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Huub Stevens gewann mit Schalke 04 1997 den UEFA-Cup
Huub Stevens gewann mit Schalke 04 1997 den UEFA-Cup © Getty Images

Der Jahrhunderttrainer soll dem Aufsichtsrat der Königsblauen zu mehr sportlicher Kompetenz verhelfen. Auch zwei ehemalige Stars werden in das Gremium eingebunden.

Nach einer verkorksten Saison hat Schalke 04 am Sonntag auf einer emotionalen Jahreshauptversammlung überraschend die Rückkehr dreier Klubidole verkündet.

Jahrhunderttrainer Huub Stevens, UEFA-Cup-Sieger Mike Büskens und Ex-Torjäger Ebbe Sand sollen künftig den Aufsichtsrat der Königsblauen als sportlicher Beirat unterstützen.

"Wir haben verstanden", sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies am Nachmittag in der Veltins-Arena. "Wir haben grottenschlechten Fußball gespielt, den falschen Trainer verpflichtet. Wir haben Fehler gemacht - auch ich."

Neben dem 59-Jährigen hatte im Vorfeld vor allem Sportvorstand Horst Heldt in der Kritik gestanden. Der ehemalige Profi wurde dementsprechend mit Pfiffen und Buhrufen empfangen.

"Das war eine beschissene Saison"

Auch Heldt zeigte sich nach einer enttäuschenden Rückrunde und dem Aufstand der Anhänger zum Saisonende selbstkritisch: "Das war eine beschissene Saison. Am meisten schmerzt die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben. Dafür trage ich die Verantwortung."

Forderungen nach seinem Rücktritt, wie zuletzt von Peter Neururer erhoben, wies er dennoch entschieden zurück: "Verantwortung bedeutet kämpfen, nicht aufgeben."

Mit der Verpflichtung von Trainer Andre Breitenreiter traf der umstrittene Manager ebenso den Nerv der Fans wie mit dem Versprechen, noch mehr Talente aus dem eigenen Nachwuchs einzusetzen.

Heldt kündigte außerdem einen "Verhaltenskodex auf 15 Seiten" für die Profis an. Selbstironisch schloss er in Anspielung auf das Transparent "169 cm Inkompetenz" beim letzten Heimspiel gegen den SC Paderborn: "Ich verspreche 1,69 m Arbeit, 1,69 m Einsatz, 1,69 m Leidenschaft, zusammengefasst 1,69 m Schalke." 

Am Ende gab es daher sogar Applaus statt Pfiffe für den 45-Jährigen.

Umsatz wächst weiter

Finanzvorstand Peter Peters präsentierte positive Zahlen. Die Königsblauen haben 2014 ihrem Umsatz auf 215,3 Millionen Euro gesteigert und einen Ertrag von 4,2 Millionen erwirtschaftet.

Die Verbindlichkeiten sanken um 14,2 auf 163,9 Millionen. "Die wirtschaftliche Entwicklung ist mehr denn je eine Erfolgsgeschichte", betonte Peters.

Begonnen hatte die Versammlung mit Standing Ovations: Erst applaudierten die Mitglieder dem langjährigen Manager Rudi Assauer, der an Alzheimer erkrankt ist.

Dann gab es auch für Breitenreiter tosenden Beifall. Und der neue Trainer hörte gleich, wonach sich die Schalker Fans sehnen: Als die U19-Junioren für ihren Meistertitel geehrt wurden, rief Tönnies: "Hallo Profis, so wird das gemacht!"

Gegenwind für Klubführung

Doch die Einigkeit war schnell vorbei, die Klubführung bekam schon bald ersten Gegenwind zu spüren: Satzungsänderungen unter anderem über eine Erhöhung der Sonderumlage auf 150 Euro im Jahr wurden abgelehnt.

Damit hätte S04 einen zweistelligen Millionenbetrag von seinen Mitgliedern zusätzlich zu den Beiträgen kassieren könnten - "nur für ideelle Zwecke, nicht für den Profikader", wie Peters erklärte.

In den Aufsichtsrat wählten die 8781 stimmberechtigten Mitglieder Dr. Andreas Horn und Thomas Wiese. Beide hatten sich zuvor kritisch über die Vereinspolitik geäußert.

Ex-Nationalspieler Klaus Fischer wurde in den Ehrenrat gewählt.

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