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Die SPORT1-Redakteure Sven Becker (l.) und Max Retzer diskutieren über die Bayern-Dominanz © SPORT1 Grafik: Gabriel Fehland/Imago

Das Spektakel in Wolfsburg zeigt die Überlegenheit der Bayern in Deutschland auf. Die drohende Langeweile sorgt für Diskussionen - auch innerhalb der SPORT1-Redaktion.

Mit Spannung war es im vermeintlichen Topspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern (Spielbericht) nicht weit her. Nach einer guten halben Stunde manifestierte sich die erdrückende Dominanz der Guardiola-Elf in einem uneinholbaren 3:0-Vorsprung. (Taktik-Analyse: Hecking erhält Lektion von Guardiola)

Ist diese Dominanz ein Problem für die Liga? Fußball-Deutschland diskutiert kontrovers - und auch die SPORT1-Redaktion ist gespalten.

Pro Bayern-Dominanz: SPORT1-Redakteur Sven Becker

Sven Becker © SPORT1

Was war das bitte für ein Spiel? Irre, einfach atemberaubend, was die Bayern beim überragenden 3:1-Sieg im Pokalspiel beim VfL Wolfsburg auf den Rasen zauberten.

Vor allem die erste Halbzeit war Fußball in Perfektion - wie von einem anderen Stern. Die Spielweise schien phasenweise wie am Computer entwickelt. Ein Rädchen griff ins andere. Spielzüge und Tore zum Zungeschnalzen.

Und doch gibt es Fußball-Fans, und auch renommierte Trainer, die anstatt auszuflippen, über Langeweile im deutschen Fußball klagen. Für mich nicht nachvollziehbar.

Einen Douglas Costa mit all seinen Raffinessen und Fertigkeiten zu sehen. Seine Ballbehandlung, seine Schusstechnik, sein Auge für den Mitspieler - Wahnsinn! Allein der Brasilianer ist das Eintrittsgeld wert.

Oder: Einen Kingsley Coman bei seiner Arbeit zu beobachten. Wie er mit seinen gerade einmal 19 Jahren  die Defensivreihen des Gegners nach allen Regeln der Fußball-Kunst auseinander nimmt - da gehe ich doch spontan aus dem Sattel!

Wie die gesamte Mannschaft den Ball und Gegner laufen lässt, geschickt auf den richtigen Moment wartet und dann eiskalt zuschlägt - eine perfekte Mannschafts- und taktische Meisterleistung!

Sorry, Carlo Ancelotti: Ich kann mich gar nicht satt sehen am Spiel der Bayern. Für mich ist es ein purer Genuss. Es kann gerne so weitergehen.

Kontra Bayern-Dominanz: SPORT1-Redakteur Max Retzer

Max Retzer © SPORT1

Obwohl ich Fan und sogar Mitglied beim FC Bayern München bin, habe ich am Dienstagabend nach dem Tor zum 3:0 gegen den VfL Wolfsburg umgeschaltet.

So schön das Spiel der Bayern im Moment anzuschauen ist, langfristig schadet ihre Dominanz der Bundesliga.

Wenn selbst die potenziell stärkste nationale Konkurrenz wie die Wolfsburger oder auch Borussia Dortmund derart dominiert wird, sind das echte Alarmzeichen.

Im Moment entscheiden doch nur noch die Bayern darüber, wie hoch ein Gegner verliert. Die geben entweder schon vorher auf oder haben zu allem Überfluss sogar noch Probleme mit der Einstellung, wie Wolfsburg in der ersten Halbzeit.

Am Ende führt das dazu, dass selbst bei mir als Fan das Interesse geringer wird, weil ich sowieso weiß, dass die Bayern gewinnen.

Wie hoch, ist dann auch schon egal. Ich will Spannung, Emotionen, gerne auch einen Fight gegen sich einmauernde Gegner. Bei Spielen wie gegen den FC Arsenal in der Champions League bleibe ich am Ball, auch wenn sie am Ende verloren gehen.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass den Bayern-Profis im Alltag in Liga oder Pokal nicht langweilig wird, so wie es Kapitän Philipp Lahm behauptet. Schließlich wissen die Spieler, dass sie zur Not einfach noch einen Gang hochschalten können.

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