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Franck Ribery kommt mit herzlichen Trainern wie Carlo Ancelotti besser klar © Getty Images / Istock

Franck Ribery übt als erster Spieler des FC Bayern öffentlich Kritik an Pep Guardiola. Mit der Idee, dass dem Klub nun ein anderer Trainertyp guttut, ist er nicht allein.

Franck Ribery hat es nun also ausgesprochen: Es war nicht alles super mit Pep Guardiola.

Als erster Spieler des FC Bayern hat er öffentliche Kritik am früheren Trainer geübt. Recht umfangreiche noch dazu.

Zu strenge taktische Vorgaben, zu viel Gerede, zu wenig menschliche Wärme im Umgang, zu viel "Hin und Her" im Offensivspiel - und überhaupt: Fußball ist doch ganz einfach und nicht so kompliziert, wie Guardiola ihn gemacht hat. Und warum saß im Hinspiel gegen Atletico eigentlich Thomas Müller auf den Bank? Mon Dieu!

All das monierte der französische Flügelwirbler in mehreren Mediengesprächen auf der International-Champions-Cup-Tour in den USA (Bayern – Inter ab 23 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

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Guardiola umarmt Ribery-Kritik weg

Eine Sensation war die kleine Abrechnung nicht. Die von Ribery aufgezählten Kritikpunkte: Sie wurden in den allgegenwärtigen Guardiola-Debatten schon zigfach durchgekaut.

Und dass der sensible Ribery und der nicht auf das Streicheln von Seelen spezialisierte Coach nicht füreinander geschaffen waren: Es lag nahe.

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Guardiola hat die Kritik ja auch schon im besten Pep-Stil wegumarmt ("Über Ribery muss ich sagen: Ich liebe ihn sehr"), alles keine ganz große Sache also. Einerseits.

Andererseits: Sie unterstreicht schon eine gewisse Entwicklung, die dann doch eine größere Sache ist.

Rummenigge tadelt Ribery nur sanft

Freigeist Ribery ist sicherlich derjenige, dem kritische Gedanken über Guardiola am meisten auf dem Herzen lagen. Der Einzige, der sie hat, ist er nicht. Was ein Grund dafür ist, warum niemand Ribery abhielt, seine zu äußern - und er dafür nun auch nur sanft getadelt wird.

"Es gibt keinen Grund, gegen Pep Guardiola nachzutreten", hielt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem BR fest: "Wir haben viel mit ihm gewonnen, sehr von ihm profitiert. Nachtreten bringt nichts."

Was der Katalane geleistet hat, was er für den Klub getan hat, vor allem in Sachen spielerischer und taktischer Entwicklung: Natürlich stellt keiner, der beim Rekordmeister etwas zu sagen hat, ernsthaft in Frage.

Aber die Idee, dass es den Bayern nach drei Jahren Guardiola ganz gut tut, nun einen anderen Trainertyp zu haben - einen, der einem Spieler wie Ribery auch mal einen freundlichen Klaps anstelle einer zusätzlichen taktischen Anweisung gibt: Sie geht auch großen Pep-Bewunderern im Klub-Umfeld durch den Kopf.

Wie bei van Gaal und Heynckes

Die Konstellation erinnert an 2011, an die Zeit nach Louis van Gaal.

Auch er ein Trainer, von dessen Sachverstand der Rekordmeister langfristig profitierte. Auch er aber einer, mit dem es menschlich etwas kompliziert war. Und nach dessen Amtszeit die Bayern einen wie Jupp Heynckes dringend gebrauchen konnten. Nicht nur, weil er dann das Triple holte.

Carlo Ancelotti ist nun der nächste Pragmatiker, der bei Bayern auf einen Dogmatiker folgt. Der nächste Menschenfänger, von dem nicht nur Ribery sich bereitwillig hat einfangen lassen ("Er weiß, wie man mit großen Spielern umgeht").

Die Bayern werden wissen, warum er ihr erster Ansprechpartner war und nicht etwa Thomas Tuchel, der ihnen nach Angaben von Manager Michael Reschke von Guardiola als Nachfolger ans Herz gelegt worden war, irgendwann mal.

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Ancelotti hält sich raus

Ancelotti selbst ist klug genug, sich aus dem Pep-vs.-Carlo-Thema herauszuhalten. Er betont unablässig, wie gut sein persönliches Verhältnis zu seinem Vorgänger ist und wie gut er in München gearbeitet hat.

Er weiß, was er Guardiolas Arbeit zu verdanken hat. Aber er weiß auch, was er selbst ihr hinzufügen kann.

Und dass es am Ende womöglich wieder der Pragmatiker ist, der erntet, was der Dogmatiker gesät hat. 

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