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Trainer Carlo Ancelotti ist gefordert, sein Team wieder ins Laufen zu bringen © Getty Images

München - Die Schwächephase des FC Bayern bietet der Konkurrenz derzeit reichlich Angriffsfläche. SPORT1 zeigt auf, warum die Münchner im Titelrennen dennoch optimistisch sein dürfen.

Für das Selbstverständnis des FC Bayern München ist die bisherige Spielzeit eine Katastrophe. Unerwartete Punktverluste gegen Frankfurt, Köln und Hoffenheim sowie die jüngste Niederlage in Dortmund nagen sichtlich am Mia-san-mia-Gefühl.

Was unter Jupp Heynckes und Pep Guardiola fast garantiert war, scheint in Carlo Ancelottis kurzer Amtszeit verloren gegangen.

Leipzig ein ernsthafter Titelkonkurrent?

Keine Frage: Der Rekordmeister ist angezählt - was nicht nur die verlorene Tabellenführung eindrucksvoll untermalt.  (Die Gründe für Bayerns Schwächephase)

Doch kann der bayerische Riese wirklich ernsthaft ins Wanken gebracht werden? 

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Eher nicht. Denn für den großen Wurf müssen die Titelkonkurrenten neben eigenem Stehvermögen auch darauf setzen, dass die Münchner keine passenden Strategien entwickeln, mit der sie zurück in die Erfolgsspur gelangen.

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Trotz des 0:1 beim BVB gibt es gute Argumente dafür, dass die bajuwarische Vormachtstellung nicht weiter bröckelt.

- Größere taktische Flexibilität

Bislang ließ Ancelotti seine Elf vorzugsweise im 4-3-3 spielen und reagierte nur sporadisch auf Wendungen während der 90 Minuten. In Dortmund bewies der "Mister" aber mit seiner Umstellung auf ein 4-4-2, dass auch er mit taktischer Flexibilität einen Gegner in Bedrängnis bringen kann.

Am Ende führten die Bayern in den meisten Statistiken (Torschüsse, Zweikämpfe, Ballbesitz) - auch wenn das Spiel verloren ging. Letztlich fehlte auch das Quäntchen Glück, um zumindest einen Zähler mitzunehmen.

Es ist zu vermuten, dass der Italiener auch im weiteren Saisonverlauf sein starres System aufbrechen wird und sich des taktischen Rüstzeugs bedienen wird, das die Mannschaft nach drei Jahren unter Guardiola fraglos innehat.

- Die Zeit spricht für Ancelotti

Was unter Guardiola in Windeseile funktionierte, klappt bei Ancelotti bislang nur in Ansätzen.

"Sie spielen nicht mehr so präzise. Sie haben sonst gerade über die Flügel immer eine Lösung gefunden. Das ist derzeit nicht mehr so", sagte Klaus Allofs, Manager des VfL Wolfsburg, im Volkswagen Doppelpass.

Philipp Lahm gab kürzlich zu, dass die Mannschaft für die Umsetzung von Ancelottis Ideen noch Zeit benötigt.

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"Was wir noch nicht so gut können, ist abwarten", sagte der Kapitän bei Sky. "Wir müssen noch lernen, dass der Gegner auch mal den Ball haben darf. Und dass wir dann eben die Mannschaft sind, die kontert."

Bis zur Winterpause müssen sich die Münchner durchkämpfen, dabei kommt ihnen das Restprogramm zugute. Drei Heimspiele, darunter der "Showdown" gegen RB Leipzig, und zwei machbare Auswärtspartien (Mainz, Darmstadt) hat der Rekordmeister noch vor der Brust.

Spätestens nach dem Winter-Trainingslager dürften der Mannschaft die fehlenden Automatismen eingebläut worden sein.

- Nachbesserung in der Winterpause

Offenbar war es ein Fehler, den Kader nicht schon im Sommer so nachzurüsten, dass auf Ausfälle und Leistungsdellen reagiert werden kann. Zwar wurden Mats Hummels und Renato Sanches dazugeholt, doch in der Offensive verzichtete Ancelotti auf frisches Blut. 

Die Folge: Wochenlange Ausfälle der alternden Stars Franck Ribery und Arjen Robben konnten nicht kompensiert werden. Dazu kamen die strapaziösen Länderspielreisen der Südamerikaner Douglas Costa und Arturo Vidal, die dazu führten, dass Thomas Müller zum Allesspieler ohne Pausen mutierte.

Unter diesem Aspekt dürfte die Vereinsführung in der kommenden Transferperiode die Schatulle öffnen - zumindest dann, wenn der Markt etwas hergibt. So könnte zum Beispiel Julian Draxler ein Thema werden, der in Wolfsburg auf keinen grünen Zweig kommt, im DFB-Team jedoch regelmäßig auftrumpft.

- Bayerische Mentalitätsmonster

Auch wenn das Selbstverständnis der Bayern in lezter Zeit gelitten hat: Spätestens nach der Niederlage in Dortmund werden die Messer an der Säbener Straße gewetzt.

Zum Mia-san-mia dürfte sich ein Jetzt-erst-recht gesellen, um weitere Fehltritte zu vermeiden. Wie die Vergangenheit des Öfteren zeigte, sind die Münchner dann am stärksten, wenn sie gefordert sind. Zumindest in der Bundesliga.

- Die Rückehr von Uli Hoeneß

Die Wahl von Uli Hoeneß zum Präsidenten am kommenden Freitag gilt als ausgemacht - und damit auch die Rückkehr des großen Bayern-Machers (Hoeneß: "Werde nicht herumeiern").

Inwieweit Hoeneß seine Rolle neu definiert, muss abgewartet werden. Sicher dürfte aber jetzt schon sein, dass er die Bayern-Familie wieder stärken wird.

So vehement wie früher, als er die "Abteilung Attacke" des Klubs verkörperte, dürfte Hoeneß zwar nicht mehr agieren. Den einen oder anderen Spruch wird er sich als wiedergewählter Präsident aber sicher nicht verkneifen. Und den eigenen Spielern notfalls in den Allerwertesten treten.

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