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Auch für Horst Heldt (r.) wird der letzte Tag des Transferfensters wohl intensiv © SPORT1 / Getty Images

München - SPORT1-Experte Fredi Bobic schreibt in seiner Kolumne über die Hektik am letzten Tag des Transferfensters. Außerdem: Die Situation der Krisenklubs Gladbach und Stuttgart.

31. August, 18 Uhr. Das ist die Deadline. Danach geht nichts mehr, haben die Manager der deutschen Fußball-Profiklubs Sendepause, stört kein Spielerberater mehr in der ausgedehnten Mittagspause... Von wegen.

Auch nach 18 Uhr wird es weiter hoch hergehen. Denn ausländische Märkte sind teils noch Stunden, teils noch Tage offen. Da wird noch kräftig weiter verhandelt. Aber das große Ganze ist dann schon gelaufen.

"Freizeitverbot. Krankheitsverbot." So habe ich mal spaßeshalber die letzten Tage der geöffneten Transferfenster umschrieben. Da kommt Hektik auf in fast jedem Klub.

Da müssen die Mannschaftsärzte und die unterschriftsberechtigten Vorstandsmitglieder rund um die Uhr erreichbar sein. In diesem Jahr ist es ja noch eine Nuance schlimmer: Durch die englische Geldschwemme, die aktuell in die Bundesliga schwappt und für die Zukunft noch vermehrt droht, versuchen sich viele Vereine schon im Hinblick auf die nächsten Transferzeiten zu wappnen.

Sehr bemerkenswert finde ich, wie Klaus Allofs mit dem plötzlich vorhandenen Geldbatzen umgeht: Mit Dante Routine für die Defensive, mit Julian Draxler ein ausgewiesenes Riesentalent, das in seinem Heimatklub Schalke zuletzt ein wenig in der Sackgasse schien, aus der ihn wohl kaum jemand besser wieder rausführen kann, als Wolfsburg-Coach Dieter Hecking.

Neben strategischen Überlegungen ist manche Last-Minute-Handlung auch der Aktualität geschuldet. Siehe VfB Stuttgart. Ein Torhüter verletzt, einer nun rot-gesperrt. Da muss gut überlegt werden, ob man das Torwartgefüge, das ja bis in die Jugend hinunter strukturiert ist, nun einfach verschiebt, oder noch einen Backup für den hochtalentierten Odisseas Vlachodimos holt – möglicherweise gar nur für ein halbes Jahr.

Max Eberl wird trotz völlig missratenem Saisonstart seine ihn auszeichnende Bierruhe weiter bewahren. Was in diesen Wochen bei Borussia Mönchengladbach auf dem Platz passiert, erinnert zwar fatal an das der anderen Borussia vor zwölf Monaten, aber er weiß um die Stärke des Kaders und seines Trainers.

Womit wir beim zweiten Null-Punkte-Klub wären. Während ich die ersten zwei Saisonspiele des VfB Stuttgart vor dem TV-Schirm ja genoss, tat es dieses Mal ein bisschen weh zuzuschauen. Ich kenne die enormen Qualitäten eines Martin Harnik, aber auch seine Leistungsschwankungen. In Topform hätte er die Frankfurter alleine aus dem Stadion geschossen.

Ruhe, die es aber in Stuttgart nie lange gibt, täte nun gut. Ein wenig mehr Ruhe auch auf dem Platz, wo die Balance zwischen begeisterndem Angriffsspiel und energischer Defensive schnellstens gefunden werden muss.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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