dass Boatengs Jahresgehalt in Höhe von rund acht Millionen Euro für fast alle Logen in der Schalker Arena reichen würde und dass dieses Gehalt gemäß Vertrag noch eine weitere Saison bezahlt werden muss.

Verhandlungsposition geschwächt

Während der zweite Suspendierte, Sidney Sam (keine Loge, übrigens), mit diversen Bundesligisten in Verbindung gebracht wird, droht die Rechnung im Falle Boateng nicht aufzugehen.

Denn Heldt hatte durch die Suspendierung der vermeintlich Schuldigen für die sportliche Krise in der Rückrunde die eigene Verhandlungsposition nicht gerade gestärkt. Zwar gebe es Interessenten, doch offenbar ist niemand gewillt, eine oder eine zu hohe Ablöse für Boateng zu bezahlen.

Der 28-Jährige ist, Fitness und Motivation vorausgesetzt, nach wie vor ein überragender Fußballer. Leider war er in den vergangenen Jahren selten fit und motiviert gleichzeitig, glaubt man den Schalker Verantwortlichen.

Ein Zurück gibt es für den Spieler nicht mehr. Der neue Trainer Andre Breitenreiter hatte gleich bei seinem Antritt klargestellt, an den Suspendierungen für Boateng und Sam nicht rütteln zu wollen. Heldt wiederum braucht Geld für Verstärkungen und muss ohne die eingeplanten Millionen aus der Champions League eher schwäbisch als westfälisch planen.

Schalke spielt auf Zeit

Einige lokale Medien spekulieren daher schon offen, dass Schalke seinen einstigen Liebling zur Not "auf der Tribüne versauern" lasse.

Dazu wird es nicht kommen. Schalke spielt auf Zeit, die große Hektik auf dem Transfermarkt ist noch nicht ausgebrochen. Vielleicht präsentiert ja auch der Spieler selbst einen neuen Verein.

Einen ruhigen Ort für Verhandlungen hat er ja. Oder, wie die Schalker Marketingexperten schreiben: "Ihre Loge steht Ihnen selbstverständlich auch unter der Woche als ungewöhnliche Meeting-Location zur Verfügung."

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