vergrößernverkleinern
Andre Schubert Borussia Mönchengladbach Gladbach
Andre Schubert hat nach dem Rücktritt von Lucien Favre in Gladbach als Übergangscoach übernommen © dpa Picture Alliance

Mönchengladbach - Andre Schubert soll die Borussia nach dem Abschied von Lucien Favre wieder auf Kurs bringen. Der bisherige U23-Trainer gilt als nicht einfach, versprüht aber eine Menge Optimismus.

Andre Schubert verliert keine Zeit. Denn davon hat er derzeit sowieso viel zu wenig.

Zu seiner ersten Pressekonferenz als Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach kam er zehn Minuten zu spät. Klar, nach dem fluchtartigen Abgang von Lucien Favre hat der 44-Jährige alle Hände voll zu tun, schließlich blieben ihm bis zu seiner Premiere als Chefcoach am Mittwoch gegen den FC Augsburg (ab 20.00 Uhr, im LIVETICKER und auf SPORT1.fm) letztlich nur etwas mehr als 48 Stunden.

Und damit nur sehr wenig Raum für Einzelgespräche, Organisation und Koordination. Doch man merkt dem bisherigen U23-Trainer mit jedem Wort, mit jedem Satz, mit jeder Geste an, dass er tatsächlich "Bock" auf die Aufgabe hat, wie Manager Max Eberl vorab angekündigt hatte.

In einem mehrere Minuten langen Monolog fasste Schubert den Status Quo zusammen und erklärte, wie er die sportliche Misere anpacken will. Ein bisschen nervös wirkte er dabei vielleicht, nicht unbedingt angespannt, eher ein wenig im Stress, unter Strom.

Dabei aber durchaus sympathisch, hin und wieder um einen kleinen Spruch bemüht, dazu mit einem angemessenen Selbstbewusstsein. Er versprüht Optimismus, um eine Aufbruchstimmung zu erzeugen und den Klub so aus seiner Lethargie und Schockstarre zu reißen.

Eine Art, die ankommen dürfte

Es ist eine Art, die ankommen dürfte bei einer Mannschaft, deren Stimmung angesichts der sportlichen Talfahrt verbunden mit dem Rücktritt ihres bisherigen Trainers sowieso auf dem Nullpunkt angelangt ist.

"Sie sind von den Dingen, die passiert sind, beeindruckt. Weil sie natürlich auch wissen, dass sie auch Verantwortung dafür tragen. Wir haben klar analysiert, was wir verändern müssen und wir geben der Mannschaft einen klaren Plan mit, wie wir die Dinge angehen", sagte Schubert.

Offen, selbstkritisch, konzentriert und fokussiert

Die Mannschaft sei zu 100 Prozent offen, selbstkritisch, dabei konzentriert und fokussiert, so Schubert. Und natürlich aufmerksam, wissbegierig und neugierig. Schließlich weiß auch die verunsicherte Truppe nicht, wer genau da vor ihnen steht.

Schubert, der 2004 seinen Trainerschein als Jahrgangsbester machte, führte den SC Paderborn 2009 als Sportlicher Leiter und Trainer in Personalunion in die 2. Liga. 2011 wurde er bei St. Pauli Nachfolger von Klublegende Holger Stanislawski.

Aus der damaligen Zeit blieben vor allem atmosphärische Störungen zwischen dem "schwierigen Charakter" Schubert und der Klubführung hängen, auch Verfehlungen im Umgang mit den Spielern soll es gegeben haben. Eine autoritäre und sehr direkte, bisweilen schroffe Art wurde ihm damals nachgesagt. "Wir müssen ein paar Dinge anders machen in puncto Zusammenarbeit und Kommunikation, verbiegen werde ich mich aber nicht", hatte er damals erklärt. Wenige Monate später war trotzdem Schluss.

Nach einem Intermezzo als U15-Nationaltrainer übernahm er im Sommer die U23 der Borussia. Bekannt ist der 44-Jährige auch als einer der Protagonisten in dem Dokumentarfilm "Trainer" von Aljoscha Pause. Der Regisseur hatte dafür unter anderem Schubert eine Saison lang begleitet.

Schubert braucht Ergebnisse

In besagtem Film sagte Schubert, dass er sein persönliches Wohlbefinden nicht mehr von Ergebnissen abhängig machen will. Und auch wenn er die von vornherein zeitlich begrenzte Aufgabe in Gladbach nicht als große Chance, sondern als Herausforderung sieht, braucht er genau das: Ergebnisse.

Erfahrungen mit solch prekären und besonderen Situationen wie in Gladbach hat er nicht, doch vielleicht ist gerade das sein großes Plus: Eine gewisse Unbekümmertheit und Lockerheit, etwas Unbedarftheit im positiven Sinne, um dem derzeitigen Chaos Herr zu werden.

Dafür wird er das auf das Favre-System getrimmte Team nicht mit Gewalt vom bisherigen Weg abbringen. System sei eh nur Beiwerk, sagte Schubert, der wie sein Vorgänger auf viel Ballbesitz setzt.

"Mir geht es um die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen. Wir dürfen nie passiv werden. Wir brauchen mehr Zug zum Tor und mehr Aggressivität auch in der Offensive, mehr Mut zu Eins-gegen-eins-Situationen", erklärte Schubert seine Spielphilosophie.

Weniger reagieren, mehr agieren

Weniger reagieren, mehr agieren mit mehr Mut zu Fehlern, so das Motto. Schließlich kann er nur an bestimmten Stellschrauben drehen, sich um Dinge kümmern, die er unmittelbar und kurzfristig beeinflussen kann.

Dafür setzt er auf einen positiven Ansatz. Videoanalysen hat er seiner Mannschaft noch keine vorgeführt. Sollte er das tun, will er die Stärken hervorheben. "Was macht uns stark? Was haben wir für Qualitäten? An die müssen wir die Mannschaft erinnern?", stellte Schubert Frage und machte damit zugleich klar: Es gilt, die Seele der Spieler zu streicheln.

Schließlich stehen nach Augsburg innerhalb von nur zehn Tagen drei weitere wegweisende Spiele an. Andre Schubert hat keine Zeit zu verlieren.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel