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Ciro Immobile (r.) hat Borussia Dortmunds Ex-Trainer Jürgen Klopp harsch kritisiert © Imago

Dortmund - Immobile kritisiert Klopp harsch. Auch einige BVB-Profis deuten taktische Mängel des Dortmunder Ex-Trainers an. Ein Borussen-Stürmer lässt indes nichts auf Klopp kommen.

Da rannte er wieder über den Platz, immer ein wenig gebückt in seinem manchmal stolperhaft wirkenden Laufstil.

Ciro Immobile kam im Duell um den europäischen Supercup in der 80. Minute aufs Feld. Eine Minute später servierte der italienische Stürmer im Trikot des FC Sevilla den Ball auf seinen ukrainischen Mitspieler Yevhen Konopljanka, der sein Team mit dem 4:4 in die Verlängerung rettete.

Immobile als Vorlagengeber - das kannte man aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund so zumeist nicht.

Immobiles Vorwurf: "Wenig Taktik"

Vor seinem Supercup-Auftritt hatte Immobile schon verbal vorgelegt. Gegen seinen bisherigen Arbeitgeber, für den er wohl nie wieder spielen wird – und vor allem gegen seinen Ex-Trainer Jürgen Klopp.

"Taktisch haben wir nicht viel gemacht", hatte Immobile im Interview mit der spanischen Zeitung "El Pais" kritisiert. "Wenig Taktik, wenig Fitnessraum. Alles war auf die Ausdauer ausgerichtet", stänkerte Immobile, der für drei Millionen Euro vom BVB an Sevilla ausgeliehen ist.

"Wenn diese Aussagen so gemacht worden sind, finde ich sie zum Kotzen", konterte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc gegenüber dem kicker.

Motivations-Magier statt Taktik-Guru

Die Art und Weise der Immobile-Einlassungen ist so unpassend wie stillos. In Dortmund ist der 25-Jährige damit endgültig zur Persona non grata geworden. Klopp genießt dank seiner Erfolge mit dem Traditionsklub dagegen weiterhin Kultstatus bei den BVB-Anhängern.

Dieses Denkmal "anzupinkeln", schürt nicht nur bei den Dortmunder Fans, sondern auch – siehe Zorc – bei den Funktionsträgern großen Unmut. "Das ist Nachtreten, dafür gibt es die Rote Karte", sagte der BVB-Sportdirektor.

Die Erkenntnis, dass Klopp kein Taktik-Guru, sondern ein Motivations-Magier ist, hat Immobile längst nicht für sich allein. Schon als Trainer des 1. FSV Mainz 05 (2001 – 2008) war der Schwabe nicht unumstritten.

Die Kritikpunkte an seinem Fußball-Stil: Zu eindimensional, zu einfallslos, zu berechenbar. Auch als es in der Hinserie der Saison 2014/2015 bei Dortmund nicht mehr lief, wurden diese Aspekte wieder hervorgeholt.

Klopp prägt eigenen Stil

Zwei Meisterschaften, das Double, der Einzug ins Champions-League-Finale – so schlecht kann die Kloppsche Taktik allerdings nicht gewesen sein.

Das hat auch Immobile erkannt: "Ein Champions-League-Finale erreicht man nicht aus Zufall", räumte er immerhin ein.

Das frühe Stören bei Ballbesitz des Gegners, gemeinhin auch als Pressing bezeichnet, war in der Kloppschen Ausprägung sogar als eigener Stil beschrieben worden. "Vollgasfußball" nannte Klopp die laufintensive Jagd nach dem Ball, die aber durchaus geordnet und systematisch ablief.

Lob vom DFB-Chefausbilder

"Jürgen Klopp kann alles im Fußball. Das hat er in Mainz und in Dortmund bewiesen", sagte DFB-Chefausbilder Frank Wormuth vor drei Monaten gegenüber spox.com.

"Wenn seine Spieler den Ball nicht haben, jagen sie den Ballführenden, um ihn zu Fehlern zu zwingen, um dann ihren offensiven High Speed Fußball spielen zu können", weiß der 54-Jährige.

"Das heißt aber nicht automatisch, dass er nicht Trainer von Barcelona sein und das Ballbesitzspiel lieben könnte", so der Taktikexperte Wormuth über seinen Trainerkollegen.

Reus: "Ziel ist es, variabler zu spielen"

Aber war Klopps Taktik am Ende tatsächlich nicht so berauschend wie allgemein angenommen?

In einigen jüngeren Statements der BVB-Spieler schwingt indirekt auch ungewollt leise Kritik mit, etwa wenn Marco Reus sagt: "Ziel ist es, dass wir variabler spielen."

Mit öffentlichen Aussagen hierzu halten sich die BVB-Profis verständlicherweise tunlichst zurück. Der hochbegabte Henrik Mkhitaryan war unter Klopp ein Sorgenkind, vom neuen Coach Thomas Tuchel scheint er wachgeküsst worden zu sein.

Nach seinem Hattrick gegen den Wolfsberger AC sagte der Mittelfeldspieler über den neuen Ansatz von Thomas Tuchel: "Wir versuchen unter dem neuen Trainer den Ball länger zu halten und machen es anders bei der Spieleröffnung."

Aubameyang: "Weltklasse-Trainer"

"Thomas setzt jetzt andere Schwerpunkte, das ist auch richtig so", hatte Michael Zorc kürzlich im SPORT1-Interview gesagt.

Für Pierré-Emerick Aubameyang bleibt Klopp "ein Weltklasse-Trainer", wie der BVB-Stürmer in der Sport-Bild betonte.

An dieser Meinung können auch Immobiles jüngste verbale Attacken nicht rütteln.

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