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Clemens Tönnies bleibt im Aufsichtsrat von Schalke 04
Clemens Tönnies bleibt im Aufsichtsrat von Schalke 04 © Getty Images

Gelsenkirchen - Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies geht aus der Schlammschlacht gestärkt hervor. Die Opposition wird abgestraft. In einem Bereich will Schalke die Nummer eins in Deutschland werden.

Am Ende der Mitgliederversammlung brachte Clemens Tönnies doch noch Misstöne hervor. Der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04 stimmte das Vereinslied an. Jedes der 9447 Mitglieder in der Arena hörte sofort, dass der Gesang eher zu Tönnies' Schwächen gehört.

Ansonsten bewies der 60-Jährige Stärke. Nach Monaten der Unruhe. Nach Schmähplakaten im Stadion. Nach einer Schlammschlacht, die im Kontrollgremium tobte.

Tönnies beendete den Tag der Entscheidung als Gewinner: Bei der Wahl zum Aufsichtsrat erzielte der Großunternehmer zwar nur das zweitbeste Ergebnis. Er kam auf 5367 Stimmen, sein langjähriger Kollege Peter Lange holte 317 mehr.

Kein Platz für Goßmann und Stallmann

Trotzdem war es genau die Konstellation, die dem Schalke-Boss gefiel. Er kam durch, sein Vertrauter kam durch. Für die Tönnies-Kritiker war kein Platz im Gremium, das den Fleischfabrikanten gleich in seiner ersten Sitzung am Montag als seinen Vorsitzenden wiederwählte. Die Basis strafte Andreas Goßmann mit 1680 Stimmen sowie Michael Stallmann mit 2565 Stimmen ab. Ein vernichtendes Ergebnis für die Opposition.

Goßmann half es nicht, auf vermeintliche Tönnies-Fehler aus der Vergangenheit hinzuweisen. "2014 war ich entsetzt, dass Tönnies mit unserer Mannschaft zu Wladimir Putin reisen wollte, der einen Krieg in der Ukraine führte", sagte der 55-Jährige etwa. Der Oppositionelle blieb zu blass, um einen Umsturz herbeizuführen.

Den strebten angeblich die Aufsichtsratsmitglieder Axel Hefer, Andreas Horn und Thomas Wiese an. Horn wies diese Vorwürfe im Gespräch mit SPORT1 zuletzt zurück. Trotzdem griff er Tönnies an. "Wir brauchen keinen Häuptling im Aufsichtsrat", sagte der Heidelberger.

Horn ist der Buhmann

Horn war am Sonntag der große Buhmann in der Arena. "Wenn Sie einen Arsch in der Hose haben, dann packen Sie ihre Koffer und fahren zurück nach Heidelberg", raunzte ein Mitglied den Oppositionellen an. Horn wollte sich rechtfertigen, reichte Tönnies die Hand. Der ließ seinen Kritiker stehen.

Tönnies wollte nicht mit Horn reden, sondern lieber Kampfansagen verbreiten: "Ich möchte mich um die kümmern, die in der Tabelle vor uns stehen und nicht um die, die hinter uns stehen", erklärte er.

Seitenhieb gegen Borussia Dortmund

Zudem versprach Tönnies eine bessere Infrastruktur. "Wir werden das beste Trainingszentrum der Liga bauen. Da werden auch diejenigen den Atem anhalten, die jetzt noch in der Tabelle über uns stehen“, sagte er. Den Namen Borussia Dortmund musste er nicht explizit nennen, um Beifall zu ernten.

Den meisten Applaus erhielt Tönnies aber, als er seinem neuen Sportvorstand das Wort erteilte. Christian Heidel zeigte sich bei seiner ersten Schalker Mitgliederversammlung als Menschenfänger. Er präsentierte den Fans zunächst einen neuen Star: Für den 19-jährigen Schweizer Breel Embolo zahlen die Schalker angeblich 25 Millionen – der Angreifer ist mit Abstand der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte.

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"Wir haben den am meisten umworbenen jungen Spieler in ganz Europa verpflichten können. Der Wechsel ist perfekt, ohne dass jemand zwingend abgegeben werden muss", betonte Heidel. Der Sportvorstand geht also davon aus, mit Breel Embolo und dem begehrten Nationalspieler Leroy Sané in die Saison zu gehen. Mit Naldo hat Heidel einen potenziellen Abwehrchef schon verpflichtet. Zwei weitere Spieler sollen noch kommen.

Heidel vermisst Gesamtstrategie

Der Sportvorstand sprach aber auch von einer fehlenden Gesamtstrategie und präsentierte direkt einen Lösungsansatz. "Wir haben vielleicht die beste Nachwuchsabteilung Deutschlands. Ich will die Knappenschmiede mit der Profi-Abteilung noch enger verzahnen", kündigte Heidel an.

Tönnies betonte derweil noch mal, sich weiter aus dem Tagesgeschäft zurückziehen zu wollen. "Wenn es läuft, wird man mich nicht sehen", sagte er. An diesen Worten wird Tönnies gemessen. Vor allem von der Opposition.

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