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München - Sein Abschied vom FC Bayern ist seit einigen Wochen Gewissheit. Doch erst jetzt spricht Pep Guardiola über die Hintergründe. Dabei erkennt man ihn kaum wieder.

Pressekonferenzen mit Pep Guardiola, das war ja immer wieder eine Quälerei.

Immer wieder die eine Frage an den Trainer des FC Bayern München, immer wieder das kleine, große Problem, dass er darauf keine Antwort geben wollte, geben konnte.

Das hat sich geändert, der Abschied des Katalanen zum Saisonende steht nun fest. Mit entsprechender Spannung wurde nun seine erste Pressekonferenz nach Bekanntgabe dieser Entscheidung erwartet. (Die Pressekonferenz zum Nachlesen)

Eine schnelle, überraschende Antwort

Wie würde Guardiola sich geben, einen Tag vor dem Abflug ins Trainingslager nach Katar? Ganz anders, gelöst, befreit? Oder würde das alte Spiel weitergehen in dem Moment, wo es zu den noch ungeklärten Fragen gehen würde: den Gründen für den Wechsel, dem Ziel?

Guardiola gab schnell die Antwort, indem er mit einem einzigen Satz gleich beide Fragen (fast) beantwortete.

"Ich will in England in der Premier League trainieren", hielt er fest, gleich zweimal: "Das ist der einzige Grund, warum ich nicht verlängert habe." Er brauche schlicht "eine neue Herausforderung".

Und ab dem Moment lief es bei der PK, wie es bei Peps Bayern nach einer frühen Führung gegen den VfB Stuttgart: scheinbar wie von selbst.

Offen, witzelnd, ganz bei sich

Guardiola kam ins Erzählen, gut gelaunt, offen, witzelnd, ganz bei sich. Keiner Frage wich er aus, selbst die als Frage formulierte Anklage, was er denn in England wolle, wo doch der Fußball dort gar nicht zu seinen Vorstellungen passe, wendete er elegant ins Positive: "Genau deshalb will ich das machen." Neue Herausforderung eben.

Dass Guardiola auch ein paar Fragen beantwortete, indem er sie nicht beantwortete: auch nicht schlimm.

Sein wahrscheinliches Ziel in England - Manchester City - bestätigte er nicht. "Wenn ich einen neuen Vertrag habe, wird der Verein das kommunizieren", sagte Guardiola: "Ich habe mich noch nicht verpflichtet."

Beste Wünsche an alle

Ansonsten? Ein bunter Strauß an Nettigkeiten, für die neue wie für die alte Wahlheimat.

Guardiola führte aus, warum das lange Verweilen bei einem Verein nicht seine Sache ist: "Ich mag es, neue Städte mit neuen Restaurants kennenzulernen, neue Menschen, neue Stadien."

Er entschuldigte sich für den Fall, dass sein Entschluss schlecht angekommen sein sollte im Klub: "Es tut mir leid, wenn Karl-Heinz Rummenigge oder der Verein von mir enttäuscht sind. Ich hoffe, sie sind mir nicht böse."

Und zur Wahl seines Nachfolgers gab es noch Gratulationen und beste Wünsche: "Glückwunsch an den Verein und an Carlo. Ich glaube, das ist eine perfekte Entscheidung."

Und dass er bis dahin alles tun wird, um das Triple zu gewinnen: eh klar.

Gute Laune statt Kühle

Überhaupt kam bei Guardiolas Gute-Laune-Auftritt auf einmal wieder alles wie selbstverständlich herüber mit ihm und seinem künftigen Ex-Arbeitgeber.

So selbstverständlich, wie es nicht mehr jeder erwartet hatte. Eher kühl wirkte auf viele der Vollzug des Abschieds, die Mitteilung der Bayern, in der Guardiola gar nicht zitiert wurde, sein Schweigen über die Gründe – auch zu den Spielern.

Guardiola bestätigte am Dienstag, dass er diesen seinen Abschied noch nicht persönlich erläutert habe, in Katar fände er hoffentlich die Zeit dazu.

Dass er die Öffentlichkeit noch vorher ins Bild setzen wollte – ein Pressetermin vor der Abreise ins Trainingslager ist bei Bayern eigentlich nicht üblich -, war ihm offensichtlich ein Anliegen. Und eine Befreiung.

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