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Clemens Tönnies ist seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Schalke 04 © Getty Images

München - Der Aufsichtsratsboss kämpft bei der Schalker Mitgliederversammlung um seine Wiederwahl. Seine Gegner äußern einen zentralen Vorwurf, bei SPORT1 positioniert sich einer von ihnen.

Vor seinem Abschied auf Schalke wünschte der langjährige Sportvorstand Horst Heldt den Königsblauen vor allem eines: Ruhe.

Doch momentan sieht es nicht so aus, als würde Heldts Wunsch schnell in Erfüllung gehen. Hinter den Kulissen tobt bei Schalke 04 eine Schlammschlacht, die bei der Mitgliederversammlung am Sonntag (13.04 Uhr) ihrem Höhepunkt entgegenstrebt.

Mittendrin: Clemens Tönnies.

Der seit 15 Jahren amtierende Aufsichtsratsboss muss tatsächlich um seine Wiederwahl fürchten.

Vorstand stützt Tönnies

Die Kritik am mächtigen Fleischunternehmer aus Ostwestfalen hat aufgrund der relativ enttäuschenden letzten Saison in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Sogar von einem drohenden Putschversuch war die Rede.

So weit wird es nicht kommen. Aber der Schalker Vorstand sah sich am Donnerstag genötigt, ein öffentliches Plädoyer für Tönnies zu halten.

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Zugleich kritisierten Finanzvorstand Peter Peters und Marketingvorstand Alexander Jobst die Tönnies-Gegner und warfen ihnen vereinsschädigendes Verhalten und destruktive Blockadepolitik vor.

Die Absicht ist klar: Die Rivalen des Großmetzgers sollen vor der Mitgliederversammlung möglichst schlecht da stehen in der Öffentlichkeit.

Erpressungsvorwürfe gegen Gegner

Bei Tönnies' Gegnern im Aufsichtstrat handelt es sich um den Arzt Andreas Horn sowie die Unternehmer Thomas Wiese und Axel Hefer. In der WAZ wurde Horn gar Erpressung vorgeworfen. Demnach sollte Tönnies zu einem Rücktritt auf Raten gezwungen werden.

Horn wies diese Vorwürfe bei SPORT1 von sich: "In diesem Gespräch wurde niemand erpresst. Die Initiative zu dem Gespräch ging aber von Herrn Tönnies aus, indem er mehrmals sagte, man solle ihm eine goldene Brücke zeigen."

Horn stößt sauer auf, dass das Gespräch an die Öffentlichkeit kam: "Herr Tönnies hat mir nicht berichtet, dass er das zweite Gespräch mithören lässt. Das ist für mich absolut inakzeptabel und entspricht nicht unserem Leitbild."

"Brauchen keinen Häuptling"

Der Hauptvorwurf der Opposition gegen Tönnies lautet: Statt als oberster Kontrolleur den Schalke-Vorstand zu kontrollieren, greife dieser permanent und unabgesprochen in die Tagespolitik ein und sorge mit seinen öffentlichen Alleingängen immer wieder für Unruhe.

Dr. Andreas Horn auf der Homepage von Schalke 04
Das Profil von Aufsichtsratsmitglied Dr. Andreas Horn auf der Homepage von Schalke 04 © FC Schalke 04

"Wir brauchen keinen Häuptling im Aufsichtsrat", sagt Horn im Gespräch mit SPORT1. "Ein Aufsichtsratsvorsitzender soll sich im Hintergrund halten, das steht auch so in unserer Satzung. Nicht von ungefähr kennt man von fast keinem anderen Bundesligaklub den Namen des Aufsichtsratsvorsitzenden."

Horn stellt aber klar, dass man keineswegs plane, Tönnies zu stürzen. "Ich habe kein Problem damit, mit Herrn Tönnies konstruktiv zusammenzuarbeiten", sagt er.

Für ihn sei "nicht entscheidend, wer da vorne sitzt. Für mich ist entscheidend, dass dieses Gremium konstruktiv zusammenarbeitet und dass jeder für sich das Wohl von Schalke 04 im Auge hat."

Das Aufgabengebiet des Aufsichtsratsvorsitzenden umreißt er wie folgt: "Ein Vorsitzender muss die Sitzungen einberufen, die Sitzungen moderieren und das Ergebnis gegenüber dem Vorstand bekanntgeben. Das kann letztlich jeder machen aus dem Aufsichtsrat." Ob sich einer wie Tönnies aber mit der Rolle des Moderators zufrieden gibt?

Turbulenzen erwartet

Horn erwartet eine turbulente Mitgliederversammlung mit viel Gegenwind für Tönnies.

Aus seiner Sicht soll das aber auch so sein: "Die Unruhe im Verein gärt schon seit vielen Jahren, spätestens seit der Viagogo-Diskussion. Schalke braucht auch mal ein reinigendes Gewitter."

Und neben einem Denkzettel für Tönnies hofft man auf eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse im Aufsichtsrat. Die Chancen dafür stehen nicht allzu schlecht.

Mit Michael Stallmann und Andreas Goßmann stellen sich zwei weitere Tönnies-Gegner zur Wahl für den Aufsichtsrat. Dem blassen Tönnies-Gefolgsmann Peter Lange droht dagegen die Abwahl.

So sind die Aussichten gar nicht so schlecht, dass Tönnies bald noch heftigerer interner Gegenwind ins Gesicht bläst.

Das Tönnies-Lager hätte dann bei einem Stand von 6:4 nur noch eine knappe Mehrheit, was Alleingänge des Vorsitzenden deutlich erschweren dürfte.

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