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Dortmund - BVB-Boss Hans-Joachim Watzke kündigt für die kommenden Jahre weitere Investitionen in den Kader an. Das üppige Festgeldkonto mit mehr als 50 Millionen Euro soll nicht weiter anschwellen.

Sportdirektor Michael Zorc saß in der vierten Reihe und hörte mit einem Lächeln im Gesicht zu.

Vorne auf dem Podium erläuterte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Presseraum des Signal-Iduna-Parks die künftige Strategie des börsennotierten Fußballklubs.

"Das absolute Primat der Wettbewerbsfähigkeit steht ab sofort an allererster Stelle", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA am Freitag im Wirtschaftsjargon bei der Bilanzpresskonferenz für das Geschäftsjahr 2014/2015.

"Das heißt: Alles was wir erwirtschaften, wird zwingend in das Kerngeschäft, den Fußball, gesteckt", erklärte Watzke. Damit will der BVB als Achter der aktuellen UEFA-Klubrangliste seine Position unter den Top Ten Europas auch künftig behaupten. 

"Nicht mit der Volksbank im Wettbewerb"

Bei einem Konzernumsatz von 276 Millionen Euro wurde der operative Gewinn (EBITDA) auf 55,6 Millionen Euro gesteigert. "Damit sind wir außerordentlich zufrieden", beteuerte BVB-Geschäftsführer Thomas Treß.

Schuldenfrei, ohne Kreditverbindlichkeiten, mit eigenen Finanzmitteln - der BVB steht anno 2015 auch ohne Champions-League-Teilnahme gut da. 

"Wir haben darüber hinaus noch das, was man früher in der Diktion von Uli Hoeneß Festgeldkonto nannte", sagte Watzke.

Zum 30. Juni habe Borussia Dortmund im Prinzip 54 Millionen Euro auf der Bank liegen gehabt. "Das wollen wir nicht auf 100 Millionen erhöhen. Wir wollen nicht mit der Volksbank Dortmund in einen Wettbewerb treten, wer die höheren Einlagen hat", so Watzke.

Erhöhung des Budgets

"Wenn du keine Finanzschulden mehr hast und über so ein üppiges Festgeldkonto verfügst, dann solltest du das nicht noch weiter anschwellen lassen, sondern damit deine Wettbewerbsfähigkeit stärken, was im Klartext heißt, dass wir sukzessive die nächsten Jahre das Budget erhöhen wollen", blies Watzke zum Angriff.

Schon in der vergangen Saison investierte die Borussia mehr in den Lizenzspielerbereich: 94 Millionen Euro statt 85 Millionen Euro im Jahr davor. Damit kommt der BVB der 100-Millionen-Grenze immer näher.

Gleichzeitig dämpfte Watzke allzu hochfliegende Hoffnungen. "Wir werden es mit Augenmaß machen. Michael Zorc ist da schon relativ elektrisiert, wie ich gerade sehe", sagte Watzke. 

Mehr ausgeben als einnehmen, das schloss der BVB-Chef kategorisch aus. "Nie wieder Schulden für den sportlichen Erfolg", lautet seine feste Vorgabe.

Entschuldigung nach kurzer Nacht

Das Ziel der Wachstumsstrategie: die Rückkehr in die Champions League. "Das wird bei der Konkurrenzsituation in Deutschland, wo mit Wolfsburg ein ganz starker Player hinzugekommen ist, kein leichtes Unterfangen", meinte Watzke.

Nach einer kurzen Europa-League-Nacht mit der Rückkehr im Morgengrauen aus Norwegen, hatte sich Watzke zu Beginn der Pressekonferenz vorab schon mal entschuldigt.

"Wenn ich ein wenig gereizter bin, hat das nichts mit der Sache zu tun, sondern lediglich mit zu wenig Schlaf", sagte der 59-Jährige.

Doch nicht nur die Konzernzahlen, auch die Saison-Zwischenbilanz viel trotz des nervenaufreibenden 4:3 bei Odds BK positiv aus.

"Die Mannschaft hat die Kraft besessen, bei einer wahnsinnigen Atmosphäre im Stadion das Spiel zu drehen", meinte Watzke. "Per Saldo haben wir alle fünf Pflichtspiele gewonnen", bilanzierte er den bisherigen Verlauf.

Seitenhieb Richtung England

Schlechter weg kam dagegen die Investitionsfreude der englischen Premier League.

Mit Blick auf die vermehrten Verpflichtungen ausländischer Kräfte und fehlender Investitionen in den Nachwuchs sagte Watzke: "Weltmeister wird England in den nächsten 50 Jahren sicher wieder nicht werden, und das ist keine mutige Prognose."

Auch da kam Michael Zorc um ein Lachen nicht umhin.

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