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Arturo Vidal (l.) und Karl-Heinz Rummenigge
Arturo Vidal (l.) und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge lagen 2011 im Clinch. © SPORT1

München - Der FC Bayern ist heiß auf Juves Arturo Vidal. Seine Beziehung zu den Münchnern ist stark belastet, doch die Bayern-Bosse könnten über ihren Schatten springen.

Die Zitate sind eindeutig. "Solche Spieler möchte ich nicht beim FC Bayern haben", ätzte FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Und Uli Hoeneß, damals noch Bayern-Präsident, grantelte: "Da wurde ein Wort gebrochen."

Doch denjenigen, über den sie 2011 heftig schimpften, wollen die Münchner jetzt nur zu gern verpflichten: Arturo Vidal. Nach Informationen der Gazzetta dello Sport ist der Deal so gut wie fix, die Vereine haben demnach eine Einigung erzielt, Vidal soll für zirka 38 Millionen Euro nach München kommen und einen Fünfjahresvertrag erhalten. 

Haben die Bayern also alles vergessen - nach jenen mit Pauken und Trompeten geplatzten Verhandlungen? Zur Erinnerung: Vidal beteuerte im Sommer vor vier Jahren öffentlich, unbedingt nach München zu wollen. Sicherte das am Telefon auch Jupp Heynckes zu. 

Juve missfällt Vidals Lebenswandel

Stattdessen ging Vidal, Spitzname der Krieger aus den Anden, nach Turin. Schwärmte von einem "Gewinnerklub". Dabei hatte sich Juve nicht mal für die Europa League qualifiziert. Doch mit Vidal eroberten die Piemontesen den Scudetto in Serie, 2015 brauste der von FIAT-Präsident  Agnelli gesteuerte Klub sogar bis ins Champions-League-Finale.

Jetzt würden die Bianconeri Vidal nur zu gerne ziehen lassen, wie SPORT1 aus Turin erfahren hat. Der Grund: sein unsteter Lebenswandel. Real Madrids Trainer Rafael Benitez wollte Vidal unbedingt. Doch Präsident Florentino Perez legte sein Veto ein. Auch der FC Arsenal zog sein Interesse zurück.

Crashfahrt verschreckt Real und Arsenal

Ein Stoppschild für diese Klubs: seine Crashfahrt während der Copa America.

Vidal verursachte Mitte Juni in Chile angetrunken einen Autounfall, entschuldigte sich später tränenreich. Der Mittelfeldspieler selbst sprach von "zwei Drinks" und davon, "das Leben meiner Frau und das von vielen anderen Menschen riskiert" zu haben.

Kämpfertyp wie Bastian Schweinsteiger

Wenig später schnappte sich Chile auch dank Vidals unbändigem Kampfgeist die Copa America. Denn sportlich gibt es nichts an dem 28-Jährigen zu rütteln: Kaum einer opferte sich wie er für die Mannschaft, kaum einer wirft seinen Körper so in die Zweikämpfe wie er.

Den just zu Manchester United entschwundenen Kämpfertypen Bastian Schweinsteiger könnte er also ersetzen. Wie die Bayern-Fans einen solchen Transfer aufnehmen, ist die andere Frage.

Zumal ein weiterer Spieler in den spanischsprachigen Kosmos von Pep Guardiola hinzukommen würde. Die Macht des Trainers würde sicher nicht schrumpfen.

Beste Drähte zu Reschke

Die Münchner haben all diese Fakten zum Chilenen mit dem Irokesenhaarschnitt studiert wie Börsenmakler ein heißes Wertpapier. Der technische Direktor Michael Reschke hat Vidal während der Copa America beobachtet.

Er hat beste Drähte zu dessen Management, holte ihn ja 2007 - damals noch im Dienste von Bayer Leverkusen -  vom chilenischen Klub Colo-Colo nach Deutschland.

2011 boten die Bayern dann zehn Millionen Euro Ablöse für Vidal. Jetzt müssen sie deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dennoch werden die Bosse bei ihrer Kehrtwende bleiben, daran ändern auch Vidals Sünden der Vergangenheit nichts.

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