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Hannover 96 v VfL Wolfsburg - Bundesliga
Fans von Wolfsburg zündeten bei Hannover 96 nicht nur Pytotechnik © Getty Images

München - Der Leuchtraketen-Skandal im Niedersachsen-Derby wird nicht nur für Wolfsburg Konsequenzen haben. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Pyro-Attacke.

Die Ereignisse von Hannover warfen bereits einen Schatten auf den 24. Bundesliga-Spieltag, bevor dieser überhaupt angepfiffen worden war.

Aus dem Wolfsburger Fanblock waren kurz vor dem Spiel bei Hannover 96 mehrere Leuchtraketen quer über den Rasen geflogen, eine schlug direkt unter dem Dach der Gäste-Reservebank ein. Ein Hannoveraner Mannschaftsarzt wurde nach Aussage von 96-Sportchef Martin Bader getroffen, aber wie durch ein Wunder wurde zwar niemand verletzt.

Doch es hätte auch zu einer Katastrophe kommen können.

Der Pyro-Eklat wird Folgen haben. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was sagen die Verantwortlichen?

"Es war ein gezieltes Abschießen von Leuchtraketen auf Personen, da kriegst du schon Bedenken, weil es eine geplante Aktion ist. Man muss es absolut verurteilen", sagte 96-Sportchef Bader am Mittwoch.

Trainer Thomas Schaaf nannte die Schuldigen "Schwachköpfe", Wolfsburgs Chefcoach Dieter Hecking entschuldigte sich für das Verhalten der VfL-Anhänger.

Wird es Strafen geben?

Beiden Vereinen drohen Sanktionen. Zumal es sich bei dem Vorfall nicht nur um das ohnehin schon verbotene Abbrennen von Feuerwerkskörpern handelt, sondern weil durch den Wurf in den Innenraum bewusst schwere Verletzungen in Kauf genommen wurden.

Der Kontrollausschuss des DFB ermittelt bereits und hat nicht nur den VfL Wolfsburg zu einer Stellungnahme aufgefordert. Auch Hannover droht eine Strafe, weil der Verein als Gastgeber für die Sicherheit im Stadion verantwortlich ist - und dieser Verantwortung nicht nachgekommen ist.

"Unsere Ordnungskräfte und die Polizei haben ihre Hausaufgaben gemacht und den einen oder anderen identifiziert", sagte Bader und ergklärte, man werde die Sache nun über die juristische Schiene lösen.

"Wir müssen dahin kommen, dass es geächtet wird, so wie rassistische Äußerungen oder Diskriminierungen. Wenn es geächtet wird, sind wir einen Schritt weiter", meinte Bader.

Welche Sanktionen drohen?

Das unerlaubte Abbrennen von Pyrotechnik ist als Straftat beziehungsweise als Ordnungswidrigkeit zu verfolgen. Den Tätern drohen Stadionverbote und Geldstrafen. Zudem könnten die Klubs Ansprüche gegen sie geltend machen.

Wesentlich empfindlicher als für 96 dürfte die Strafe für Wolfsburg ausfallen, auch wenn der Verein bisher kaum durch das Fehlverhalten seiner Fans aufgefallen ist.

Das Niedersachsen-Derby haben Anhänger aus Wolfsburg nicht zum ersten Mal zum Anlass genommen, für Krawall zu sorgen.

Schon beim Duell zuvor in Hannover im Dezember 2014 hatten VfL-Fans im Gästeblock vier bengalische Feuer sowie eine Rauchbombe gezündet. Der Verein war dafür vom Sportgericht des DFB zu einer Zahlung von 6000 Euro verdonnert worden.

Ob der Klub auch diesmal mit einer milden Geldstrafe davonkommen wird, ist stark zu bezweifeln. Es gilt nun das Wiederholungstäter-Prinzip, der VfL muss sich auch in einem schwerer wiegenden Fall verantworten.

Daher ist von einer Strafe auszugehen, die sich mindestens im fünfstelligen Bereich bewegen wird. Darüber hinaus könnte es zu weiteren Sanktionen kommen, die sich auf den Besuch des Niedersachsen-Derbys beziehen. Ein beschränktes Kontingent an Gäste-Tickets ist genauso vorstellbar wie personalisierte Eintrittskarten. So wurde es bereits in dieser Saison beim brisanten Rheinderby zwischen Köln und Mönchengladbach gehandhabt.

Auch ein teilweiser Ausschluss der Fans oder sogar ein Spiel unter Ausschluss der gesamten Öffentlichkeit ("Geisterspiel") wären möglich.

Warum sorgen Wolfsburgs Fans für Ärger?

"Wir haben eigentlich überhaupt keine Probleme mit unseren Fans, von daher waren wir selbst überrascht", hatte VfL-Manager Klaus Allofs direkt nach dem Spiel gesagt.

Der VfL ist nicht für eine ausgeprägte Ultraszene bekannt. Im Gegensatz zu großen Traditionsvereinen reist auch selten eine größere Anzahl an Fans mit zu den Auswärtsspielen. Das eine schließt das andere allerdings nicht aus. Der Vorfall vom Dienstag zeigt, dass auch wenige Personen in der Lage sind, einen großen Schaden anzurichten.

Ob diese Aktion tatsächlich damit zu tun hat, dass den Wolfsburger Anhängern verboten wurde, größere Fan-Utensilien mit ins Stadion zu nehmen, ist Spekulation.

Was sagen die Ultras dazu?

Seit Jahrzehnten setzen sich die Ultra-Gruppierungen der Vereine für die Legalisierung von Pyrotechnik in den Stadien ein.

Allerdings lehnen es große Teile der Szene ab, Leuchtraketen abzuschießen. Im Blog "Faszination Fankurve" heißt es zu den Vorfällen in Hannover: "Pyrotechnik gehört in die Hand, auf keinen Fall in die Luft und nach Möglichkeit nicht auf den Boden. Leuchtspurgeschosse sind ebenso tabu wie die 'Entsorgung' von Bengalischen Feuern in den Innenraum, auf das Spielfeld oder in Nachbarblöcke."

In der Stellungnahme bezieht man sich aber auch auf die gescheiterten Verhandlungen mit der DFL über das Abbrennen von Pyotechnik. Auch das könnte ein Grund für das Abfeuern der Rakete in Hannover gewesen sein.

"Da man sich auf eine Legalisierung wohl keine Hoffnung mehr macht, scheint man auch weniger Einfluss auf Personen innerhalb der Fanszene zu nehmen, die Pyrotechnik unkontrolliert einsetzen", heißt es in dem Fan-Blog.

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