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Strahlen Zuversicht aus: Werder-Boss Klaus Filbry (M.) und Geschäftsführer Thomas Eichin (r.)

Werder Bremen hat erneut ein Millionen-Minus eingefahren, das Eigenkapital ist fast aufgebraucht - trotzdem ist man an der Weser nicht beunruhigt. Die Bosse sind von ihrem Weg überzeugt.

In der Not bediente sich Klaus Filbry an höchster Stelle. "Wir schaffen das", hatte Angela Merkel ja über die Flüchtlingskrise gesagt. Und nun klaute der Werder-Chef der Bundeskanzlerin einfach den Spruch, um im Bremer Finanz-Drama Zuversicht und Stärke zu demonstrieren.    

"Auch wir bei Werder haben Herausforderungen, auch wir haben diese Wir-schaffen-das-Mentalität", sagte Filbry, als er das nächste dicke Millionen-Minus beim Traditionsklub erklären musste: "Aber wir haben auch einen Plan: Unseren Werder-Weg."    

Doch der Werder-Weg ist ziemlich steinig. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fehlten dem Fußball-Bundesligisten 5,9 Millionen Euro in der Kasse. Das ist der vierte herbe finanzielle Verlust in Serie und so schrumpften die Rücklagen an der Weser von einst knapp 60 auf nur noch zwei Millionen Euro weiter zusammen.   

Filbry trotz Minus zufrieden 

Filbry war trotz der tief roten Zahlen zufrieden, schließlich war das Minus im Vorjahr noch viel größer ausgefallen (10,1 Millionen). "Wir sind noch nicht ganz dort, wo wir hin wollen", sagte der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung am Montagabend bei der Mitgliederversammlung: "Aber wir haben das Ziel unmittelbar vor Augen."

Die schwarze Null. Filbry will im nächsten Jahr unbedingt eine ausgeglichene Bilanz vorlegen. Aber nicht mit allen Mitteln, die Norddeutschen wollen nicht von ihrer Philosophie abweichen. Überraschend deutlich griff Filbry "Vitamin-B-Klubs" wie den VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen oder 1899 Hoffenheim an.

"Können wir uns wie Hoffenheim einem Mann unterwerfen, der nicht nur gute Entscheidungen trifft? Oder können wir uns einen Finanzinvestor hereinholen?", fragte Filbry in den Saal hinein: "Dann werden wir auch zu einem Vitamin-B-Klub. Wir werden nur Leute zusammensuchen, denen wir vertrauen."    

"Werder-Weg der richtige Weg"

Die Bremer wollen nur Geld ausgeben, das sie vorher auch verdient haben. "Der Werder-Weg ist der richtige Weg", sagte Filbry: "Wir brauchen die Entwicklung von Talenten, wir brauchen einfallsreiche Transfers." Aber Werder muss auch immer wieder Leistungsträger verkaufen, um Lücken im Etat zu schließen.

Im Sommer vielleicht Angreifer Anthony Ujah oder Verteidiger Jannik Vestergaard - auch wenn das an der Weser niemand zugeben will. Das "steht nicht im Saisonplan", sagte Sportchef Thomas Eichin. Und Filbry meinte: "Wir biegen bei der Konsolidierung mit Augenmaß auf die Zielgerade ein."    

Immerhin: Mit 103,6 Millionen Euro (Vorjahr: 95,9 Millionen) knackten die Bremer zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die 100-Millionen-Euro-Umsatz-Marke, ohne gleichzeitig in einem internationalen Wettbewerb vertreten gewesen zu sein.    

Die sportlichen Ziele sind trotz der Flaute im Portemonnaie weiter durchaus ambitioniert. "Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz", sagte Filbry. Und im DFB-Pokal darf es durchaus das Finale sein: "Ich würde gerne noch einmal nach Berlin." Vielleicht kommt dann ja auch die Kanzlerin.

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