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Hannover 96 Unveils New  Signing Head Coach Thomas Schaaf
Thomas Schaaf ist der neue Cheftrainer von Hannover 96 © Getty Images

München - Hannovers neuer Trainer Thomas Schaaf spricht im SPORT1-Interview über eigene Fehler, die Herausforderung bei 96 und das Ziel Klassenerhalt.

Thomas Schaaf ist zurück. Ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt als Trainer von Eintracht Frankfurt ist der Akku wieder aufgeladen und der 54-Jährige geht seine neue Aufgabe bei Hannover 96 mit Feuereifer an.

Der Auftrag ist klar: Er soll die Niedersachen vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahren. Nach Werder Bremen und der Eintracht übernimmt Schaaf nun also seinen dritten Verein als Trainer.

Im SPORT1-Interview spricht Schaaf über eigene Fehler, die Herausforderung bei den "Roten" und das Ziel Klassenerhalt. (Mission Feuerwehrmann)

SPORT1: Herr Schaaf, willkommen zurück. Gab es bei einem "alten Hasen" wie Ihnen noch ein Kribbeln vorm ersten Training mit der neuen Mannschaft?

Thomas Schaaf: Eine Anspannung war natürlich da und die ist auch wichtig, um eine gewisse Konzentration hervorzurufen. Ich war aber nicht nervös. Ich will schnell wieder reinkommen in die Arbeit und alle neuen Aufgaben zügig und gut bewältigen.

SPORT1: Warum fiel Ihre Entscheidung auf Hannover 96?

Schaaf: Es ist eine interessante Aufgabe. Wer die Entwicklung des Vereins verfolgt hat, weiß, dass es nach guten Jahren in den vergangenen drei Spielzeiten nicht mehr so erfreulich lief. Es wurde deutlich, dass es in dieser Saison nicht so funktioniert und dass man sich schwer getan hat in der Liga. In den Jahren davor gab es aber auch positive Zeiten. Ich glaube, dass der Klub daran wieder anknüpfen  kann. Das Potenzial ist definitiv vorhanden. Die Ergebnisse wurden in der Hinrunde nicht abgeliefert, aber wir werden jetzt versuchen, diese Ergebnisse nun zu erzielen.

SPORT1: Wie lange mussten Sie überlegen, als die Anfrage kam?

Schaaf: Martin Bader (96-Geschäftsführer Sport, d. Red.) rief mich an, wir haben uns einige Tage ausgetauscht und es gab intensive Gespräche. Ich musste nicht lange überlegen. Wir haben schnell gemerkt, dass beide Seiten sich das vorstellen können.

SPORT1: Was war der ausschlaggebende Punkt, sich für 96 zu entscheiden?

Schaaf: Ich habe viele Jahre in Bremen gelebt und da habe ich ganz genau die norddeutschen Vereine wie 96 und den Hamburger SV beobachtet. Ich habe gesehen, dass in Hannover gut gearbeitet wird. Und dass dort ein großes Potenzial schlummert. Gerade in den zurückliegenden Jahren ist der Verein unter der Leitung von Martin Kind (96-Präsident, d. Red.) sehr gewachsen. Das hat mir gefallen. Es ist eine gute Basis da, um etwas zu bewegen.

SPORT1: Herr Kind und Herr Bader sind sachliche Typen. Was schätzen Sie an den Beiden?

Schaaf: Man muss sich nur Hannover 96 anschauen und dann spricht die Arbeit für Martin Kind. Er hat diesen Klub immer unterstützt und leitet ihn schon über viele Jahre. Er hat 96 zu einem etablierten Erstligisten gemacht, ganz egal, ob es gerade etwas schwierig ist. Wir kennen uns schon lange, haben uns immer wieder getroffen - nicht nur, wenn wir gegeneinander gespielt haben. Auch Martin Bader hat beim 1. FC Nürnberg über Jahre hinweg gute Arbeit abgeliefert.

