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München - Der BVB überrollt derzeit seine Gegner - auch dank der Torgefahr von Raphael Guerreiro. Tuchel schwärmt, dabei war für den Portugiesen eine ganz andere Rolle vorgesehen.

Thomas Tuchel hatte glänzende Augen und grinste wie ein Honigkuchenpferd, als er bei der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg (ab 20.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) auf einen seiner Torfestival-Helden angesprochen wurde.

"Er ist auf dem besten Weg zum Trainer-Liebling", sagte der Coach von Borussia Dortmund - und kam aus dem Strahlen nicht mehr heraus.

Bei Tuchels neuem Favoriten handelt es sich um Raphael Guerreiro, der wie kaum ein anderer Anteil an den drei Schützenfesten des BVB in den vergangenen Tagen hatte.

Sechs Torbeteiligungen in drei Spielen

Der junge Portugiese feierte nach zuvor drei Kurzeinsätzen in Warschau (6:0) sein Startelf-Debüt. Auch gegen Darmstadt (6:0) und in Wolfsburg (5:1) ließ Tuchel Guerreiro von Beginn an ran - und wenn der quirlige Linksfuß so weitermacht, wird er aus der Dortmunder Startformation nicht mehr wegzudenken sein.

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Schon allein die Zahlen des gelernten Linksverteidigers sprechen eine deutliche Sprache: Guerreiro erzielte in den drei Partien zwei Tore und bereitete vier vor. Im Gastspiel bei Wolfsburg bestritt er 21 Zweikämpfe - mit Abstand die meisten aller Akteure - und konnte über die Hälfte für sich entscheiden.

Dass sich ein Defensivspieler derart torgefährlich präsentiert, ist schon an sich bemerkenswert. Doch viel höher ist die Flexibilität des 22-Jährigen einzuschätzen.

Tuchel überraschte viele, als er Guerreiro in seinem ersten Champions-League-Spiel im zentralen Mittelfeld aufbot. "Guerreiro ist viel zu gut, um auf eine Position festgelegt zu werden", schwärmte Tuchel nach dem Kantersieg gegen Darmstadt.

Als Konkurrent für Schmelzer eingeplant

Eigentlich wurde der Europameister als Ersatz oder Konkurrenz für Marcel Schmelzer verpflichtet. "Ich bin hierher gekommen, weil ich Linksverteidiger bin und auch immer war. Da fühle ich mich natürlich auch sehr wohl", stellte Guerreiro klar.

Angesichts des durchschlagenden Erfolges, dürfte er sich aber schnell mit seiner neuen Rolle anfreunden - so wie es seine Kollegen bereits getan haben. Mit den Worten von Hintermann Julian Weigl ausgedrückt: "Er hat unglaublich viel Qualität mit dem Ball und eine sehr gute Drehung. Er hat das sehr gut gemacht, das hat gut gepasst zwischen uns, wir hatten im Mittelfeld ein gutes Dreieck."

Doch damit nicht genug: Als Christian Pulisic in Wolfsburg angeschlagen das Spielfeld verließ, musste sich Guerreiro schon wieder an eine neue Position gewöhnen. Er rückte auf die linke offensive Außenbahn - und füllte auch diese Rolle erfolgreich aus. Unter anderem leitete er mit einem gefühlvollen Außenristpass auf Gonzalo Castro das 3:1 durch Ousmane Dembele ein.

Standards von Guerreiro als Waffe

Mit Guerreiro auf dem linken Flügel hat Tuchel eine weitere Variante, die den BVB noch schwerer ausrechenbar macht. Auf dieser Position kommen in Marco Reus oder Andre Schürrle sonst meist Spieler mit starkem rechten Fuß zum Einsatz, die gerne nach innen ziehen und selbst den Abschluss suchen.

Seinen starken linken Fuß nutzt Guerreiro nicht nur zum Toreschießen. Auch seine Standards werden immer gefährlicher. Eine seiner Ecken verwertete Lukasz Piszczek in Wolfsburg zum Endstand, schon in Warschau führten zwei seiner Freistöße zu Dortmunder Toren.

Kein Wunder also, dass Tuchel einen neuen Lieblingsschüler hat.

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