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München - Julian Draxler will den VfL Wolfsburg verlassen, viele andere angeblich auch. Ist der Klub zu unattraktiv? SPORT1-Experte Stefan Schnoor hält dagegen.

Es sind harte Worte von Fabio Parisi, die er in jüngster Vergangenheit von sich gab.

Der Spielerberater meint zu wissen, dass viele Stars des VfL Wolfsburg der Autostadt den Rücken kehren wollen und Julian Draxler den Verein im kommenden Sommer auf jeden Fall verlassen werde.

Dass Draxler das schon im vergangenen Sommer tun wollte, ist bekannt. Er hat es durch einen öffentlichen Wechselwunsch zu erzwingen versucht - erfolglos. Der Spiegel legte ihm damals sogar die Phrase in den Mund: "Das Beste an Wolfsburg ist die Zugverbindung nach Berlin."

Das alte Klischee, das damit wieder bedient wird: Wolfsburg, die unattraktive Autostadt - in der es die Fußballstars nur aushalten, weil sie dort abkassieren. Stefan Schnoor kann es nicht nachvollziehen.

Schnoor: "Habe mich dort wohlgefühlt"

Der ehemalige Wolfsburger und SPORT1-Experte kann die Kritik an der Stadt nicht nachvollziehen.

"Die Jungs in Wolfsburg verdienen alle viel Geld und es ist dort nicht so, dass der Strom nicht aus der Steckdose kommt und man das Wasser aus einem Brunnen auf dem Hof holen muss. Ich habe mich in der Stadt sehr wohlgefühlt", sagt Schnoor: "Ich habe mit Sicherheit keine Playstation gespielt, wie die Spieler heutzutage. Es gibt viele Möglichkeiten und es kommt darauf an, wie professionell du dich verhältst, wie oft du trainierst."

Aber auch andere Spieler wollten Wolfsburg vor der Saison verlassen. Trotz des gesicherten finanziellen Hintergrundes hatten sich Leistungsträger wie Luiz Gustavo oder Ricardo Rodriguez überlegt, ihre sportliche Zukunft bei einem anderen Klub zu suchen.

Sie blieben, dem Erfolg der letzten Jahre hecheln die "Wölfe" derzeit dennoch hinterher. Im Europapokal sind sie in dieser Saison nur Zaungast, und auch in der Bundesliga hinkt man den Erwartungen hinterher. Nur sechs Punkte aus den ersten sechs Spielen lautet die dürftige Startbilanz.

Trainer Dieter Hecking läuft die Zeit davon. Erfolge sind das einzige Mittel, um Stars wieder langfristig an den Verein zu binden.

In Wolfsburg hat man mehr Ruhe

Schnoor spielte von 2001 bis 2006 für Wolfsburg. Er ist der Meinung, dass die Spieler "weicher" sind als die Profis in der Vergangenheit. Draxler solle froh sein, dass er nicht so von den Medien belagert werde, wie zum Beispiel beim Hamburger SV. Dort seien alle Medien vor Ort und er hätte keine Ruhe. Das sei in Wolfsburg anders.

Fussball: 1. BL 04/05, VfL Wolfsburg-VfL Bochum
Stefan Schnoor spielte von 2001 bis 2006 beim VfL Wolfsburg © Getty Images

Zudem sollten die Spieler "das große Ganze" betrachten und sich fragen "ob das Gesamtpaket Wolfsburg wirklich so schlimm" sei. Die Frage beschäftigt Fußballprofis nicht erst seit seit dieser Generation: Legendär die Geschichte des früheren HSV-Stürmers Valdas Ivanauskas, der von 19 Jahren einen Wechsel zum VfL platzen ließ, weil seine Frau Beatrix ihm mitteilte: "Valdas, ich liebe dich, aber ich kann nicht in Wolfsburg leben."

Für den 45 Jahre alten Schnoor war die Infrastruktur und die Wohnungslage in der Automobilstadt eher zweitrangig. Die sportliche Leistung stand im Vordergrund: "Es kommt immer darauf an, wo man etwas in seinem Geschmack findet. Die Spieler und ihre Familien müssen sich zu Hause wohlfühlen, wenn sie vom Training kommen. Ich habe in einem kleinen Ort gewohnt, der zu Wolfsburg gehört. Das war bei Fallersleben."

"Dann bin ich nach Hamburg gefahren"

"Für mich war es immer wichtig, dass ich möglichst schnell zum Training gekommen bin und nach dem Training möglichst schnell wieder nach Hause, dass ich mich auf das nächste Training oder Spiel vorbereiten konnte", fügt der ehemalige Abwehrspieler hinzu.

Die Zugverbindung nach Berlin war für Schnoor übrigens keine Option: "Wenn es die Zeit erlaubt hat, dann bin ich mit dem Auto nach Hamburg gefahren."

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