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München - Der Verkauf von Bastian Schweinsteiger zu United ist der nächste Schritt, mit dem die Bayern auf Guardiola zugehen. Eine Unterwerfung mit Risiken.

Karl-Heinz Rummenigge ist weniger optimistisch geworden, was Pep Guardiola und seinen Verbleib beim FC Bayern angeht. Zu dem Schluss kann man kommen, bei sprachlich ganz genauer Betrachtung.

"Ich denke, dass wir sehr gute Karten haben, dass er über 2016 hinaus hier Trainer bleibt": Das sagte der Vorstandschef im April. Am Donnerstag, auf das gleiche Thema angesprochen, sah Rummenigge nur noch "gute Karten".

Gut, nicht sehr gut: Das kann einen feinen Unterschied machen, man frage nach bei Mario Gomez, von Uli Hoeneß einst als "gut, aber nicht sehr gut" gescholten - und bald darauf kein Bayern-Spieler mehr.

Kann sein, dass es bei Rummenigge diesmal nur eine sprachliche Unachtsamkeit war. In jedem Fall aber ist spannend zu beobachten, wie Rummenigge und der Rest der Bayern-Führung ihre guten bis sehr guten Karten ausspielen im Pep-Poker. Sie gehen All-In, der Fall Bastian Schweinsteiger ist das neueste Beispiel.

Tür nach England offen

Schon seit Wochen fiel auf, wie die Bayern den Spekulationen um den Nationalelf-Kapitän freien Lauf ließen - ohne sie durch ein Bekenntnis zu Schweinsteiger stören. Am Donnerstag öffnete Rummenigge dem Weltmeister dann demonstrativ die Tür in Richtung England.

Nun ist der Wechsel Weggang des bald 31-Jährigen bestätigt, es geht zu Manchester United. Ein Transfer, der aus vielen Gründen Sinn ergibt. Entscheidend dürfte aus Rummenigges Sicht aber wohl sein, dass er ganz im Sinne Guardiolas sein sollte - auch wenn er das bei der PK am Samstag natürlich weit von sich wies.

Schweinsteiger nicht allererste Wahl

Guardiolas Leib-und-Magen-Spieler Thiago ist für ihn die entscheidende Größe im zentralen Mittelfeld, Schweinsteiger nur eine Option, wie Xabi Alonso, wie das neu verpflichtete Talent Joshua Kimmich.

Guardiola braucht Schweinsteiger also nicht unbedingt. Weshalb auch der FC Bayern Schweinsteiger nicht mehr unbedingt braucht - so ist die Logik, der die Bayern im Moment folgen.

Zu Beginn von Guardiolas Amtszeit überredeten Rummenigge und Ex-Präsident Uli Hoeneß den Coach noch, Mario Götze statt Neymar zu holen - Begründung: schlechte Erfahrungen mit Brasilianern.

Inzwischen versucht die Bayern-Führung, dem Coach alle Wünsche zu erfüllen. Schweinsteigers bevorstehender Abgang passt da ebenso ins Bild wie der Vier-Jahres-Vertrag, mit dem die Bayern Guardiolas Wunschakteur Douglas Costa ausstatteten. Einen Brasilianer, übrigens.

Dass der nächste Aufschrei derjenigen kommen wird, die mehr traditionelles Bayern-Gefühl statt Mia san Pep wollen? Egal.

Pep Guardiola (l.) und Karl-Heinz Rummenigge beim Meister-Dinner im Mai
Pep Guardiola (l.) und Karl-Heinz Rummenigge beim Meister-Dinner im Mai © Getty Images

Ein Pep-Bayern ohne Pep droht

Der FC Bayern "macht sich in seinen Plänen abhängig von einem Trainer wie selten zuvor", diagnostiziert die Süddeutsche Zeitung.

Es ist eine Strategie mit Risiken, denn während die Bayern ihr Blatt ausreizen, lässt Guardiola weiterhin niemanden in seine Karten blicken. Ob er für das Werben der Bayern empfänglich ist oder längst beschlossen hat, nach Vertragsende weiterzuziehen zu Manchester City oder anderswohin: Keiner weiß es.

Im dümmsten Fall baut sich der Klub gerade ein Pep-Bayern auf, das in einem Jahr ohne seinen geistigen Vater auskommen muss.

Rummenigge weiß, dass er mit diesem Fall rechnen muss. Nach eigenen Angaben bereitet er ihm aber keine Sorgen:  "Auch wenn es nicht zur Verlängerung kommen sollte, wird es weitergehen."

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