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Dietmar Beiersdorfer vor dem HSV-Logo
Dietmar Beiersdorfer droht der Hamburger SV zu entgleiten © dpa Picture-Alliance

München - Dass Bruno Labbadia beim Hamburger SV noch das Bayern-Spiel erleben darf und muss, liegt an Dietmar Beiersdorfer. Der HSV-Boss zögert - und hat kaum Erfolge vorzuweisen.

Das Überraschendste in diesen Tagen beim Hamburger SV ist, dass Bruno Labbadia noch nicht hingeworfen hat.

Nicht wegen des miesen Saisonstarts mit nur einem Punkt aus vier Spielen und zuletzt drei Pleiten in Serie. Sondern wegen der schon demonstrativen Gleichgültigkeit, die ihm aus dem Verein entgegenschlägt.

Beiersdorfer lässt Labbadia hängen

In der entscheidenden Rolle dabei: Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer.

Von oben bekam Labbadia nach dem 0:1 in Freiburg zu hören: "So ein Spiel muss man sacken lassen, ich werde das mit dem Trainer besprechen. Bruno Labbadia ist unser Trainer, ich muss ihm nicht jeden Tag Rückendeckung geben. Aber momentan liefern wir nicht."

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Labbadia wäre schon geholfen, wenn er zumindest an einem Tag Rückendeckung bekäme. So wirkt es, als warte Beiersdorfer nur auf die nächste Pleite am Samstag gegen den FC Bayern (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT.fm und im LIVETICKER), um Labbadias Nachfolger keinen schlimmen Start mitten in einer englischen Woche aufzuzwingen.

Unwürdiges Schauspiel beim HSV

So wird Labbadia zur lahmen Ente, zum Dead Man Walking, zu all den Klischees eines Menschen, dessen unumgängliches Schicksal schon feststeht. Ein unwürdiges Schauspiel.

Beiersdorfer ist seit zwei Jahren zurück beim HSV, als starker Mann. Seine Bilanz ist katastrophal: Drei Monate nach seinem Amtsantritt feuerte er den öffentlich bloßgestellten Sportdirektor Oliver Kreuzer, es folgte allerlei öffentliches Getöse. Zum Nachfolger machte er Peter Knäbel, von dem in erster Linie die Rucksack-Affäre im Gedächtnis bleibt.

Seit Knäbels Aus im Mai macht Beiersdorfer dessen Job zusätzlich. Das Seltsame: Beiersdorfer feuert und stellt Leute im sportlichen Bereich in wilder Reihenfolge ein, bleibt dabei jedoch kaum greifbar.

Kühne zahlt und entscheidet

Am Donnerstag traf er sich mit Investor Klaus-Michael Kühne. Offiziell, um turnusmäßig über Finanzielles zu sprechen - es braucht aber keine Fantasie, um zu erkennen, dass hier wohl Labbadias Zukunft geklärt wurde.

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Labbadia wäre der dritte Trainer, der unter Beiersdorfers Führung gefeuert wird. Kontinuität ist an den entscheidenden Stellen im sportlichen Bereich nicht zu erkennen.

Nur dank Kühne konnte der HSV mit Beiersdorfer rund 87 Millionen Euro für 30 neue Spieler ausgeben - bei gleichzeitig 91 Millionen Euro Schulden. Irgendwann wird auch der ungeduldige Investor Beiersdorfer unangenehme Fragen stellen.

Schon bei den Entlassungen von Mirko Slomka, Kreuzer und Knäbel soll Kühne der Treibende gewesen sein. Beiersdorfer haftet der Ruf des Zögerlichen an.

Labbadia leidet

Darunter leidet im Moment eben Labbadia, der kurz nach dem Treffen von Beiersdorfer und Kühne einen bemerkenswerten Auftritt auf der Spieltags-Pressekonferenz hinlegte.

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"Es gehört in diesem Geschäft dazu, dass man das Gefühlsleben ein Stück weit außen vor lässt", sagte Labbadia.

Seine Tapferkeit wird ihm wohl nicht mehr helfen. Außerhalb der Mannschaft hat der Trainer keine Unterstützer mehr im Verein.

Wenn Labbadia weg ist, wird sich die Aufmerksamkeit endgültig Beiersdorfer zuwenden.

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