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München - Aufsteiger Leipzig mischt bislang die Bundesliga auf. Die Taktik, die hinter den Erfolgen steht, ist jedoch keineswegs neu. SPORT1 erklärt die RB-Taktik.

Abseits aller Diskussionen um RB Leipzig und dessen Präsenz im Oberhaus überzeugen die Kicker auf dem Rasen mit beeindruckenden Leistungen. Zwei Siege gegen Borussia Dortmund  und den Hamburger SV krönten den Saisonstart.

Doch interessanterweise lassen sich ihre Erfolge auf eine altbekannte Strategie zurückführen.

Nach einem klaren 4:0 beim HSV am vergangenen Samstag erklärte Ralph Hasenhüttl seine personellen Wechsel während der Partie. Er nahm beispielsweise Top-Talent Naby Keita zur Halbzeit raus, weil dieser "nur gut war, wenn er den Ball hatte".

Arbeit gegen den Ball für Leipzig am wichtigsten

Diese Aussage gibt einen guten Einblick in die Philosophie des Trainers, für den die Arbeit gegen den Ball oberste Priorität hat. Gerade ein zentraler Mittelfeldspieler wie Keita muss in allen Defensivphasen mit höchster Aufmerksamkeit agieren, andernfalls gerät die Pressingmaschine ins Stocken.

Bevor Hasenhüttl im Sommer zu den Leipzigern wechselte, hatten die Sachsen bereits unter Alexander Zorniger und anschließend unter Ralf Rangnick ein klares Pressing- und Umschaltsystem entwickelt.

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Sportdirektor Rangnick kaufte während des letzten Transferfensters weitere Talente ein, die allesamt über herausragende athletische Fähigkeiten verfügen. Für sein Spiel braucht RB Leipzig Tempo und Ausdauer: Tempo für die Pressingattacken und nicht selten tödlichen Konterangriffe, Ausdauer für die zahlreichen Umschaltmomente während der 90 Minuten.

Hasenhüttl ordnet lange Bälle an

Ist RB Leipzig selbst in Ballbesitz, zerbrechen sich Hasenhüttls Spieler selten den Kopf darüber, wie sie mit kurzen Pässen nach vorn gelangen könnten. Vielmehr greifen sie umgehend zum langen Ball.

In vorderster Front sind vier Stürmer postiert, dahinter lauern Sechser und Außenverteidiger als zweite Welle, um den Ball umgehend wieder zu erobern.

Gelingt dies, sind viele Meter und einige Gegenspieler bereits passiert. Die Leipziger befinden sich inmitten der gegnerischen Formation und schicken von dort aus im besten Fall ihre pfeilschnellen Angreifer hinter die Verteidigungslinie.

Pressing im Chaos

Auch in unübersichtlichen Situationen und bei vielen kurz aufeinanderfolgenden Ballbesitzwechseln im Mittelfeld ist diese Stärke im Gegenpressing Gold wert.

Hat derweil RB Leipzigs Gegner den Ball, formieren die Sachsen ihr Pressing im 4-4-2 oder 4-2-4. Sie versuchen den Gegner zum Flügel zu leiten, ziehen sich aber bei erfolglosen Attacken schnell und geschickt zurück.

Die Mannschaft agiert in der Defensive noch überlegter als in der vergangenen Saison. Insbesondere die Kompaktheit zwischen Verteidigung und Mittelfeld wird nahezu immer aufrechterhalten.

Taktik schon lange eingeübt

Ist diese Taktik nun eine bahnbrechende Neuheit? Keineswegs. RB Leipzig bedient sich jener Mittel, die schon viele Bundesligisten zuvor nutzten oder zu nutzen versuchten.

Nur ist die Mannschaft aus Sachsen bereits seit längerem auf jenes Spielsystem und die einzelnen Abläufe getrimmt. Und die punktuellen Verstärkungen – möglich mit dem entsprechenden Scheckbuch in der Tasche – runden den Kader passend ab.

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Borussia Mönchengladbach, Gegner der Leipziger am Mittwochabend (ab 19.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), mag ebenso lieber eine reagierende Rolle, aus der heraus Fehler erzwungen werden können. Mit einer für die Bundesliga eher ungewöhnlichen 3-4-1-2-Grundformation und unablässig rochierenden Angreifern wird Fohlen-Trainer Andre Schubert seinen Kollegen Hasenhüttl vor eine knifflige Aufgabe stellen.

Ausschlaggebend sollte für die Leipziger sein, inwieweit sie die Spielgestaltung den Gladbachern aufdrücken können. Gladbachs Offensive um den zuletzt starken Thorgan Hazard wird jedoch ein zweiter Härtetest für Leipzigs Defensive im heimischen Stadion.

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