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Hat Schweinchen Schlau nie geliebt: Rudi Völler
Hat Schweinchen Schlau nie geliebt: Rudi Völler © Getty Images / Twitter@fcstpauli

Schweinchen Schlau war ein Held, heute gilt er nicht nur Rudi Völler als oller Klugscheißer. Schön, dass St. Pauli das ändern will. Hoffmanns Erzählungen.

Unter den vielen schönen Schlagzeilen, die die das Wirtschaftsnachrichtenwesen in den vergangenen Jahren produzierte, ist diese sicherlich mit die schönste.

"Schweinchen Schlau schluckt Schweinchen Dick", betitelte das Portal Euronews im Jahr 2013 eine Agenturmeldung. Klang erstmal brutal, handelte dann aber letztlich nur von der freundlichen Übernahme eines Fleischverarbeitungsunternehmens durch einen Konkurrenten - in einer gewitzten Zeile zusammengefasst.

Man könnte dem Verfasser dieser Zeile nun auf die Schulter klopfen und als Schweinchen Schlau des Wirtschaftsjournalismus bejubeln. Aber erstens hatten wir das Thema vossianische Antonomasien hier schon vor ein paar Wochen. Zweitens würde der Überschriftenredakteur das wohl auch gar nicht als Kompliment verstehen.

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

Es ist ja schon ein Lauf der Dinge, der so nicht gedacht war: Schweinchen Schlau, das war in der Geschichte der drei kleinen Schweinchen eigentlich der Held, das Vorbild für die weniger soliden Schweinchen Fiedler und Schweinchen Pfeifer, die zwar schöne Musik machen konnten, sich beim Thema Immobilien aber in riskanten Spekulationen verrannten.

Am Ende dann der große böse Wolf, sein Angebot einer freundlichen Übernahme der Schweinchen und schließlich sein Immobilienblasen - nur weil Schlau ordnungsgemäß in Stein investierte, haben die anderen diese schwierigen Zeiten überstanden.

Nehmt euch ein Beispiel dran, war die Botschaft von Märchensammler Joseph Jacobs und Verfilmer Walt Disney. Sie hat sich irgendwie ins Gegenteil verkehrt.

Man hat den Eindruck, dass uns die Fiedlers und Pfeifers dieser Schweinchenwelt bis heute näher geblieben sind als der kluge Eber. Schweinchen Schlau - im englischen Original als "Practical Pig" übrigens ganz anders konnotiert - teilt heute das Schicksal mit Meister Pfriem, Schlaubi Schlumpf, und den Oppositionsführern im Bundestag: Den Ruf, dass er einfach nur ein oller Besserwisser sei.

Soeben ist das Thema auch in der Fußball-Bundesliga auf die Agenda gekommen, es geht um Geldverteilungsideen des St.-Pauli-Managers Andreas Rettig und das, was sein Leverkusener Kollege Rudi Völler davon hält. "Er macht ein bisschen auf Schweinchen Schlau", befindet er.

St. Pauli hätte das ignorieren können, hat sich stattdessen aber löblicherweise der Aufgabe angenommen, eine Lanze für das heftig kritisierte Borstenvieh zu brechen.

"Schweinchen Schlau, du cooler Typ", twitterten Rettigs Mitarbeiter und klebten ihm dazu eine unterschriebene Schweinezeichnung an die Bürotür.

Problem bei der Sache - auf die Gefahr hin, hier selbst ein bisschen auf Schweinchen Schlau zu machen: Auf dem Bild war eben nicht ebenjenes, sondern das Schweinchen Dick von Disney-Konkurrent Looney Tunes zu sehen.

Soll kein Vorwurf sein, die beiden sehen sich sehr ähnlich, wir haben die Verwechslung offen gesagt auch nicht gleich bemerkt.

Man kann bei dieser Sache auch leicht den Überblick verlieren, dieses ganze Schweinchen-Thema ist ja wieder furchtbar komplex.

Völler, Rettig, die Groß-, Klein- und Werksklubs: Wer hier jetzt Schweinchen Schlau und wer Schweinchen Dick ist und wer am Ende wen schlucken wird - das müssen am Ende wieder die Wirtschaftsnachrichtenleute entscheiden.

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