SPORT1: Der Trainerstuhl in Hannover war in den vergangenen Jahren ein heißes Eisen. Sie haben erstmal bis 2017 unterschrieben. Trauen Sie dem Braten nicht?

Schaaf: Nein. Für mich zählt die aktuelle Situation im Verein. Und nicht mein Vertrag. Wir müssen positive Ergebnisse erzielen. Durch die gemeinsame Arbeit werden wir uns gut kennen lernen und dann kann man über eine längerfristige Zusammenarbeit nachdenken. Auch über 2017 hinaus. Ich brauche jetzt keinen endlos langen Vertrag, sondern will meine Arbeit für sich sprechen lassen.

SPORT1: Es gibt wohl keinen anderen Auftrag als den Klassenerhalt, oder?

Schaaf: Natürlich ist es das A und O, dass man in der Liga bleiben will und dafür wollen wir alles tun. Ich bin ruhig, bodenständig und sachlich in der Arbeit, aber auch sehr emotional. Wir müssen die Fans mitnehmen, sie begeistern und zusehen, dass uns alle in Hannover unterstützen, damit wir den Klassenerhalt schaffen. Die Rettung wird schwierig genug. Dafür brauchen wir viel Aufmerksamkeit und die werden wir nur durch gute Leistungen bekommen.

SPORT1: Sie waren als Trainer von Werder Bremen jahrelang ein Konkurrent von Bayern München. Jetzt sind sie im Abstiegskampf. Bei Eintracht Frankfurt, Ihrer letzten Station, war auch der Ligaverbleib das Ziel. Keine Angst, dass Ihr guter Ruf Schaden nimmt?

Schaaf: In keiner Weise. Es zeigt doch, dass ich mich jeder Aufgabe gerne stelle, solange ich einen Sinn dahinter sehe und es spannend finde. Der Tabellenplatz ist nicht so wichtig. Wenn das Ziel Deutsche Meisterschaft oder Internationales Geschäft heißt, dann geht man dem nach. Wenn es darum geht einen Verein solide, seriös und sportlich bestens aufzustellen, in der Liga zu halten und an bessere Zeiten zu führen, dann ist das auch sehr reizvoll. Ich stelle mich jeder Aufgabe immer mit voller Hingabe.

SPORT1: Bei Eintracht Frankfurt hat man Ihnen zum Schluss vorgeworfen, dass Sie sich mit der Mannschaft überworfen hätten. Das hat Ihnen sicher wehgetan, oder?

Schaaf: Jeder konnte sich über meine Arbeit in Frankfurt seinen Eindruck machen. Mir hat es viel Spaß gemacht die Mannschaft zu trainieren. Es war eine erfolgreiche Zeit und ich denke sehr positiv an diese zurück. Ich wünsche der Eintracht alles Gute. Für mich ist das Thema abgeschlossen. Ich freue mich jetzt auf 96.

SPORT1: Dennoch die Frage, weil Sie in Frankfurt vor Vertragsende gegangen sind. Welche Fehler haben Sie gemacht?

Schaaf: Ich habe sicher Fehler gemacht und lerne immer dazu. Es wäre falsch, wenn man eine Aufgabe unflexibel angeht und festgefahren ist in seiner Strategie. Es ist spannend und wichtig, dass man sich neue und klare Ziele setzt und diese auch erreicht. Gerade als Trainer kommen jeden Tag neue Herausforderungen auf einen zu und es ist sehr aufregend, sich denen zu stellen. Ich werde mich immer wieder neu orientieren.

SPORT1: Der 96-Kader muss verstärkt werden. Wie sind da Ihre Vorstellungen?

Schaaf: Wir suchen nach Lösungen, die Sinn machen. Wir werden nicht herum experimentieren, sondern nur Spieler holen, die eine Bereicherung sind. Es wird wichtig sein, Fehler so zu minimieren, dass sie nicht mehr viele Punkte kosten. Die Offensive muss verstärkt werden, um vorne effektiver zu sein. Wir müssen uns mehr Chancen herausspielen und besser im Abschluss werden. Das sind unsere Ziele.

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