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Frankfurt am Main - Nach dem Abgang von vier Jugendspielern poltert Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer gegen die Abwerbetaktik Leipzigs und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Kommerzklubs.

Zu bemerkenswert provokanten Äußerungen hat sich im Vorfeld der Partie Eintracht Frankfurt gegen FC Augsburg (1:1) am Samstagnachmittag Eintracht-Präsident Peter Fischer im Talk vor der Waldtribüne hinreißen lassen.

Im Zuge eines Gesprächs über Nachwuchsarbeit kam alsbald das Thema zu Toptalent Nelson Mandela Mbouhom, der nach einem Jahr Wartezeit eine Spielberechtigung für die B-Junioren erhalten hat.

Fischer attackiert Leipzigs Talentsucher

Fischer kritisierte dann scharf die Vorgehensweise von Talentsuchern von RB Leipzig. Die hätten im vergangenen Jahr nach dem Endspiel um die süddeutsche Meisterschaft der C-Junioren – der aus Kamerun stammende Mandela schoss damals drei Tore zum 4:2-Sieg gegen den FC Bayern – mit "der großen Geldbörse" am Spielfeldrand gewartet.

"Nach dem Abpfiff standen die Herren aus Leipzig da. Sie wollten Mandela und weitere Spieler aus der Meistermannschaft. Das ist scheiße. Ich wehre mich gegen diesen nicht-echten Fußball."

Fischer legte, einmal in Rage, weiter nach: "Mir kann doch keiner erzählen, dass die Spieler nach Leipzig gehen, weil es dort die Luft so schön ist, es dort erstklassige italienische Pizzerien gibt oder man in deren Seen Wasserskifahren kann. Da geht es nur ums Geld." RB Leipzig sei eben "einer von diesen Dosen-und-Plastik-Vereinen".

Das gelte auch für Hoffenheim und Wolfsburg. "Wir als Eintracht Frankfurt haben da keine Chance. Das ist kein fairer Wettbewerb." Denn: "Die Burschen werden älter, die Scheine größer, die Automarken bedeutender. Und dann ist es alles nichts mehr wert, wie wir uns gekümmert haben."

"Das gleicht modernem Sklaventum"

Die Hessen haben im Winter die erst 16-jährige Zwillinge Gian-Luca und Davide Itter – zwei Junioren-Nationalspieler - an den VfL Wolfsburg verloren, dazu schloss sich Renat Dadachev tatsächlich RB Leipzig an.

Bei Dadachev nutzte RB aus, dass dieser keinen Fördervertrag besaß, weil er 14 und noch nicht 15 Jahre alt war beim Transfer. Bereits im Juni wetterte Fischer in diesem Zusammenhang in der Bild:

"Viele Talente sagen zu, weil oftmals die Familien stark von dem Geld profitieren. Unglaublich, Kinder in solch' eine Verantwortung zu stürzen. Und die Spirale geht immer weiter runter. Bald haben wir 12-Jährige, die abgeworben werden. Das gleicht modernem Sklaventum."

Frankfurt will eigene Talente überzeugen

Nach dem erst 16-jährigen Mandela haben sich mehrere Vereine erkundigt, darunter auch der FC Barcelona. Er hatte wegen einer fehlenden Aufenthaltsgenehmigung ein Jahr nicht spielen können, hat jetzt aber einen Vormund und ist wieder im Eintracht-Nachwuchs am Ball.

Umso wichtiger sei es, die eigenen Jugendspieler zu überzeugen, dass Frankfurt die bessere Wahl ist.

Mandela sei ein Juwel, "eines der besten Talente, zu dem ich eine Beziehung wie ein Papa habe", so Fischer. Mandela habe ihm vor Spielbeginn eine SMS geschrieben, weil Bruder und Schwester aus Paris zu Besuch seien.

Fischer kündigt Jungs Rückkehr an

Dass sich darauf die besser ausstaffierten Vereine stürzen, ließe sich irgendwann nicht mehr verhindern. Daher empfinde er mittlerweile abgrundtiefe Abneigung gegenüber Vereinen wie RB Leipzig, TSG Hoffenheim oder VfL Wolfsburg.

"Vereine, die außerhalb des Fußballs ihr Geld verdienen, gehören nicht in die Liga, weil es kein Wettbewerb ist." Darauf spendeten die Zuhörer – in der Mehrzahl Frankfurter Fans - vor der Haupttribüne Applaus.  

Auch zum Thema Sebastian Jung, Edelreservist beim VfL Wolfsburg und Eigengewächs von Eintracht Frankfurt, äußerte sich Fischer: "Sebastian Jung wird irgendwann wieder im Waldstadion spielen." Vorher aber hat der 59-Jährige von der Waldtribüne Giftpfeile in Richtung der Retortenklubs verschossen.

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