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Werders Neu-Coach Alexander Nouri will den Ball dem Mainzer Donati nicht zum Einwurf hergeben und kassiert eine Ermahnung
Werders Neu-Coach Alexander Nouri will den Ball dem Mainzer Donati nicht zum Einwurf hergeben und kassiert eine Ermahnung © Imago

Bremen - Werder Bremen führt bei der Premiere von Trainer Alexander Nouri gegen Mainz, kassiert in den letzten Minuten aber zwei Gegentore. Nouri muss auf die Tribüne.

Mutig, kampfstark – und doch ganz bitter geschlagen: Fünf schwarze Minuten haben Werder Bremen bei der Premiere des Interimstrainers Alexander Nouri um den ersten Saisonsieg gebracht.

Drei Tage nach der Entlassung von Viktor Skripnik verloren die zeitweise wie verwandelt aufspielenden Bremer trotz Führung durch ganz späte Gegentore noch 1:2 (1:0) gegen Mainz 05.

"Wir sind sehr mutig aufgetreten und jeder hat gesehen, dass wir gewinnen wollten und alles gegeben haben", sagte Nouri bei Sky. "Bis zur 85. Minute führst du 1:0 und dann bekommst du zwei Gegentore. So bitter ist Fußball. Aber ich nicht hier, um mich zu beklagen", ergänzte der Coach.

Verbannung auf die Tribüne

Zu allem Überfluss war Nouri sogar noch kurz vor dem finalen Gegentreffer von Schiedsrichter Wolfgang Stark auf die Tribüne verbannt worden - aus Gründen, die sich ihm selbst verschlossen.

"Ich habe meine Mannschaft an der Seitenlinie motiviert und eigentlich nichts gesagt", erklärte Nouri, "aber es ist eben so passiert."

Werder ist durch die Niederlage weiter Tabellenletzter. (Die Tabelle der Bundesliga) Was seine Zukunft als Werder-Trainer betrifft, dazu mache er sich "überhaupt keine Gedanken", betonte Nouri. Er sei "froh und dankbar, dass die Mannschaft heute alles versucht hat und die Fans uns unterstützt haben. Ich bin nicht so wichtig, es geht um den Verein."

Der 37-Jährige wird aller Voraussicht nach auch im Duell mit dem VfL Wolfsburg am Samstag auf der Bank sitzen.

"Davon können Sie ausgehen. Es ist sehr, sehr wahrscheinlich", sagte Sportchef Frank Baumann bei Sky. Man werde sich aber "nochmal sehr intensiv und umfassend mit möglichen Kandidaten auseinandersetzen. Das ist auch mit Alex so besprochen.“

Furioser Start

Der Start seiner Mannschaft war sehr verheißungsvoll: Izet Hajrovic brachte Werder bei seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison per Fernschuss in Führung und belohnte die Hanseaten für einen furiosen Start (12.). Mainz-Verteidiger Gaetan Bussmann hatte sich zuvor in einem Zweikampf mit dem Torschützen verspekuliert. (Der Ticker in der Nachlese)

Den späten Ausgleich erzielte Yunus Malli (87.), dann versetzte Pablo De Blasis (90.+2) Werder den Knockout.

"Wir sind immer dran geblieben, deshalb ist es umso bitterer", sagte Torschütze Hajrovic. "Es passt aber zu unserer Situation, dass wir noch die beiden Gegentore kassiert haben."

"Es tut weh", sagte auch Kapitän Clemens Fritz. "Aber wir müssen uns den Schuh selbst anziehen."

Flüchtling Manneh feiert Bundesliga-Debüt

Nouri hatte in seiner kurzen Vorbereitungsphase auf das Duell Einzelgespräche gesucht, um seinen Spielern die Verunsicherung zu nehmen.

"Ich muss ihr Herz erreichen", hatte der 37-Jährige gesagt - offenbar war ihm dies gelungen.

Werder legte vor 37.108 Zuschauern energisch los und hatte schon in der vierten Spielminute durch Ousman Manneh nach Vorlage von Hajrovic die Chance zur Führung. Doch der Gambier, der 2014 als Flüchtling nach Bremen gekommen war, scheiterte bei seinem Bundesliga-Debüt am gut postierten Mainzer Keeper Jonas Lössl. (Die Statistik zum Spiel)

Dominante Bremer

Die Bremer, bei denen auch Olympiaheld Serge Gnabry immer wieder das Spiel an sich riss, dominierten. Auch weil sich die 05er zu Beginn der Partie viel zu weit in die Defensive drängen ließen und erst nach dem Rückstand zaghaft erste Offensivbemühungen initiierten.

Während Schmidt mit dem Auftritt seiner Elf bis zum Pausenpfiff haderte, konnte Nouri zufrieden sein.

Immer wieder peitschte der nominelle U23-Coach sein Team an und war extrem viel unterwegs an der Seitenlinie - nach dem Geschmack von Schiedsrichter Stark schon da etwas zu viel, er ermahnte Nouri noch im ersten Abschnitt, nachdem dieser die Ballrückgabe an Giulio Donati verweigert hatte.

Riesige Ausgleichschance

Nach dem Wechsel agierte Werder nicht mehr so stürmisch, achtete mehr auf die Balance aus offensiven Akzenten und einer sicheren Defensive. Mainz brauchte bis zur 63. Minute, um zur Ausgleichschance zu kommen - doch die war riesig: Jhon Cordoba scheiterte freistehend am stark reagierenden Jaroslav Drobny im Werder-Tor. (Der Spielplan der Bundesliga)

Im Gegenzug war auch Hajrovic frei durch, traf aber nur das Bein von Lössl.

Die Bremer wurden nun immer mehr hintenrein gedrängt und kämpften mit Mann und Maus. Vergeblich.

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