Video

Sinsheim und München - Lassen Schiedsrichter Pep Guardiola mehr durchgehen? Ex-Schiri Bernd Heynemann sagt nein. Fredi Bobic kann indes Hoffenheims Markus Gisdol verstehen.

Da war er wieder der Evergreen vom Promibonus des FC Bayern München und seine Angestellten. Besungen diesmal von Markus Gisdol. Nach dem 1:1 (1:0) gegen Borussia Dortmund redete sich Hoffenheims Trainer in Rage.

In der 52. Minute war er von Schiedsrichter Tobias Welz auf die Tribüne geschickt worden, nachdem er den Schiedsrichter-Assistenten Rafael Foltyn am Arm gezogen hatte. Vorangegangen war eine falsche Abseitsentscheidung Foltyns, die eine vielversprechende Hoffenheimer Chance unterband.  

"Ich weiß nicht, ob der Schiedsrichter eine Anfassphobie hat oder was mit ihm los war", lamentierte Gisdol.

"Da fasse ich ihn einmal kurz an, und dann ruft er gleich seinen Chef und sagt: 'Der hat mich angefasst, schick ihn auf die Tribüne.' Wenn Schiris so extrem reagieren, dann kann ich das nicht hinnehmen. Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen."

"Unterschiedliche Maßstäbe"

Um seiner Wutrede Nachdruck zu verleihen, packte er dann die ganz große Keule aus und wehrte sich gegen eine angebliche Ungleichbehandlung im Vergleich zu Bayerns Trainer: "Pep Guardiola darf zehnmal den Linienrichter anfassen, und da wird nicht reagiert. Das sind unterschiedliche Maßstäbe, die da angelegt werden."

Gisdol spielte damit etwa auf Guardiolas gescheiterte Knuddelattacke auf Bibiana Steinhaus, dessen Sprint bis zur Eckfahne im Spiel gegen Schalke, um dem Assistenten nach einem nicht gegebenem Tor seine Meinung zu geigen und die Umarmung des vierten Offiziellen Robert Kempter im selben Spiel an.  

Bayerns Trainer war jeweils straffrei geblieben - trotz viel intensiverer Kontaktaufnahme als sie Gisdol am Mittwoch versuchte.

Heynemann: Keine permanente Kritik von Guardiola

Zu Recht, meint der frühere FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann. "Es kommt immer auf die  Situation und auf den Charakter des Spiels an", sagt er im Gespräch mit SPORT1, "als Guardiola Bibiana Steinhaus umarmen wollte, war das nicht despektierlich gemeint. Er handelt meist aus einer souveränen Rolle heraus, übt nicht permanent Kritik an den Schiedsrichtern oder seinen Assistenten."

Tatsächlich geht Guardiola in der Regel sehr schnell wieder auf Schmusekurs zu den Schiedsrichtern, seine Wutausbrüche dauern nie sehr lang. Jedem Geschimpfe folgt in der Regel eine entschuldigende Geste - oder eine zumindest versuchte Umarmung.

Gisdol wirkte extrem überreizt und aggressiv

Am Mittwoch lag der Fall etwas anders.

Gisdol hinterfragte praktisch von der ersten Minute an so gut wie jede Entscheidung des Schiedsrichters gegen seine Mannschaft, wirkte, wohl auch der Tabellensituation geschuldet, extrem überreizt und aggressiv.

Gisdol tobte praktisch ohne Unterlass an der Seitenlinie. "Wenn der vierte Offizielle Wolfgang Stark für jeden Dialog mit Gisdol einen Euro bekommen hätte, wäre er ein reicher Mann geworden. Der Coach hätte schon viel früher aus seiner Zone verbannt werden müssen", kommentierte der Sportinformationsdienst SID nicht ganz zu Unrecht.  

Wie so oft im Leben macht also auch hier der Ton die Musik. Wer generell eher nett ist und respektvoll mit den Schiedsrichtern umgeht, dem verzeihen die Unparteiischen auch mal einen Aussetzer.

Bobic unterstützt Gisdol

Selbst Gisdol gab  zu, dass seine Mannschaft ein "extremes Coaching" benötigt hätte gegen Dortmund, gab sich aber ansonsten uneinsichtig.

Unterstützung bekam Gisdol aber vom früheren Stuttgart-Sportchef Fredi Bobic.

"Das ist ja der Wahnsinn! Markus Gisdol ist überhaupt nicht als aggressiver Typ bekannt und wird für eine solche Lappalie auf die Tribüne geschickt. Wenn dann noch ein so erfahrener Mann wie Wolfgang Stark als vierter Referee dabei steht, erwarte ich, dass er beruhigend auf die Situation einwirkt", schrieb er in seiner SPORT1-Kolumne.

"Dass Gisdol mit seiner Kritik an der Entscheidung sogar noch Recht hat, ist das i-Tüpfelchen. Eine Verhältnismäßigkeit im Vergleich zum Verhalten von Pep Guardiola und anderen ist sicherlich nicht mehr gegeben."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel